Datum:
vom 30.09. – 07.10.2023
Autor:
Heike Kohn
Fotos:
Harald Groß
Tourleiter:
Harald + Christine Groß
Tour-Nr.:2023-T-30
Auf dem Meraner Höhenweg rund um die Texel-Gruppe
Als absolute Hüttentour-Neulinge hatten wir uns bei der Tourenvorstellung im Winter spontan zu dieser Wanderung angemeldet. Wir waren sehr gespannt, wie es werden würde, da wir bisher nur Tagestouren von einer festen Unterkunft aus gemacht hatten und bisher auch noch nie in einer Hütte übernachtet hatten.
Voller Vorfreude und ausgerüstet mit einem vollen Tourenrucksack, unseren Wanderschuhen und Proviant in Form von Müsliriegeln, geht es am Samstagmorgen um 4:00 Uhr los nach Heilsbronn zum vereinbarten Treffpunkt. Nachdem sich alle begrüßt und kennengelernt haben, beladen wir die beiden Busse und fahren zum Startpunkt unserer ersten Etappe nach Vellau bei Meran.
Von Vellau aus bringt uns der nostalgische Korblift hinauf zur Leiteralm, wo unsere erste Etappe zur Schutzhütte Nasereit startet. Auf wunderschönen Waldwegen wandern wir, vorbei am Hochganghaus und weiter mit einem kleinen Zwischenstopp auf der Tablander Alm, zu unserer Unterkunft für die erste Nacht. Direkt nach der Ankunft in der Hütte gibt es erstmal ein leckeres Essen und danach eine erfrischende Dusche. Den Abend lassen wir mit Zirbenlikör und guten Gesprächen langsam ausklingen, da das frühe Aufstehen am Morgen, die lange Anfahrt und die erste Etappe mit ca. 5 Stunden Gehzeit im Anschluss dann doch ein wenig anstrengend war.
Gut erholt, und mit einem sehr leckeren Frühstück gestärkt, starteten wir am nächsten Morgen bei bestem Wetter in die zweite Etappe zum Patleidhof. Diese Strecke führt uns unter anderem durch die 1000-Stufen-Schlucht, in der eine Hängebrücke nun das ganze etwas leichter macht. Wäre da das Wackeln und die Höhe nicht. Weiter ging es am Naturnser Sonnenberg mit bester Aussicht in den Vinschgau. Apropos Stufen: Gefühlt besteht der Meraner Höhenweg zum größten Teil aus Stufen, die alle immer irgendwie nach oben führen und den einen oder anderen aus der Gruppe nicht nur einmal innerlich fluchen ließen *lach*.
Bei unserer Einkehr im nostalgisch anmutenden Pirchhof sorgt eine Musikgruppe mit typischer Südtiroler Volksmusik für gute Stimmung. Erfrischt wandern wir weiter zu unserem Übernachtungsziel, dem Patleidhof am Naturnser Sonnenberg. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen haben, gönnen wir uns erst einmal einen leckeren Aperol Spritz in der warmen Nachmittagssonne, denn schließlich soll der Genuss ja auch nicht zu kurz kommen. Am Patleidhof sind einige aus der Gruppe in einem wunderschönen, alten Häuschen in hübschen Mehrbettzimmern untergebracht. Das Haus wirkt innen und außen wie aus einem Freilandmuseum und ist auch tatsächlich schon sehr alt, wie wir von den Hofeigentümern erfahren haben. Nichtsdestotrotz gibt es dort fast schon luxuriöse Sanitäreinrichtungen mit enorm warmer Fußbodenheizung.
Der nächste Tag war mit der dritten Etappe für mich gefühlt der anspruchsvollste. Es ging ins Schnalstal hinein, vorbei am schön gelegenen Katharinaberg und dann ins Pfossental. Gute 7 Stunden Gehzeit und insgesamt ca. 1100 Höhenmeter im Aufstieg war eine echte Herausforderung als Tourenneuling. Schließlich wollen ca. 7-10 Kilo Gepäck irgendwie hinaufgebracht werden, und da es darüber hinaus auch sehr warm war, war es entsprechend anstrengend. Ein Teil des Weges führt durch einen wunderschönen Lärchenwald weiter nach oben aber auch immer wieder über etliche Stufen. Am Gasthof Jägerrast machen wir noch einen Zwischenstopp, bei dem wir uns kurz erholen konnten, bevor es zu unserem nächsten Übernachtungsziel weiter geht – zum Eishof. Der Eishof wird von einem jungen Team geführt und hat ein tolles Konzept mit Events und Angeboten wie Yoga, Törggelen Abenden und mehr. Der Eishof ist auch die einzige Hütte auf unserem Weg, in der wir Halbpension haben. Uns erwartet zum gemeinsamen Abendessen ein sehr leckeres 3-Gänge-Menü mit einer Ingwer-Kürbissuppe als Vorspeise, einem Rote-Bete-Orzotto und einem Pflaumenkuchen mit Eis als Nachtisch. Nicht umsonst hat der Eishof im Jahr 2022 vom Magazin Falstaff die Auszeichnung Gourmethütte des Jahres in Südtirol bekommen.
Nach einem sehr guten Frühstück starten wir wieder bei bestem Wetter unsere nächste Etappe über das Eisjöchl nach Pfelders. Über einen alten Militärweg, der relativ gleichmäßig ansteigt, kommen wir hoch zum Eisjöchl mit seinen 2875 m. Gneise und Glimmerschiefer lassen die Landschaft wie verzaubert glitzern. Oben angekommen präsentiert sich uns ein einmaliges Panorama in Richtung Stubaier Alpen mit der Stettiner Hütte im Vordergrund. Wir genießen den phantastischen Ausblick auf die 3000er um uns herum und machen uns nach einer kurzen Pause an den Abstieg von 1300 m ins Pfelderer Tal. In steilen Serpentinen schlängelt sich der Weg hinunter zur Lazinser Alm, wo wir gemeinsam einkehren, bevor wir unsere heutige Unterkunft Zeppichl erreichen. Im Hotelrestaurant genießen wir gemeinsam ein sehr leckeres Abendessen à la carte und lassen den Abend entspannt ausklingen.
Den fünften Tag beginnen wir gut erholt und mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet, bevor wir das erste Stück unserer heutigen Etappe mit einer kurzen Busfahrt von Pfelders nach Platt überbrücken. Von Platt geht es nun ins Passeier Tal nach Ulfas und über Christl zum Valtelehof, wo wir eine Pause einlegen und sehr lecker essen, bevor wir weiter zum Berggasthaus Magdfeld, unserem heutigen Ziel, wandern. In diesem Abschnitt des Meraner Höhenweges sind wir nun häufiger auf Verbindungsstraßen zwischen den Höfen unterwegs, weshalb ich diese Etappe als weniger attraktiv empfand als unsere bisherigen. Der längere Schlussanstieg zum Etappenziel Magdfeld führt über einen Steig im Wald und ist zum Ende des Tages dann nochmal ordentlich anstrengend, weil wir auch hier wieder einige Stufen überwinden müssen.
Wir haben nun fast die Texelgruppe umrundet und machen am 6. Tag einen Abstecher ins Spronser Tal zur Bockerhütte. Hierzu verlassen wir den Meraner Höhenweg und wandern über das Gasthaus Longfall zu unserer 1700 m hochgelegenen Unterkunft. Hier gibt es echtes Hüttenfeeling mit Matratzenlager unterm Dach, aber auch nette Mehrbettzimmer. Die Küche bietet leckere Sachen und gute Weine, lediglich das Frühstück ist hier ungewohnt einfach, aber trotzdem in Ordnung. Auf der Bockerhütte werden wir zwei Nächte verbringen, um von hieraus noch die Spronser Seen zu erleben.
Bei bestem Wetter brechen wir am nächsten Morgen zu den Seen auf. Über den Oberkaser steigen wir an einem Wasserfall entlang zur Spronser Seenplatte auf. Ein Teil der Gruppe trennt sich und wandert mit Harald auf das Spronser Joch. Wir bleiben beim anderen Teil und gehen mit Christine entlang des Langsees bis zu den Milchseen. Am Langsee machen wir eine kurze Rast und genießen die einzigartige Natur um uns herum. Beim Abstieg treffen wir uns mit den anderen beim Oberkaser und lassen uns bei strahlendem Sonnenschein und spätsommerlichen Temperaturen ein paar kühle Getränke schmecken. Dann geht es über den Jägersteig zurück zur Bockerhütte. Von hier aus ist der Ausblick in Richtung Dolomiten grandios. Man erkennt am Horizont die Sellagruppe, Platt- und Langkofel und den Rosengarten. Der Abzweig zur Hütte ist zwar als Steig ausgeschildert, wird aber offensichtlich kaum begangen und ist auch nicht sonderlich gepflegt, so dass der Abstieg in beinah weglosem Gelände zu einer echten Herausforderung wird. Unter der hervorragenden Führung von Harald und mit viel gegenseitiger Unterstützung in der Gruppe kommen alle wohlbehalten an der Bockerhütte an. Den letzten Abend dieser besonderen Tour lassen wir dann mit Wein, leckerem Essen und guten Gesprächen ausklingen.
Unsere achte und letzte Etappe führt uns von der Bockerhütte über den Jägersteig zum Gasthaus Mutkopf und weiter bis zum Berggasthof Hochmuth. Von dort aus nehmen wir den Vellauer Felsenweg, der uns über einen wunderschönen, aussichtsreichen Pfad zurück nach Vellau bringt. Meran liegt unter uns und die Aussicht ist nochmals phantastisch. Im Gasthaus Gasteiger kehren wir zum Abschluss noch einmal ein, bevor wir schließlich die Busse beladen und mit vielen großartigen Eindrücken im Kopf die Heimreise antreten.
Fazit: Unsere erste Hüttentour war ein sehr schönes Erlebnis. Angefangen von den Etappen, die uns durch eine eindrucksvolle Landschaft geführt haben, bis hin zur der sehr harmonischen Atmosphäre in der Gruppe und den beiden hervorragenden Tourenleitern Christine und Harald Groß, die alles so super organisiert hatten. Zudem hatten wir die ganze Woche nur bestes Wetter bei sommerlichen Temperaturen.
Für den kompletten Meraner Höhenweg benötigt man dennoch eine gute Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, denn neben bequemen Wiesenwegen und Fahrstraßen gibt es auch steile Auf- und Abstiege sowie ausgesetzte Pfade. Wanderstöcke sind hier absolut zu empfehlen. Auf der Strecke gibt es immer wieder hervorragende Einkehrmöglichkeiten, so dass man auch nicht allzu viel Proviant mitnehmen muss, und die Wasserflaschen lassen sich überall problemlos nachfüllen.
Eine absolute empfehlenswerte Tour.