Schneeschuhtour in den Tuxer Alpen, Rastkogelhütte

Datum:

14-16.03.2025

Tourenleiter:

Armin Weigel

Bericht:

Ingrid Pfister

Fotos:

Jutta Rauch,

Ingrid Pfister

Gerhardt Haundel

Friedrich Meyer

Tourennr:

2025 – T – 06

Rucksacktrager auf dem Kraxentrager

Zugegeben, etwas mulmig war mir schon zumute, als ich an jenem Freitagmorgen Mitte März mit sechs gestandenen Männern (Armin, Axel, Friedrich, Gerhardt, Hans und Hermann) in den DAV-Bus stieg, um ins Zillertal zu fahren. Ob ich wohl Schritt halten kann mit all den Langhaxigen…? Erst ein paar Tage zuvor von der Warteliste auf die Teilnehmerliste gerutscht, ließ ich mich überraschen wer alles mit von der Partie war. Zu meiner Erleichterung berichtete Armin, dass am Parkplatz in Österreich noch ein Allgäuer Ehepaar dazu stoßen würde, so dass ich noch weibliche „Unterstützung“ erhielt. Als wir dann nahe Mayrhofen einen sogar kostenlosen Parkplatz an der Talstation der Horbergbahn fanden, trafen dort auch die sympathischen Kemptener Jutta und Norbert ein.

Der Skibus brachte uns in engen Serpentinen hinauf bis zur Bergstation der Möslbahn, so waren diese knapp 800 Höhenmeter schnell geschafft. Nun aber war Schluss mit Bequemlichkeit und wir schnallten bald die Schneeschuhe an, da den Weg eine dicke Schnee- und Eisschicht bedeckte. Leider wurde die Sicht immer schlechter, aber nach ca. drei anstrengenden Gehstunden erreichten wir die Rastkogelhütte (2124m) und bezogen unsere Lager.

Keine Rast am Rastkogel

Am Samstag starteten wir nach einem ausgiebigen Frühstück und natürlich nicht ohne den obligatorischen LVS-Geräte-Check durch Armin zuvor. Da es leider immer noch sehr neblig war, wählte er die Sicherheitsvariante Richtung Roßkopf. Am Abzweig zum letzten Stück des Roßkopfs entschieden wir neu und orientierten uns in Richtung Rastkogel. Erfreulicherweise hatte die vor uns aufgebrochene DAV-Gruppe vom Nachbartisch die gleiche Idee, so dass unser Weg bereits gespurt war. Plötzlich klarte zum perfekten Glück auch noch die Sicht auf und wir konnten endlich das wunderschöne Bergpanorama in vollen Zügen genießen. Nach einem doch anstrengenden Anstieg in strahlendem Sonnenschein und entsprechender Wärme überlegte unser Bergführer, ob es nicht besser sei, wieder den Rückweg anzutreten. Er hatte kein rechtes Vertrauen in das herrliche Wetter, das laut Prognosen eigentlich so zweifelhaft wie am Vortag hätte sein sollen. Zum Gipfel war es noch weit, außerdem hatten es sich zwei Sonnenanbeter aus unserer Gruppe bereits auf einem Felsbrocken gemütlich gemacht.

So siegte letztendlich Armins Sicherheitsgedanke und es wurde nichts mit einer Rast am Rastkogel. Wir traten den nicht ganz ungefährlichen Rückweg über den Sattel zur Hütte an, gingen an einem steilen Hang vorsichtig in großen Abständen, um nicht noch mehr Schnee loszutreten. So mancher saß dann nach der Rückkehr mit einem leuchtend roten Gesicht am Tisch, denn die Sonnenkraft im Zusammenspiel mit dem Schnee war überwältigend und wurde leicht unterschätzt.

Halbnackt und ausgesperrt

Nach einem langen Hüttenabend mit leckerem Essen gab es am nächsten Morgen für die Frauen eine unerfreuliche Überraschung. Die Etagentür im unter uns liegenden Stockwerk, hinter der sich neben vielen Gästezimmern auch der Damen-Waschraum befand, ließ sich nicht mehr öffnen. Wir hatten sofort die dortigen Zimmerlager-Gäste im Verdacht, die wohl ihre Ruhe haben wollten und von innen einfach absperrten. Mehrmaliges Klopfen und Rufen fand kein Gehör. Als sich jedoch ein junger Mann selbst aussperrte und bereits geduldig eine gute halbe Stunde nur mit Unterhose bekleidet vor dieser Tür wartete, hatte Jutta Mitleid mit ihm. Sie wagte es, den etwas knorrigen Hüttenwirt in seiner Küche zu stören und ihn um Hilfe zu bitten. Dieser jedoch kannte das Problem und meinte, das Türschloss sei schon alt und ausgeleiert, deshalb schließe sich die Tür manchmal von selbst. Dies sei aber das Problem der Sektion und nicht seines, erklärte er teilnahmslos. Ohne ein Wort des Bedauerns schloss er auf und der mittlerweile Frierende konnte sich endlich anziehen.

Gleich zwei Gipfelerlebnisse am Vormittag

Beim Sonntags-Frühstück fassten wir den Entschluss, den Gipfel des relativ naheliegenden Kraxentragers (2425m) zu erklimmen. Wir stapften im Gänsemarsch im wieder nebligen Dauergrau in die ausgewiesene Richtung. Da der Schnee schon nicht mehr ganz so tragfähig war, brachen wir oft tief ein. Schmale Felssteige mit den breiten Schneeschuhen auf den bloßen, schneeverwehten Steinen zu erklimmen war auch nicht ganz einfach. Mehrmals zweifelte Armin, ob die Richtung noch stimme. Aber mit Alex´ digitaler GPS-Ausstattung und Norberts ureigenem Allgäuer Berginstinkt befanden wir „Rucksacktrager“ uns nach ca. eineinhalb Stunden tatsächlich auf dem Gipfel des Kraxentragers.

Und weil wir schon beim Gipfelstürmen waren, nahmen wir auf dem Rückweg noch einen kleinen Umweg in Kauf, um auch noch das Kreuzjoch (2338m) zu besteigen. Zwar war die Aussicht jeweils bescheiden, aber so ein Gipfelerlebnis hat einfach was. Auf dem teils sehr steilen Rückweg zur Hütte zeigte mir die bergerfahrene Jutta noch eine Gehtechnik, um schnell und problemlos hinabzusteigen.

Zurück auf der Hütte stärkten wir uns noch einmal mit diversen Hütten-Spezialitäten, um den etwa zweistündigen Abmarsch bis zur Bushaltestelle gut zu bewältigen. Perfektes Timing: Kaum dort angekommen, kam auch schon der Skibus, um uns wieder ins Tal zu unserem DAV-Bus zu bringen.

Fazit: Ein wunderschönes Wochenende mit sehr netten Menschen, auch wenn der Nebel uns oft nicht gönnte, das herrliche Panorama zu sehen.

Herzlichen Dank an Armin, der uns souverän und sicher durch diese Traumlandschaft führte!