Datum:
21.08. – 24.08.2025
Tourenleiter:
Roland Bräunling
Bericht:
Manfred Eschenbacher
Fotos:
Tourennr:
2025 – T – 25
Auf eigene Faust zum Timmelsjoch
Eine Tour ganz ohne Tourenleiter
Das Timmelsjoch kennen die meisten nur als spektakulären Alpenpass, den man auf dem Weg nach Südtirol hinter sich lässt. Unsere achtköpfige Wandergruppe startete jedoch dort zu einer anstrengenden aber beeindruckenden Vier-Tages-Tour.
Kleiner Schock am frühen Morgen
Zunächst drohte jedoch eine Absage, denn Tourenleiter Roland Bräunling hatte sich eine Infektion eingefangen und hoffte bis zuletzt, dass es doch noch gehen könnte. Schweren Herzens musste er der Gruppe am frühen Morgen mitteilen, dass er die Tour doch nicht leiten kann. Die meisten Teilnehmer kamen dennoch zum Treffpunkt, mit anderen wurde telefoniert. Alle hatten Lust zum Wandern, die Schlafplätze auf den Hütten waren gebucht und das Bergwetter war passabel gemeldet… Also fasste man kurzerhand den Entschluss, mit zwei Privatautos auf eigene Faust loszuziehen. Roland, der vor Ort war, übergab uns seine detailliert ausgearbeiteten Tourenunterlagen und sein Sohn übernahm während der Tour viele organisatorische Aufgaben.
Feuchter Aufstieg zu einer besonderen Berghütte
Regenwolken begrüßten uns am Startpunkt an der Timmelsbrücke und nach kurzer Zeit begleitete strömender Regen unseren knapp vierstündigen Aufstieg zur Schutzhütte Schneeberg auf 2.353 m. Dies ist keine typische Berghütte, sondern ist ein stattliches Verwaltungsgebäude einer ehemaligen Erzmine. Der Ort war 800 Jahre lang Zentrum des Südtiroler Erzbergbaus und ist heute eine Art Freilichtmuseum. Das Knappendorf St. Martin war die höchstgelegene Bergbausiedlung Europas und bei der Hütte gab es ein kleines Museum und viele interessante Gebäuderelikte zu entdecken. Der Bergbau wurde erst in den 80er-Jahren aufgegeben.
Fränkisches Gipfelbier mit Gletscherblick
Am zweiten Tag hatte sich der Dauerregen in vereinzelte Schauer verwandelt und wir überwanden die Karlsscharte auf 2.661 m auf dem Weg zum Tagesziel Hofmannspitze. Ein beeindruckendes Hochtal, das uns an „Herr der Ringe“ erinnerte breitete sich vor uns aus und schließlich lagerten wir unsere Rucksäcke an einem Seeufer vor dem Aufstieg. Hierfür musste nach einer Stunde eine steile und vom Schmelzwasser getränkte rutschige Passage überwunden werden. Zwischenziel war ein kleines Joch, das uns bereits einen überwältigenden Blick auf den Übeltalferner sowie die darüber thronende Müllerhütte und das Becherhaus schenkte. Der dann folgende Aufstieg zum Gipfel der Hofmannspitze (3.113 m) war dann vergleichsweise einfach und das von einem Teilnehmer mitgeführte Spalter Gipfelbier wurde bei einem grandiosen Gletscher-Rundumblick genossen.
Nach dem Abstieg musste auf dem weiteren Weg zum Übernachtungsziel Siegerlandhütte noch die Windachscharte, gleichzeitig Landesgrenze Italien-Österreich bezwungen werden. Den Teilnehmern verlangte dies noch einmal große Anstrengungen ab. Am Ende des zweiten Tages hatte die Gruppe Tag 14 km und fast 1.400 hm auf dem Tacho.
Schwerer Aufstieg zum Abendessen
Der dritte Tag begann mit einem Aufstieg auf das Gamsplatzl auf 3.018 m und dort eröffnete sich das beeindruckende Windachtal mit seinen kleinen Bergseen. Ein Teil der Gruppe wählte die Alternativroute ohne den Abstecher zur Hildesheimer Hütte und beide Gruppen erreichten fast zeitgleich den Aufstiegspunkt zum Brunnkogelhaus. Diese außergewöhnliche Hütte sitzt wie ein Adlerhorst auf der Bergspitze und verlangte der Gruppe noch mal 800 hm bis zum verdienten Abendessen ab.
Der Sonntag sollte nicht ohne Anspruch sein, denn vom Brunnkogelhaus ging es bei Sonnenschein über einen kilometerlangen Grat über drei weitere Gipfel, die jeweils ca. 3.000 m hoch waren, bevor wir in Richtung Timmelsjoch durch ein Hochtal abstiegen.
Fazit: Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren glücklich, diese kernige Tour mit insgesamt 46 km und über 3.700 hm nicht verpasst zu haben. Wer landschaftliche Schönheit und anspruchsvolle Wege ohne Kletterei auf 3.000 m sucht, ist rund um das Timmelsjoch richtig.