Datum:
11.09 – 14.09.2025
Tourenleiter:
Bernd Sessler
Bericht:
Andreas Groß
Fotos:
Tourennr:
2025 – T – 28
Dachstein vs. Sella Gruppe in den Dolomiten
1. Tag: Anreise und Pitla-Cir-Klettersteig
Ursprünglich war die Ramsau am Dachstein unser Ziel. Doch die Wetterprognose für das Salzburger Land war wenige Tage vor Beginn zu instabil, sodass Bernd und Ron kurzfristig nach Südtirol ins wetterbeständigere Grödnertal auswichen.
Start war um 4:30 Uhr in Ansbach. Über München, Kufstein, Innsbruck und den Brenner erreichten wir gegen Mittag das Grödner Joch. Dort stand gleich zum Auftakt der Pitla-Cir-Klettersteig auf die Kleine Cirspitze auf dem Programm. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen legten wir unsere Klettersteigausrüstung an und stiegen zum Einstieg auf.
Der mit B/C bewertete Steig überwindet rund 140 Höhenmeter und führt in etwa 45 Minuten auf den Gipfel. Eine schöne, abwechslungsreiche Route, die sich bestens eignete, um sich an Fels und Ausrüstung zu gewöhnen. Nach einer kurzen Rast am Gipfel stiegen wir wieder ab und fuhren zu unserer Unterkunft, dem Rafreiderhof unterhalb von San Pietro.
Dort wurden wir von Frau Rainer herzlich empfangen und bezogen unsere Zimmer (zwei Doppel- und ein Dreibettzimmer). Zum Abendessen kehrten wir in die nahegelegene Hubertusstube ein und ließen den ersten Tag bei guter Stimmung und Südtiroler Küche ausklingen.
2. Tag: Pößnecker Klettersteig (Sellagruppe, Dolomiten)
Am zweiten Tag unserer Tour stand mit dem traditionsreichen Pößnecker Klettersteig (Via Ferrata delle Mesules) ein echter Dolomiten-Klassiker auf dem Programm. Nach einem frühen Frühstück um 6:30 Uhr starteten wir pünktlich um 7:15 Uhr Richtung Sellajoch, wo unser Bus abgestellt wurde. Schon beim Aussteigen beeindruckte uns die mächtige Silhouette der Felswand, in die der Klettersteig geschlagen wurde, und flößte uns Respekt ein.
Nach einem kurzen Zustieg von rund einer halben Stunde begann unser Abenteuer: 640 Höhenmeter galt es über den mit C/D bewerteten Steig zu bewältigen. Der erste, längere Teil verlangte Kondition und Achtsamkeit. Zwei C/D-Stellen sowie der fast senkrechte, enge Kamin – die Schlüsselstelle – forderten uns, stellten jedoch dank der guten Absicherung kein Hindernis dar. Immer wieder boten kleine Simse Gelegenheit zum Verschnaufen und zum Genießen der herrlichen Ausblicke, besonders hinüber zum Langkofel.
Über Leitern, Kamine und Felsrisse gelangten wir schließlich auf die weite Sellahochfläche und weiter zum Piz Selva (2941 m), unserem Tagesziel.
Der Pößnecker Klettersteig, bereits 1912 angelegt und 2022 vollständig saniert, gilt nicht umsonst als einer der großen Klassiker der Dolomiten: eine eindrucksvolle Tour, die sowohl forderte als auch mit einzigartigen Eindrücken belohnte.
Nach einer wohlverdienten Rast begann der lange Abstieg über den Sentiero attrezzato Pian de Siela hinunter ins Val Lasties, bevor wir schließlich zur Sellajochstraße zurückkehrten. Ron und Jörg setzten sich beim Abstieg an die Spitze, um den restlichen Knien die Mühsal eines erneuten Aufstiegs zum am Scheitelpunkt geparkten Bus zu ersparen. Am Ende war es Jörg, der diese schweißtreibende Aufgabe übernahm: Er kämpfte sich über die Serpentinen und die vielen Höhenmeter hinauf und holte uns schließlich auf der Talsohle des Passes ab.
Auf dem Heimweg kehrten wir in St. Ulrich in der Pizzeria Mar Dolomit ein, wo wir den Tag bei knuspriger Pizza und erfrischenden Getränken ausklingen ließen.
3. Tag: Val del Rì Ferrata bei Mezzolombardo
Da die Pässe rund um die Sellagruppe wegen des Radtags gesperrt waren, wichen wir rund 80 km südlich ins Etschtal nach Mezzolombardo aus. Dort wählten wir die Val del Rì Ferrata, einen fast einen Kilometer langen Schlucht-Klettersteig direkt oberhalb der Hängebrücke. Mit zahlreichen Trittklammern, fünf Seilbrücken und fordernden C-Passagen bot die Route viel Abwechslung, aber auch genügend Absätze zum Ausruhen.
Durch die schattige Lage in der Schlucht sowie den Abstieg im kühlen Buschwald war die Tour auch bei sommerlichen Temperaturen angenehm. Anschließend deckten wir uns im örtlichen Supermarkt mit Vesper und Mitbringsel ein und nahmen einen Absackerespresso, Cappuccino und Spritz in einem nahegelegenen Kaffee. Nach der Rückkunft im Rafreiderhof und einer Dusche fuhren wir 10 Minuten mit dem Bus zum Restaurant Überbacher und konnten auch hier beste Südtiroler Küche genießen.
4. Tag: Ferrata Pisciadù (Sellagruppe)
Auch das bis dato anhaltend schöne Wetter mit angenehmen Temperaturen wollten wir am letzten Tag unserer Klettertour ausnützen. Wir standen wie immer zeitig auf, frühstückten ausgiebig und beluden den Bus mit unserem Gepäck. Bernd hatte für uns an diesem letzten Tag nochmal einen sehr schönen Klettersteig herausgesucht. Den Ferrata Pisciadù. Wir fuhren also erneut durch St. Ulrich, St. Christina, Selva Wolkenstein hinauf und über das Grödnerjoch wieder ein Stück bergab zu einem Parkplatz direkt unterhalb der Sella Gruppe. Nach einem kurzen Zustieg erreichten wir den Einstieg in die meistbegangene Via Ferrata in den Dolomiten,
Die Route führte uns abwechslungsreich entlang der Pisciadù-Wasserfälle über gestufte Rampen, steile Wände und eine kurze Leiter bis hin zur markanten Hängebrücke. Mit Passagen im Schwierigkeitsgrad B/C ist der Steig fordernd, aber gut gesichert und bietet durchgehend eine eindrucksvolle Kulisse
Nach dem Ausstieg erreichten wir in wenigen Minuten die Pisciadùhütte (2585 m) mit ihrem Bergsee, in der wir einkehrten bevor es durch das Val Setus zurück ins Tal ging. Ein würdiger Abschluss unserer Klettertage in Südtirol.
Gegen 15 Uhr ging es wieder Richtung Heimat, die wir nach einer kurzen Rast beim Dinzler am Irschenberg um 22.30 Uhr erreichten.
Herzlicher Dank gilt Bernd und Ron für die tolle Organisation und Unterstützung!