Klettersteigtour Dolomiten Schiaragruppe

Datum:

27.08. – 30.08.2025

Tourenleiter:

Peter Jörg

Bericht:

Ute Heller

Fotos:

Ute Heller

Tourennr:

2025 – T – 27

In die Berge gehen heißt: flexibel bleiben…

Aufgrund der schlechten Wetterprognose für das ursprüngliche Ziel, die Schiara-Gruppe in den südlichen Dolomiten, starteten wir (Tourenleiter Peter und 7 Teilnehmer) anstatt um 3 Uhr früh erst um 6 Uhr ab dem DAV-Heim. Das Alternativziel für die ersten zwei Tage sollte Kirchberg in Tirol sein.

Dort angekommen war es zunächst spannend, da auf der Oberlandhütte trotz vielfacher Kontaktversuche durch Peter und Ilona am Tag zuvor niemand telefonisch erreichbar war. Normalerweise ist die Hütte über ein Buchungsportal buchbar. Glücklicherweise trafen wir Hüttenwirt Goran aber bei unserer Ankunft am Mittwoch an (Zitat: „Telefonieren wird überbewertet“) und es gab noch ein Lager mit schöner Aussicht in Richtung Wilder Kaiser für uns.

Klein, aber fein – der Klamml-Klettersteig

Erleichtert fuhren wir in Richtung Wilder Kaiser, wo wir bei strahlendem Sonnenschein und Hitze den Klamml-Klettersteig begingen. Dieser war als „kurz, aber knackig“ beschrieben und beinhaltete auch eine luftige Zweiseilbrücke. Bei einer anschließenden Rast mit Erfrischungsgetränk auf der Terrasse der Gaudeamushütte waren wir uns einig, dass der Steig (Stellen bis D) herausfordernd, aber für uns gut machbar gewesen war.

Es folgte eine Abkühlung in der tollen Kneippanlage, die nur 500m von unserem Nachtquartier entfernt war, bevor wir den ersten Tag der Tour dank milder Temperaturen bis zur Hüttenruhe auf der Terrasse der Oberlandhütte verbrachten – u.a. bei „Backerbsensuppe“, die sich als Nudelsuppe entpuppte, und unterhalten von einem Baden-Badener.

Und ewig lockt der Dolomit: Tour zum Großen Rettenstein

Da der Donnerstag ab der Mittagszeit als verregnet angekündigt war, hatte Peter für uns statt eines Klettersteigs eine Wanderung auf den Großen Rettenstein (2366m) vorgesehen. Der Berg hatte uns bereits am Vortag aus der Ferne beeindruckt, da er wie ein großer, nicht leicht zu erklimmender „Brocken“ aussah. Er ist zwar nicht der höchste Gipfel der Kitzbüheler Alpen, aber doch der markanteste mit seinem Gipfel aus Dolomit.

Zunächst ging es über Forstweg durch das Landschaftsschutzgebiet Spertental, dann durch Wald und über Wiesen. Nach kurzer Rast nahmen wir den anspruchsvollen Gipfelanstieg in Angriff – mit Helmen ausgestattet aufgrund der Steinschlaggefahr, und begleitet von Murmeltierpfiffen, deren „Verursacher jedoch von uns unentdeckt blieben. Sehr viele Gedenktafeln erinnerten im Massiv unterhalb des Gipfels an verunglückte Wanderer.

Nach fast 1300 überwundenen Höhenmetern auf 2366m Höhe gab es das obligatorische Gipfelfoto und aufgrund des Windes schlüpften wir nun gerne in unsere Jacken. Der Rundumblick war grandios – zumal wir trotz Wolkendecke in der Ferne Großvenediger, Großglockner, Hohe Tauern und Zillertaler Alpen ausmachen konnten.

Der Rückweg erfolgte auf demselben Weg, bis auf einen kleinen Abstecher zu einem Wasserfall mit Hängebrücke. Auf den letzten 30 Gehminuten regnete es schließlich doch noch, aber wir erreichten den DAV-Bus, mit dem wir zu einem Café in Kirchberg fuhren, trotzdem noch relativ trocken. Die Gruppe war sich einig, dass die Besteigung des Großen Rettensteins eine lohnenswerte Alternativtour gewesen war. Diesmal musste der Abend in der Oberlandhütte drinnen stattfinden, was bei Tiroler Gröstl und Wein der Stimmung keinen Abbruch tat.

Panormarundfahrt durch die Dolomiten 

Nachdem es in der Nacht reichlich geregnet hatte, starteten wir nach einem weiteren tollen Frühstücksbüffet in Richtung Italien, u.a. über Toblach und Cortina in Richtung Passo San Pellegrino. Eine kurze Kaffeepause am Mittag machten wir dann bei Sonnenschein mit Blick auf die Drei Zinnen. Die Weiterfahrt wurde durch den einsetzenden Starkregen und so manchem Tourteilnehmer auch durch die zahlreichen Haarnadelkurven erschwert. Dennoch war die Aussicht auf das Bergpanorama der Dolomiten grandios.

Den Bus parkte Peter an der Passstraße am Passo San Pellegrino (im Grenzgebiet zwischen Trentino und Venetien auf 1918m Höhe), wo wir tatsächlich Glück hatten, da der Regen pausierte. Unser heutiges Ziel war die Bergvagabundenhütte (auch: Rifugio Passo delle Selle), die wir schneller als erwartet, aber wieder im Regen, nach nur eineinhalb Stunden erreichten. Von der Hütte auf 2530   aus hatten wir eine grandiose Rundumsicht, sogar mit Regenbogen, da der Himmel nochmal aufklarte. Aufgrund des starken Windes sahen wir jedoch von einer Besteigung des Hausberges ab. Wir waren die einzigen Gäste der Hütte für diese Nacht und Hüttenwirt Florian Pellegrin mit seiner Familie servierte uns ein sehr leckeres Menü, das auch für das Auge sehr ansprechend dekoriert war.

Zur Hüttenruhe gab es ein spektakuläres Gewitter-Schauspiel, das manch eine sogar vom Bett aus beobachten konnte.

Entlang der Frontlinien des 1. Weltkriegs: Bepi-Zac-Klettersteig

Am nächsten Morgen, nach einem wunderschönen Sonnenaufgang und reichhaltigem Frühstück, starteten wir zu unserer Abschlusstour auf der Via Ferrata Bepi Zac, die sich als abwechslungsreiche Klettersteigtour mit tiefem Einblick in die Geschichte der Region im 1. Weltkrieg herausstellte, da dort oben erbitterte Stellungskämpfe stattgefunden hatten. Benannt ist der Klettersteig am Grat der Cresta Costabella entlang übrigens nach dem Vater des Hüttenwirts: Bepi „Zac“ Pellegrin war einer der bekanntesten Bergsteiger aus dem Fassatal. Durch einige Stollen mussten wir teils in gebückter Haltung und mit Taschenlampe  gehen und wir konnten diverse Stellungen der beiden verfeindeten Truppen besichtigen.

Zwischen den Gipfeln Cima de Campagnacia (2737m) und Cima de Costabella (2762m) begleitete uns zur Freude der meisten Gruppenteilnehmer eine Herde zutraulicher Ziegen. Wenn sich die Wolken verzogen, hatten wir immer wieder herrliche Ausblicke auf die Südtiroler Dolomiten (mit Platt- und Langkofel, Piz Boé, Marmolata, Latemar, Rosengarten). Die Tour ging immer entlang des Grates und der Frontlinie – es ist unglaublich, dass die Stellungen der Österreicher und der Italiener teils nur 30 Meter auseinanderlagen. In einen Felsturm ist sogar ein Museum integriert, das über eine kleine Brücke erreicht werden konnte. Die Ausstellung erinnert an die Schrecken des Krieges und die zahlreichen Opfer und machte uns sehr betroffen.

Bizarre Felsnadeln begleiteten von nun an unseren Weg, immer wieder gab es Nieselregen und in schattigen Nischen fand sich noch Graupel der letzten Nacht. Die Feuchtigkeit machte einige Stellen sehr rutschig. Aufgrund des hohen Anspruchs und der zusätzlich benötigten Zeit fiel die Entscheidung gegen eine Besteigung des Cima dell‘ Uomo (3010m). Zum Abschluss dieser sehr beeindruckenden und nachdenklich stimmenden Klettersteigtour stiegen wir stattdessen aber ein sehr steiles Geröllfeld ab. Als wir wieder in leichterem Gelände unterwegs waren, erwischte uns erneut einsetzender starker Regen, so dass wir  triefnass den Bus erreichten. Bei Apfelstrudel und Cappuccino wärmten wir uns auf und zogen trockene Kleidung für die Heimfahrt an.

Alle waren sehr zufrieden mit dem von Peter und Ilona ausgetüftelten Schlechtwetter-Alternativprogramm der Tour und der Harmonie innerhalb der Gruppe.

Dank an Peter, der seine Aufgabe als Bergführer wieder hervorragend und mit viel Humor gemeistert hat, an Ilona, die die Buchungen, nötigen Umbuchungen und Übersetzung des Italienischen für uns erledigte und an jedes einzelne Mitglied der Gruppe, das unsere Tour zu dem machte, was sie war.