Naturkundliche Wanderung nach Schillingsfürst am 26.05.2023

Datum:

am 26.05.2023

Autor:

Herbert Gachstatter, Sylvia Gachstatter und Dietmar Weiß

Fotos:


Tourleiter:

Herbert Gachstatter, Sylvia Gachstatter und Dietmar Weiß

Tour-Nr.:

2023-T-11

Teilnehmer:        Norbert Bartsch, Sylvia Eckardt, Jennifer Gerend, Thomas Goldbach, Thomas Hellmuth, Joseph Hillermeier, Rosi Hillermeier, Michael Kopp, Andrea Lautenbacher, Georg Lober, Christoph Matzke, Manfred Tschirswitz, Angelika Weiß, Gudrun Zumach und Lisa Zumach.

Wegführung:     Von Dombühl nach Kloster Sulz, über den Klosterberg nach Altengreuth zur Wanderhütte Traisdorf und weiter am Oberen First entlang über das Brunnenhaus zum Schloss in Schillingsfürst.

Wegstrecke:       ca. 13 km mit etwa 100 m Anstieg 

Kein Wölkchen am Himmel, Frühtemperatur bei noch frischen 9° C und leichter Nordost-Wind.

Beste Voraussetzungen für unsere Wanderung in den Natur- und Kulturraum Schillingsfürst. So trafen die meisten unserer 18- köpfigen Wandergruppe gut gelaunt ab 08.50 Uhr am Bahnhof in Ansbach ein. Mit der Regionalbahn erreichten wir Dombühl pünktlich um 09.07 Uhr. Hier wartete Hebert Gachstatter mit seiner Frau Sylvia auf uns und die Wanderer, für die die Strecke eigentlich ein Heimspiel war. Georg Lober konnte unterwegs einige heimatliche Anekdoten beisteuern.

Nach kurzer Wanderung erreichten wir bereits Kloster Sulz. Die Kirche war abgesperrt. Schade! Aber Georg wusste Rat und ging auf die Suche nach dem Herrn der Schlösser. Mittlerweile kam noch ein freundlicher Dorfbewohner vorbei, der uns ebenfalls anbot, den Schlüssel zu besorgen. Und siehe da, bald war der Schlüssel da und wir konnten diesen Teil des Klosters auch von innen besichtigen. Die weiteren Gebäudeteile blieben uns aber trotzdem verschlossen, da diese aktiv als Kindergarten genutzt werden. Und so blieben Herberts geschichtlichen Ausführungen über das Kloster noch wesentlich lebendiger in Erinnerung:

Die Kirche ist nicht einfach eine Dorfkirche sondern Teil einer mittelalterlichen Klosteranlage entstanden um ca. 1200. Das Kloster Sulz war ein Frauenkloster der Prämonstratenser (Gründer Norbert von Xanten). Die Ordensgeschichte ist aufgrund verschiedener Brandkatastrophen für immer ins Dunkel gehüllt. Die Gründer waren fränkische Adelsherren der näheren Umgebung wie z.B. von Wahrberg (bei Aurach) oder von Crailsheim.

Die Klosterfrauen waren ausschließlich adeliger Herkunft und waren, soweit sie nicht zum Heiraten kamen, im Kloster gut versorgt. Mit dem Einhalten der Ordensregeln hatten sie auch umfangreiche und erfüllende Aufgaben. Die reichen Stiftungen (Höfe, Mühlen) in 65 Orten der Umgebung sowie das Zehntrecht in zwanzig Ortschaften sorgten für gute Einnahmen.

Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster weitgehend zerstört.

Dabei spielten die Leutershäuser eine sagen wir unrühmliche Rolle und wurden später dafür hart bestraft. Sie zogen gegen Kloster Sulz das damals von 12 Nonnen und verschiedenen Dienstleuten und von einer Meisterin geleitet bewohnt wurde und hatten leichtes Spiel.. Nonnen, Meisterin und Dienstleute flüchteten unter dem Schutz des Markgrafen Casimir nach Ansbach. Die Eindringlinge machten erst reiche Beute und versteckten diese in der Kirchburg Dombühl. In ihrer blinden Zerstörungswut brannten sie noch die Kirche und das Kloster nieder.

Als der Markgraf Casimir dies erfuhr war er sehr erzürnt und rückte mit seinen Truppen von Ansbach heran (ungefähr ein Tagesmarsch, heute hätte er mit der S-Bahn fahren können!). Nach 8 Tagen Belagerung eroberte er die Kirchenfestung Dombühl. Der Nonnenprediger (er predigte den Nonnen), welcher mit den Plünderern im Bunde stand wurde auf den Befehl Casimirs nach Feuchtwangen gebracht und dort auf dem Marktplatz enthauptet.

Die Leutershäuser mussten ihren Unteren Stadtturm einreisen und die Stadt wurde tagelang ihrerseits den Plünderungen der markgräflichen Truppen preisgegeben. Der Neuaufbau des unteren Turmes wurde erst viel Jahre später wieder genehmigt.

An der ehemaligen Brauerei Körber vorbei wanderten wir den Klosterberg hinauf und auf der Anhöhe ging es über Wald und Flur Richtung Altengreuth. Unterwegs erklärt uns Herbert noch „seinen“ Grenzstein HG:

Markgraf Karl-Alexander dankte 1791 ab und überließ sein Fürstentum dem König von Preußen. Freiherr August von Hardenberg, der spätere Außenminister und Kanzler Preußens, übernahm das Fürstentum für die Krone von Preußen. Hardenberg wollte einen geschlossenen Territorialstaat in dem keine fremden Rechte und keine fremden Untertanen mehr der preußischen Landesherrschaft entgegenstanden. Preußen schloss daher mit einer Reihe von benachbarten Herrschaften –so auch mit dem kleinen Hohenlohe Schillingsfürst Verträge ab mit denen fremdherrschaftliche Einsprengsel beseitigt wurden.

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es zwischen den Fürstentümern nur die sogenannten Fraischgrenzen, die lediglich die Hochgerichtsbarkeiten trennten. Im Landesvergleich von 1797 und im Landesvertrag von 1803 wurde eine „wirkliche“ Grenze vereinbart. Zunächst verpflockt und dann versteint führte man die Grenze gemäß den Ortsmarkungen entlang. Auf einer Seite trugen die Steine die Aufschrift HG (für Hohenlohische Gerichtsbarkeit, umgedeutet Herbert Gachstatter) und auf der anderen Seite PG (für Preußische Gerichtsbarkeit, umgedeutet Platen-Gymnasium, langjährige Wirkungsstätte des Genannten)

Zwei Jahre nach der Versteinung war die neue Landesgrenze bereits bedeutungslos. Napoleon ordnete Europa neu. Dem neuen Königreich Bayern wurden beide Seiten, Ansbach-Brandenburg und Schillingsfürst- Hohenlohe zugeschlagen. Der mustergültig ausgehandelte Landesausgleich hatte nur 3 Jahre Bestand!
Heutzutage nennt man das Zeitenwende.

Nach einigen Kilometern erreichen wir die Wanderhütte Traisdorf. Hier erwartet uns eine Riesen-Überraschung: Es gibt Freibier und das auch noch gut gekühlt auf Eis gelegt. Vielen Dank an Herbert und Sylvia, die dafür die vorausschauende Organisation übernahmen. Da schmeckte die eingepackte Brotzeit noch einmal doppelt so gut und die Pause gestaltete sich als sehr kurzweilig.

Irgendwann müssen die geplagten Beine aber wieder in Gang gesetzt werden, denn schließlich erwartete uns ja noch eine Schlossführung in Schillingsfürst um 16.00 Uhr, dem letztmöglichen Termin. So folgten wir dem Oberen Firstweg bis zum Brunnenhaus, wo wir uns nochmal eine kurze Rast gönnten. Das Brunnenhausmuseum wäre einen Besuch wert, denn schließlich ist hier eine in Deutschland einzigartige Ochsentretanlage zu besichtigen, mit der das ca. 1 km entfernte Schloss der Fürsten zu Hohenlohe Schillingsfürst mit Wasser versorgt wurde. Doch leider war das Museum noch nicht geöffnet und die Zeit drängte auch schon ein bisschen. Dafür konnten wir gleich neben unserem Rastplatz das Feldgeschworenendenkmal mit Informationen zu den Grenzsteinen erkunden.

Mit weiten Blicken nach Norden über die ehemaligen Wendendörfer hinweg kann man am Horizont Schloss Colmberg erkennen. Jetzt sind es nur noch 2 km und recht pünktlich kommen wir zu unserer Schlossführung unter dem Motto „Mit Schlappen durchs Schloss“ an.

Die Führung vermittelte uns einen intensiven Einblick in die barocke Welt der Fürsten von Hohenlohe-Schillingsfürst. Die kaum enden wollende Ahnengalerie, die Bezüge zur heutigen Politik und die etwas gehobene Ausstattung der Wohn- und Arbeitsbereiche waren schon beeindruckend. Natürlich sollte man auch Franz Liszt nicht vergessen, der als „Freund des Schlosses“ hier häufiger zu Gast war und zu dessen Andenken ein Liszt-Zimmer eingerichtet wurde.

Nach so vielen Informationen und Bewegung tat uns der Abschluss unserer kleinen Wanderung auf der Terrasse des Schloss-Cafés sehr gut. Mit einem herrlichen Ausblick nach Süden genossen wir Kaffee, Eisbecher, Fassbier und/oder eine kleine Brotzeit, jeder nach seinem Gusto. Da die Bahn-App verschiedene Abfahrtszeiten auf den Handys generierte und einige am Abend noch Termine hatten, machte sich ein Teil der Gruppe bereits etwas frühzeitiger auf den Weg, um den „richtigen“ Bus noch zu erwischen, während die „Coolies“ sitzen blieben und noch genüsslich ihre Teller und Gläser leerten. Am Ende kamen alle nahezu gleichzeitig in Ansbach an!

Auf jeden Fall war es wieder mal eine schöne Wanderung mit euch, fröhlich, unfallfrei und mit vielen zwischenmenschlichen Gesprächen. Wir freuen uns, wenn ihr nächstes Jahr wieder dabei seid.

Wohlauf die Luft geht frisch und rein,

wer lange sitzt muss rosten…

In diesem Sinne, bleibt gesund

Herbert, Sylvia und Dietmar