Klettersteigtour am Gardasee

Datum:

31.08.2023 – 03.09.2023

Autor:

Rainer Bauereisen


Tourleiter:

Bernd Seßler, Ronald Berndt

Tour-Nr.:
2023-T-23


Klettersteigparadies Gardasee 31.8.2023 – 3.9.2023

Am 31.08.2023 sind wir (Hans, Harry, Herrmann, Jörg, Jürgen, Rainer) und unsere beiden Tourenleiter Bernd und Ron um 4 Uhr morgens gen Süden aufgebrochen. Der Wettergott war gnädig mit uns: Ab unserer Ankunft hat sich das Wetterkreuz wieder auf Sommer gedreht  Sonne pur und 26 Grad.

Am ersten Tag haben wir unterwegs gleich den „Monte-Albano-Klettersteig“ in Mori mitgenommen, einen anspruchsvollen Gardasee-Klassiker im Schwierigkeitsbereich C/D, mit vielen luftigen, senkrechten, manchmal sogar leicht abdrängenden Passagen. Nachdem es mittags schon ganz schön heiß war, hatten wir damit gleich zu Beginn eine ernste Herausforderung. Die haben wir natürlich mit Bravour gemeistert. Dann sind wir nach Riva in unser Quartier gefahren.

Am nächsten Tag hat uns der Höhepunkt unserer Fahrt erwartet: der Schmugglerpfad. Der „Sentiero Cantrabbandieri“ ist ein teils natürliches, teils in den Fels geschlagenes Band in der Steilküste zwischen Riva und Pregasina unmittelbar über dem Nordwestufer des Sees, manchmal kaum einen halben Meter breit, mit vielen stark ausgesetzten Stellen. Das allein sorgt schon für einen leicht erhöhten Puls … Drahtseile sind nur selten zu finden – also kein Klettersteig im herkömmlichen Sinne. Bohrhaken gibt es allerdings in regelmäßigen Abständen. Deshalb haben wir zwei Vierergruppen gebildet und sind den Weg „am gleitenden Seil“ gegangen, ähnlich wie auf einem steilen Gletscher. Nur dass es 28 Grad warm war … Für die schwierigen Stellen war eine zusätzliche Sicherung mit HMS und Standplatz erforderlich. Zu überwinden galt es unter anderem einen furchteinflößenden, seeehr tiefen Spalt (mit einem Spagat überklettert) sowie eine wackelige Drahtleiter und noch einiges mehr … Dank unserer kompetenten Vorsteiger Bernd und Ron haben wir alles bestens überstanden. Hierzu ein dickes Lob an die Beiden – Klettern ist Vertrauenssache. Abends am See bei Pizza, Pasta, Wein und Bier haben wir unser Abenteuer nochmals Revue passieren lassen – das sind Erinnerungen, die bleiben.

Am dritten Tag haben wir dann gleich vier (wenn auch kurze) Steige im Schwierigkeitsgrad A/B „durchwandert“. Als erstes ist es von Biacesa aus auf die „Via Ferrata Fausto Susatti“ gegangen. Die Route verläuft auf einem langen Grat direkt oberhalb des tiefblauen Sees auf den Gipfel Cima Capi, mit herrlichen Tiefblicken auf Riva und zum See – ein Traum. Als Nächstes sind wir über die „Via Ferrata Mario Foletti“ rüber zum Einstieg des „Sentiero Camminamenti“ geklettert, einem kriegshistorischen Steig auf den Gipfel Cima Rocca. Das Besondere hier: Der Cima Rocca ist aus dem ersten Weltkrieg durchlöchert wie ein Schweizer Käse mit Kavernen und Stollen. Der Weg folgt alten Stellungen, teilweise im Berg. Ohne Stirnlampe wäre es da drin zappenduster … Abgestiegen sind wir über den „Sentiero del Laste“. Vier Klettersteige an einem Tag, was will man mehr? Wie üblich, findet der Tag seinen Ausklang beim gemeinsamen Abendessen mit Blick auf den nächtlichen See. Leider müssen wir morgen (Sonntag) schon wieder Abschied nehmen … Aber wer vielleicht dachte, jetzt wäre alles schon vorbei, der hatte sich gründlich geirrt. Am Abreisetag haben wir nochmal voll zugeschlagen.

Nach dem Aufbruch Richtung Heimat warteten noch zwei schöne Klettersteige auf uns. Als erstes die „Via Ferrata Signora delle Acque“ am Wasserfall des Rio Ruzza („Cascate Rio Ruzza“), ein herausfordernder sportlicher Steig im oberen C-Bereich. In angenehmer Frische kletterten wir direkt neben dem sprudelnden Wasserfall über Bügel und Trittstufen steil nach oben. Einige spektakuläre Seilbrücken mit schönen Tiefblicken inklusive.

Nach kurzer Pause ging es dann weiter zur „Via Ferrata Rio Sallagoni“ in Drena – ein kurzer Abenteuersteig durch eine wildromantische Schlucht (Schwierigkeit C.) Ideal für heiße Tage! Der erste Teil ist überwiegend gesichert. Es gab viele Querungen entlang glatter Wände hoch über dem rauschenden Bach, manchmal wechselnd von einem Steilufer zum anderen, immer ein Meter über dem Wasser. Auch zwei ziemlich wackelige Seilbrücken mussten bezwungen werden. Der zweite Teil (eigentlich der Interessantere) ist komplett ohne Drahtseil (warum geht den eigentlich außer uns keiner …?). Nur mit Klammern versichert geht es von Gumpe zu Gumpe im Bachbett weiter aufwärts durch die Klamm. Das war wirklich spannend! Nach zwei Stunden stehen wir alle wohlbehalten wieder am Bus.

Bernd, Ron und Harry haben uns dann trotz widriger Umstände (viel Verkehr, Stau) sicher nach Hause gebracht. Wir bedanken uns bei Bernd und Ron für einen schönen „Ausflug“ an den Gardasee mit unvergesslichen Eindrücken. Und übrigens : Herrmann, unser „Alterspräsident“, ist schon weit über 70 Jahre alt, und hat überall mitgehalten. Da kann man nur sagen : Helm/Hut ab!                                                                                Rainer Bauereisen