Wanderung in den Ötztaler Alpen mit Kreuzspitze und Ötzi-Fundstelle 

Datum:

vom 07.07.-09.07.2023

Autor:

Melanie Buckel

Fotos:

Melanie Buckel

David Hitzemann

Roland Bräunling

Tourleiter:

Roland Bräunling

Tour-Nr.:
2023-T-13

Teilnehmer: Elke, Anette, Steffi, Melanie, Elfriede, Manni, Felix, Dave

Freitag ging es pünktlich um 07:00 Uhr los. Die Fahrt flutschte und während ein Teil noch ein bisschen entspannte und vor sich hin döste, plauderte der andere schon angeregt über dies und das drauf los. Vor Memmingen kam kurz ein bisschen Stress auf, da wir unser letztes Crew-Mitglied, Steffi, nicht wie vorgesehen am Bahnhof abholen konnten. Schuld war mal wieder Chaos bei der Deutschen Bahn. Zum Glück gibt es Smartphones und Google-Maps. Ein neuer Treffpunkt konnte deshalb schnell gefunden werden. Dort feierten wir den Start ins Wanderwochenende mit Kaffee und süßen Teilchen. Wunderbar.

In Imst bestätigte sich leider eine Befürchtung unseres Tourenleiters Roland. Unsere Rückfahrt würde sich nicht so einfach gestalten. Ausgerechnet am Sonntag sollte der Ötztaler Radmarathon stattfinden. Hierfür werden den ganzen Tag immer wieder über mehrere Stunden verschiedene Straßen gesperrt. Die freundliche Dame von der Touristinfo bestätigte uns: Vor 19:30 Uhr würden wir am Sonntag nicht aus dem Tal kommen. Tja, dann würde es wohl später werden, bis wir nach Hause kommen …

Aber erst einmal war ankommen angesagt. In Vent (1.894 m) sortierten wir unsere sieben Sachen, vesperten gemütlich beim Bus am Parkplatz und machten uns dann auf den Weg zur Martin-Busch-Hütte (2.501 m). Auch wenn die Temperaturen mit ca. 20 – 23 Grad nicht mit der Hitzewelle in Ansbach mithalten konnten, kamen wir doch auf dem Weg ins Schwitzen. Um die nachmittägliche Tageszeit war leider kein Schatten zu bekommen. Vorbei an Schafweiden, kleinen Hütten und einer Kapelle, die wir für eine kurze Rast und Andacht nutzten, ging es den unspektakulären Wirtschaftsweg sanft bergauf zur Hütte.

Auf dem Weg war einiges los. Wir begegneten nicht nur anderen Wanderern und Schafen, sondern auch Mountainbikern und Autos. Letztere waren hauptsächlich als Gepäcktransport unterwegs. Auf dem E5 gönnt sich dann wohl so mancher diesen Luxus.

Ca. 100 Meter vor der Hütte informierte uns ein Schild, dass ab hier kein Handyempfang mehr möglich sei. Überraschung! Da würden wohl ein paar an diesem Abend noch einen Spaziergang machen. 😉

Die Martin-Busch-Hütte war voll. Durch die Lage am E5 ist sie immer gut ausgebucht und wir hatten Glück, einen Platz zu bekommen. Trotzdem sind die Lager großzügig und sauber. Die Wirtsleute sind echt auf Zack und so bekamen wir zügig ein sehr üppiges und leckeres Abendessen. Nach dem Essen wurde schon die erste Partie Hornochsen gespielt, was für eine fröhliche und unterhaltsame Runde sorgte.

Am Samstag starteten wir nach dem Frühstück wie geplant um 07:45 Uhr.

Die Kreuzspitze (3.455 m) sollte unser Gipfelziel sein. Über mäßig steile Wiesen ging es von der Hütte gleich los.

Der Blick nach hinten in das Tal und auf den Similaun (3.606 m) mit seinem Gletscher war immer wieder lohnenswert. Das Wetter meinte es auch gut mit uns. Bei erfrischenden 15 Grad und weiß-blauem Himmel war es sehr angenehm. Der Weg zur Kreuzspitze ist einfach und gut zu laufen. Kurz unterhalb des Gipfels mussten wir über ein kleines Schneefeld, das aber alle gut meistern konnten.

Um 11:20 Uhr kamen wir an. Berg heil!

Nach ausgiebiger Rast mit mehreren Fotoshootings und der Nutzung des wiedergewonnenen Handy-Empfangs 😉 machten wir uns an den Abstieg wieder zurück zur Martin-Busch-Hütte und in das Funkloch. An der Hütte hatten wir einen Teil unseres Gepäcks gelagert, was den Rucksack für den Aufstieg etwas handlicher gemacht hatte.

Wir gönnten uns eine kurze Kaffeepause, vervollständigten unser Gepäck, füllten die Trinkflaschen auf und brachen zur Similaunhütte (3.019 m) auf.

Sanft ansteigend führte uns der Pfad an einem Bach entlang. Hier hatte es im Gegensatz zu Mittelfranken in den letzten Wochen immer wieder geregnet. Auch die ergiebigen Schneefälle aus dem Frühjahr sorgten noch für breite Bachbetten und viele, viele kleine Rinnsale. Immer wieder mussten wir den Weg etwas verlassen, um eine seichte Stelle zum Übersetzen zu finden.

Das Wetter hielt uns am Nachmittag auch auf Trab. Immer wieder gab es zwischen sonnigen Abschnitten kleine Regengüsse und wir waren oft damit beschäftigt, die Regenjacken an- oder wieder auszuziehen.

Gegen 17:00 Uhr kamen wir müde und erschöpft in der schon gut gefüllten Similaunhütte an. Wir widmeten uns der Körperpflege und versuchten uns gegenseitig mit mehr oder weniger Erfolg bei kleinen Wunden und großen Blasen zu versorgen. Gute und vor allem passende Bergschuhe sind einfach unbezahlbar. Auch hier musste man die Hütte verlassen, wenn man Handyempfang haben wollte. Und so gab es einen regen Verkehr zwischen der Hütte und der Station der Lastenseilbahn.

Das Abendessen war auch hier sehr üppig und lecker! Die Hüttencrew hatte allerdings ein Credo, das uns sehr an unsere Kindheit erinnerte: „Essen wird erst serviert, wenn alle am Tisch sitzen.“ Bei neun Personen nicht so einfach, wie man denken mag 😉.

In gemütlicher Runde saßen wir bis zur Hüttenruhe zusammen und spielten einen Hornochsen nach dem anderen heraus.

Am Sonntag ließen wir es ruhiger angehen. Wir konnten ja eh erst um 19:30 Uhr abfahren. So starteten wir erst um 08:00 Uhr. Die meisten anderen Gruppen waren da schon lange unterwegs. Bereits ab 04:00 Uhr morgens konnte man sehen, wie sich kleine und große Grüppchen, aufgereiht wie eine Perlenschnur, den Gletscher zum Similaun hinaufarbeiteten.

Wir begaben uns auf den felsigen Pfad hinter der Hütte Richtung Ötzi-Fundstelle. Der Weg bot wieder viele schöne Ausblicke und auch die ein oder andere kleine Herausforderung bzw. Abwechslung, wo wir Felsbrocken überwinden mussten oder Schneefelder durchqueren durften.

An der Fundstelle (3.210 m) machten wir eine große Rast.

Rolands Psalmworte sorgten für eine nachdenkliche Unterhaltung über das Leben und den Tod. Passend insofern, da auch Ötzi uns Rätsel aufgibt über sein Leben und das seiner Zeit und die Umstände seines Todes. War es eine rituelle Tötung? Oder doch Mord? Das, was wir über ihn wissen, regt auf jeden Fall die Fantasie für Spekulationen an.

Während ein paar von uns die Sonnenstrahlen genossen und vor sich hindösten, machte der Großteil der Gruppe einen Abstecher zum nahegelegenen Hauslabjoch (3.279 m) und genoss den Ausblick auf den Hochjochferner und die verlockend nahe Fineilspitze.

Auf dem Rückweg mussten wir feststellen, dass es insbesondere bei Schneefeldern sehr ratsam ist, den „Trampelpfad“ zu nutzen und es nicht mit einer Abkürzung zu versuchen. Man kann tatsächlich so tief einsinken, dass man Mühe hat, sich ohne fremde Hilfe wieder herauszuwinden. Ein Glück, es ging alles gut.

Wir machten erneut Halt an der Martin-Busch-Hütte und gönnten uns einen Kaiserschmarrn. Dreimal an einem Wochenende in einer Hütte einzukehren, hatten viele von uns auch noch nicht gemacht. Nachdem auch die verloren geglaubten Hüttenschlappen wiedergefunden wurden, machten wir uns auf den Weg zurück nach Vent.

100 Meter nach der Hütte beendete der wiedergewonnene Handyempfang die Pause von den sozialen Medien. Auch, wenn es etwas schwerfiel, so hatte diese erzwungene Pause durch das das komplette Tal überspannende Funkloch doch auch etwas Erholsames.

Um den Abstieg auf dem Wirtschaftsweg noch etwas kurzweiliger zu gestalten, nahmen wir nach ca. einem Drittel des Weges eine kleine Abzweigung. Sie führte lediglich auf die andere Seite der Niedertaler Ache, die mit hohem Wasserstand durch den Taleinschnitt brauste. Die alternative Route war tatsächlich Balsam für die Seele. Statt grauem Schotter und Fahrzeugspuren, ein kleiner, mit Wurzeln durchzogener Pfad mitten durch hohes Gras, wilde Blumen und niederem Gehölz. Laut Wanderkarte sollte uns nach einem knappen Kilometer eine kleine Brücke wieder zurück auf den Hauptweg bringen.

Die kleine Brücke war schnell erreicht, doch kamen wir dort gemeinsam zu einem abrupten Halt. Das gute Stück lag tapfer und ohne Löcher in den Brettern auf beiden Seiten der Ache, die mit starker Strömung ca. 5 Meter tiefer talauswärts floss. Auf der Brücke lag jedoch ein riesiger Felsbrocken. Er war so groß, dass man über ihn hätte darüber klettern müssen, um auf die andere Seite zu gelangen. Die Brücke lag auf massiven Stahlträgern, doch vertrauenserweckend war der Anblick nicht. Wir alle dachten das Gleiche: „O bitte, lass das nicht die Brücke sein, über die wir müssen!“

Nein, war sie auch nicht. Zum Glück. Einige Meter weiter flussabwärts gewährte uns eine neue Brücke den sicheren Weg über die Ache.

Um 18:30 Uhr kamen wir alle wieder wohlbehalten am Bus an und verstauten unser Gepäck. Um die Zeit bis zum Ende der Straßensperrung zu überbrücken, gönnten wir uns eine wirklich sehr, sehr leckere Pizza im Restaurant Wildspitz in Vent.

Die Heimfahrt verlief ebenfalls problemlos. Steffi setzten wir wieder wohlbehalten in Memmingen ab und dann ging es nach Hause nach Ansbach.

Vielen lieben Dank an alle Fahrerinnen und Fahrer und ein großes Dankeschön an Roland für die wieder großartige Tour!

Autorin: Melanie Buckel