Datum:
16.05.2025
Tourenleiter:
Herbert Gachstetter
Dietmar Weiß
Bericht:
Fotos:
Tourennr:
2025 – T – 11
Der Hesselberg ist mit 689,4 m ü. NN die höchste Erhebung Mittelfrankens. Bei klarem Wetter kann man von hier aus die Alpensilhouette und sogar die Zugspitze sehen. Im Mai ist das allerdings wenig wahrscheinlich. Und so war es dann auch. Aber bis zur Schwäbischen Alp und den drei Kaiserbergen bei Göppingen konnte man an unserem kühlen, aber sehr sonnigen Wandertag schon sehen. Durchaus beachtlich.
Zum Weltkulturerbe Limeslinie gehört das Limeseum Ruffenhoffen, welches als kleines Schmankerl in unseren Tagesausflug mit eingeplant war. Das im Jahr 2012 im Römerpark errichtete archäologische Museum besticht nicht nur durch seine Präsentation, sondern auch durch seine architektonische Einbettung in die Landschaft. Bis zu unserer Führung um 10.00 Uhr konnten wir uns auf dem Gelände des Museums umsehen. Nicht fehlen durfte das Labyrinth in Eingangsnähe, angelegt auf einer Fläche von 20 mal 20 Metern, in dessen Mitte sich eine Linde als Ziel befindet. Jeder wollte das Ziel erreichen. Der Leser möge erraten, welche Strecke bei einer Wegbreite von ca. 1 m zurückzulegen war. Für Fortgeschrittene: Wie wäre das bei einem Labyrinth mit den Maßen 30m x 30m?
Die quadratische Anlage des Labyrinths steht auch für die quadratische Anlage des Kastells. Der eckig-kurvige Weg führt ineffizient zum Ziel und mag für die Wendungen des Lebens überhaupt stehen.
Von 10.00 Uhr bis 11.30 Uhr führte uns ein älterer Herr witzig und charmant durch das Limeseum. Als ehemaliger Bürgermeister von Gerolfingen und Techniker am nunmehr 98 m hohen Sendeturm konnte er so manches aus erster Hand berichten. Beispielsweise führte er aus, dass der inzwischen verstorbene Bundestagsabgeordnete Göppel die Bürgermeister der südwestlich gelegenen Hesselbergregion mit dem Ausspruch „In Brüssel ist zurzeit Geld da“ für den Bau des Limeseums einen sehr wichtigen Anstoß gab. Bekanntlich bildet dieses Museum das römische Leben im Kastell Ruffenhofen, das um ca. 100 n. Chr. erbaut wurde, ab. Mit Sonderausstellungen erreicht man, dass das Limeseum interessant bleibt. Im Mai 2025 war dies die Ausstellung „Timeless Power“. Der Bildhauer Gunther Stilling zeigte mit seinen meist in Bronze gegossenen ästhetisch ausgeführten Figuren, wie die Kunst der Antike bis in unsere Zeit hineinwirkt.
Nach einer kurzen Pause im Bewirtungsbereich des Museums machten wir uns auf den Weg zum Hesselberg. Über das weitläufige Gelände des Kastells, auf dem es noch so einiges zu bestaunen gab, und über Wittelshofen erreichten wir den geologischen Lehrpfad, der uns über mehrere Stationen auf den Hesselberg führte.
Am Hesselberg ist die gesamte Schichtenfolge des Jura, vom Lias über den Dogger bis zum Malm, in einzigartiger Weise aufgeschlossen. Aus dem ehemaligen fränkischen Jurameer vor 150 Millionen Jahren entstand durch Hebung und Erosion in einem Prozess der Reliefumkehr dieser bemerkenswerte Zeugenberg. Schautafeln am Wegrand erklärten anschaulich vor Ort.
Nur kurz erwähnt: Die Frankentage der NSDAP mit dem selbsternannten „Frankenführer“ Julius Streicher (bekannt durch maßlose antisemitische Hassparolen) in den Vorkriegsjahren verschafften dem Hesselberg eine Zeit lang eine traurige Bekanntheit. Weniger bekannt: In der NS-Zeit vertriebene Kärtner Slowenen (ihre Zwangsumsiedlung sollte Platz machen für „deutsche“ Umsiedler aus Regionen Italiens) waren in größerer Zahl zeitweise in Baracken auf halber Höhe auf dem Hesselberg untergebracht. Nur eine Schautafel an Ort und Stelle erinnert noch an ihr Schicksal.
Das Landschaftsschutzgebiet Hesselberg ist ausgezeichnet als eines der schönsten Geotope Bayerns und weist eine Vielzahl an seltenen Pflanzen auf, von denen wir allerdings nur wenige sahen. Zu nennen ist der (sehr seltene) ausdauernde Lein in der Gipfelregion. Der Lein ist eine der ältesten Nutzpflanzen der Menschheit. Er wurde bereits vor 5000 Jahren kultiviert und war bis ins 18. Jahrhundert der wichtigste Textilrohstoff. Aus den Leinsamen kann man Öl gewinnen. Zudem enthalten sie große Mengen wertvoller Proteine, was ihnen als Lebensmittel allseits Anerkennung verschafft.
Immer wieder gab es bei der Überschreitung des Hesselbergs schöne Ausblicke. Eine Rast durfte auch nicht fehlen und Quiz- und Schätzaufgaben mochten vielleicht zur Allgemeinbildung beitragen.
Über die Kastanienallee erreichten wir im Abstieg das Gasthaus zum Roten Ochsen in Gerolfingen. Gutes bürgerliches Essen und freundliche Bedienung – die Einkehr dort kann empfohlen werden. Jetzt musste nur noch zum Ausgangspunkt Limeseum zurückgewandert werden.
Resümee: Eine schöne Wanderung in guter Stimmung mit netten Leuten – bekannte Wege, aber auch Abwechslung und Neues.