Wandern, Wellness & Genießen – Val die Non – Stille Wege, umgeben von blühenden Apfelbäumen, Schlössern und der Berglandschaft

Datum:

27.04. – 04.05.2025

Tourenleiter:

Christine & Harald Groß

Bericht:

Silke Weidner

Fotos:

Christine

Tourennr:

2025 – T – 08

Grandiose Planung
Um mit ein paar lobenden Worten zu starten: Die Planung von Harald und Christine ist grandios. Von
einem Vorab-Telefonat mit den neuen Teilnehmerinnen und Teilnehmern über die Kennenlern-
Wanderung und einer schriftlichen Tourenplanung vor der Tour hat alles Hand und Fuß. Die zwei
stecken viel Herzblut in ihre Touren. Wenn man dann noch eine gewisse Flexibilität und das nötige
Vertrauen mitbringt wird man tagtäglich belohnt. Es kann vorkommen, dass sie dann selbst ein paar
Minuten verspätet kommen, aber nur, weil sie wegen Wegsperrungen oder des Tipps eines
Einheimischen noch einmal alles kurzfristig umplanen. Was sie nicht beeinflussen konnten, aber
trotzdem zu 100 Prozent mitspielte, war das traumhafte Wetter. Und so hielt die Tour, was der
Headliner versprach.

Erkundungstouren auf Traumpfaden
Gestartet wurde am Sonntag um 5:00 Uhr mit zwei Bussen und insgesamt 14 Personen Richtung
Italien, Nonstal. Mit ein paar kleinen Stopps zum Ausstrecken und Kaffee trinken kamen wir ohne
Stau, dafür aber mit viel Gekurve über Serpentinen gegen 13:00 Uhr in Coredo an. Der Ort befindet
sich im Herzen des Nonstales auf einem wunderschönen grünen Hochplateau im Predaia-Hochland.
Nachdem wir ausgepackt hatten, ging es direkt zur ersten Erkundungstour. Bei einsetzendem leichten
Nieselregen über den Waalweg „Viale di Sogni“ durch den Parco Giochi vorbei am Coredo See hoch
nach Smarano. Der Regen ließ schon wieder nach, dafür sorgte eine kleine aber kurzfristig lautstarke
Baustelle im Wald für ein wenig Verwirrung. Von dort ging es auf den Jakobsweg Sentiero Frassati
wieder hinab. Am zweiten See Lago di Tavon angekommen lebte die Romantik des Trentinos mit
einem kleinen Foto-Point wieder auf. Danach wanderten wir wieder zurück ins Hotel, um ein
hervorragendes Abendessen einzunehmen. Selbstverständlich wurde Anti-Pasti, ein Süppchen sowie
zwei sehr leckere Gänge nebst Dessert von Koch Paolo gereicht. Die Frühaufsteher zogen sich
zurück und die Nachteulen setzten sich noch auf ein oder auch zwei Gläschen in die Lobby.
Am nächsten Tag war unser Ziel San Romedio. Wir folgten wieder über den Traumpfad der
Beschilderung der Via Giovanni Canestrini Richtung Tavon durch Obstplantagen und über Waldwege
und Bergpfade. Eine kleine Rast machten wir mit einer grandiosen Aussicht über das Tal bei
strahlendem Sonnenschein. Danach ging es wieder abwärts. Dabei mussten wir an einer
aufgebrachten kommunikativen Gans vorbei, aber dank unseres Tierflüsterers bestand zu keiner Zeit
eine ernsthafte Gefahr. Nun ging es hinauf zu einem Schluchtenweg, der aber nur für große,
unvorsichtige Menschen ohne Helm zu Problemen führen konnte. Wenn man die Aussicht von der
Schlucht auf den Felsen konzentrierte, zeugten in Felsaussparungen aus kleinen Ästen gebastelte
Kreuze, Bilder und teilweise Porzellanfiguren davon, dass es sich um einen Pilgerweg handelt. Erneut
durch Wälder und über Brücken vorbei an kleinen Wasserfällen ging es noch einmal bergauf, um das
Ziel zu erreichen.


San Romedio trohnt auf dem Felsen
In wilder Waldeinsamkeit (klingt komisch, trifft es aber auf den Punkt) thront die Pilgerstätte San
Romedio auf einem 70m hohen Kalksteinfelsen. Die gesamte Struktur ist durch eine steile Treppe mit
131 Stufen verbunden und besteht aus über Jahrhunderten übereinander gebauten Kirchen und
Kapellen. Direkt am Gelände befindet sich ein Bärengehege, denn nach einer Legende soll der Heilige
Romedius auf dem Weg nach Trient einen Bären geritten haben, den er auf wundersame Weise
gezähmt hatte. Wir genossen eine frische Abkühlung und der Bär gönnte sich ein Schläfchen im
kühlen Schatten. Danach machten wir uns wieder auf den Heimweg und die Gruppe war sich einig,
den SPA-Bereich des Hotels zu belagern und so den Wandertag zu beenden.

SPA-Besuch wurde zur Routine
Für diejenigen, die noch übermäßig Power hatten, stand vor dem Frühstück am Dienstag eine
Laufrunde um die Seen und ein morgendlicher Gruß des Bären zur Auswahl. Die meisten verzichteten
und man fokussierte sich auf die angekündigte Rundtour Corno di Tres (Tresner Horn). Ab diesem
Tag durfte man seinen Magen auf Kurventauglichkeit vor der Wanderung testen und überdachte evtl.
noch einmal die Reichhaltigkeit des Frühstücks. Wir parkten die Busse völlig uneigennützig direkt an
der später bewirtschafteten Hütte Refugio Predaia. Auf dem Weg 503 ging es vorbei an geschnitzten
Adlern zu den Wiesen von „Bus del Spin“ auf 1570 m zur Malga Rodeza (o di Tres) für eine erste
kleine Rast. Über herrliche Naturpfade ging es weiter hinauf zum Gipfel mit einem grandiosen Ausblick
ins Bozener Unterland bis zum Rosengarten. Für diejenigen, die keine App auf dem Handy befragen
können, werden auf einem überdimensionalen Kompass aus Stahl die umliegenden Berge benannt.
Gruppenleiter Harald nahm sich als erstes das Gipfelbuch für einen Eintrag zur Hand, während die
Gruppe noch wild am Fotografieren der Brentagruppe im Osten und der Dolomiten im Westen war.
Nach der Mittagspause machte man sich wieder auf den Heimweg übers Fenner Joch hinunter zu
einer Forststraße mit vielen Kurven. Es war lange Zeit kein Ende in Sicht, dafür wurde der Weg der
Spitzenwanderer von einer Gams gekreuzt. Nachdem wir auch den letzten steilen Anstieg zur Hütte
geschafft hatten, belohnten wir uns alle mit einem Kaltgetränk. Der Überfall unserer Gruppe auf den
SPA-Bereich wurde nach unseren Wandertouren zur Routine.


Großartige Aussichtspunkte
Am Mittwoch machten wir uns wieder mit dem Auto auf zur Wanderung. Der Parkplatz befand sich im
Regole di Malosco. Wissenswertes nebenbei: Die Regole (Regeln) sind eine archaische Form des
Gemeinschaftsbesitzes in den Alpen, welche sich über die Jahrtausende erhalten haben und das
Überleben der Bergbewohner bis heute sichern. Almen, Wiesen und Wälder in Trentino, Südtirol und
anderen Regionen gehören dieser besonderen Eigentumsform an. Wir wanderten also über den
Mendelpass Richtung Panoramahotel Penegal, welches leider geschlossen war. Ein
vielversprechender Aussichtsturm ist auch schon seit geraumer Zeit gesperrt. Eine erste Rast bot uns
eine Aussicht auf Kaltern und den Kalterer See. Endlich am Gipfel angekommen, eroberte Harald das
Gipfelkreuz, um einen Stein zu deponieren. Der Abstieg durch angenehme Lärchenwälder war mit
vielen großartigen Aussichtspunkten gespickt. In Mendel gönnte man sich einen Kaffee, ein
Kaltgetränk und manch einer auch einen Eisbecher auf der Sonnenterrasse mit aufgespanntem
Sonnenschirm. Nach diesem Highlight fiel der Heimweg gleich viel leichter. Ein wunderschöner Frosch
kreuzte noch unseren Weg und bekam unsere Aufmerksamkeit. Ungeküsst trennten sich unsere
Wege und wir setzten den Weg Richtung Auto fort. Die Abendroutinen wiederholten sich ebenfalls und
es wurde offiziell im kleinen Kreis in der Lounge in den Mai getanzt.


Zwischen Schneefeldern und Krokussen
Am nächsten Tag sollte der Hotelbesitzer Thomas und zwei weitere Hotelgäste unsere Tour begleiten.
Geplant war eine Almhüttentour in den Magdalener Bergen. Spannend, wie sich die Dinge manchmal
entwickeln und innerhalb kürzester Zeit ändern. Beim Loslaufen am Parkplatz stapften wir durch erste
kleine Schneefelder. Dieses Bild sollte sich eigentlich hinter der nächsten Kurve ändern, tat es aber
nicht. So blieb die Aussicht vorerst immer wieder mit weißen Feldern durchzogen. Eine erste kurze
Rast wurde auf der malerischen, zu dem Zeitpunkt menschenleeren Laureiner Alm eingelegt. Der
nächste Abschnitt wurde mit kleinen Passagen bergab und bergauf noch ein wenig anspruchsvoller.
Wie es allgemein üblich ist bei tollem Wetter und schmelzenden Schneefeldern, hatten sich auch
wässrige Stellen oder kleine Bäche und große Pfützen gebildet. Alle halfen sich gegenseitig, um diese
Aufgabe zu meistern. Für mich persönlich war dies eine neue, supertolle Erfahrung. Schließlich kamen
wir nach einem letzten Anstieg zu dem Teil der Wanderung ohne Schnee, gefühlt aber unendlich
weiten Krokuswiesen und einer erneuten einzigartigen Aussicht. Als wir am Tagesziel, der Revo-Alm,
angekommen waren, belohnten wir uns alle entsprechend mit leckeren Speisen und manche harrten
auch so lange aus, bis sie in den Genuss des ersehnten Kaiserschmarrns kamen. Ein kurzer Marsch
zum Parkplatz zurück wurde fröhlich und singend mit dem typisch deutsch-italienischen Klassiker
„Numero uno“ gemeistert.

Hotelbesitzer als Taxifahrer
Der großartige Service von Thomas wurde weiter ausgebaut und so durften wir von ihm und dessen
Vater am nächsten Tag einen Fahrservice zum Mendelpass genießen. Die kurvenreichen Strecken
waren allerdings für den ein oder anderen inzwischen kein Genuss mehr. Heute sollten wir mal die
2000er Marke brechen. Tagesziel: Gipfel des Monte Roén. Hierfür machten wir uns auf den Weg
vorbei an der Malga di Romeno Richtung Malga Samarano e Sfruz.

Einer großen rustikalen und schönen Sommeralm, die zu dieser Zeit aber geschlossen und von uns allen zur Rast beansprucht wurde. Danach ging es oberhalb vorbei an der Madonna del Roén Richtung Gipfel. Auch hier wurde der Weg trotz 0,01%iger Vorhersage wieder von kleineren schmelzenden Schneefeldern durchzogen. Dafür entstand durch diese Kulisse kurz vor dem Gipfel ein wunderschönes Schnee-Gruppenbild.


Kurz danach erreichten wir das erste Ziel, den Gipfel des Roen mit einem fantastischen
Panoramablick und einer markanten Steilabbruchkante über dem Etschtal. Nachdem spektakuläre
Aufnahmen und Bilder für den Guinnessbuch-Eintrag erledigt waren, wurde der erste Abstieg wieder
in Angriff genommen. Wieder an der Malga di Romeno angekommen wurde ein neuer wunderschöner
Weg eingeschlagen. Nach einiger Zeit hatten wir auch das nächste Etappenziel erreicht: Bei einer
Einkehr in der Halbweghütte konnten wir uns noch einmal stärken. Anschließend blieb nur noch ein
kurzer Abstieg über eine Piste/Abfahrt zum Parkplatz, an dem wir nach kurzer Wartezeit wieder
eingesammelt wurden. Für den nächsten Tag und die letzte Tour wurde bei der Abendbesprechung
verkündet, dass dem Wunsch einiger Teilnehmer nachgekommen wird. Diese Entscheidung bescherte
der Gruppenleitung anscheinend leider eine ruhelose Nacht, was evtl. etwas mit meiner Höhenangst
zu tun haben konnte.


Herrliche Wanderung durch die Novella-Schlucht
Ich gestehe, dass mir mein vorlautes Mundwerk schon einige Male Schwierigkeiten bereitet hat und so
machte ich mir trotz des Wortes „Schluchtenwanderung“ noch keine großen Gedanken. Am nächsten
Tag starteten wir vom Lago Smeraldo, also auf dem Weg 522 über märchenhafte Waldwege immer
weiter hinunter zur Novella-Schlucht. Nachdem wir irgendwann ganz unten angekommen waren und
einige den Kopf ziemlich in den Nacken legen mussten, um zu erklären, dass sie die Treppe sehen,
wurde ich ziemlich kleinlaut. Nach einem kurzen Aufstieg davor ging es nun in die eigentliche
Schlucht. Oh mein Gott! Vorausschauend wurde die Gruppe eingeteilt, die Stöcke und überflüssigen
Dinge verpackt und dann ging es los. Nachdem ich mich nach drei Schritten erst einmal ungeschickt
zwischen den Felsen eingeparkt hatte, schwand meine Zuversicht. Aber dank eines ruhigen
Gruppenleiters und meines neuen besten Freundes und Helden hinter mir schaffte ich ohne großes
Drama sogar die 32 Stufen der Treppe. Während andere die grandiose Aussicht genossen und große
Freude empfanden, wuchs ich innerlich einfach über mich hinaus. Harald hatte am Vorabend im
Internet das Schild mit der Aufschrift „Sentiero per escursionisti experti“ entdeckt, das am Ende des
Weges aufgestellt war. Wir kamen aber alle gesund und munter dort an und waren sehr begeistert.
Der Rückweg führte uns noch einmal durch die Apfelplantagen und ein Stück an der Straße entlang.
Diese Tour wurde relativ kurz gehalten, damit jeder noch Mitbringsel besorgen oder ein letztes
italienisches Eis essen konnte. Nach dem Essen gab Harald noch einmal alles und schwang eine
selbst verfasste italienische Dankesrede für Thomas, dessen Schwester und Koch Paolo, in
Vertretung für das ganze Personal. Auch die übrigen Restaurantgäste applaudierten.
Am Sonntag nach dem Frühstück sollte es dann also so weit sein: Urlaub vorbei, sieben Tage
verflogen. Es waren großartige Tage in einem erstklassigen Hotel mit einer harmonischen Gruppe in
einer wunderschönen Gegend. Wir sind gewandert, haben hervorragend gegessen und konnten auch
entspannen. Nach einem letzten Gruppenbild mit Thomas starteten die zwei Busse wieder gen
Deutschland. Die Heimfahrt wurde kurzfristig wieder etwas umgeplant nach Vorwarnung durch
andere deutsche Reisende. Also noch einmal auf einen Sprung durch die Schweiz und zum Schluss
die Ausfahrt Dinkelsbühl genommen, um einen Stau zu vermeiden. Aber prinzipiell hat auch das gut
funktioniert. Abgesehen von einer leichten Verletzung konnten wir uns alle gesund und munter
voneinander verabschieden. Für mich wird es nicht die letzte Tour dieser Art gewesen sein und ich
hoffe, den bzw. die ein oder andere wieder zu treffen. Vielen Dank!