Graubünden, Gletscher, Genuss

Datum:

vom 10.08.-13.08.2023

Autor:

Matthias Kohlberger

Fotos:


Tourleiter:

Max Heumann

Tour-Nr.:
2023-T-20


Graubünden, Gletscher, Genuss

Das Engadin sollte es also sein! Wir, zwei Frauen und sieben Männer trafen uns am 10. August morgens in Ansbach, um den Schweizer Nationalpark und das Engadin näher kennenzulernen. Nachdem auch die Bahnverladung von Klosters ins Engadin geklappt hatte, kamen wir gegen Mittag am Startpunkt in Zernez an. Von dort sollte es drei Stunden durch die Bergwelt des ältesten Nationalparks der Alpen bis zur Chamanna Cluozza gehen.

Mit Eisbergsalat und Zwiebeln hinauf auf den Berg

Am Einstieg erwartete uns aber erst einmal ein Verschlag mit einem Kühlschrank darin. Der Aushang bat darum, Proviant mit zur Hütte zu nehmen. Aktuell würde Obst und Salat gebraucht. Schnell waren unsere neun Rucksäcke mit Aprikosen, Eisbergsalat, Zwiebeln, Mangold, Milch und Haferflocken befüllt. Auch eine Packung Holzofenanzünder fand noch Platz. Nach einer kurzen Rast an der Bella-Vista-Hütte mit dem entsprechenden Ausblick ging es weiter zum eigentlichen Ziel des Tages, wo wir mit einem Glas Tee begrüßt wurden. Etwas oberhalb eines Baches idyllisch in einem Lärchenhain gelegen und vor kurzem saniert, machte auch die Hütte einen einladenden Eindruck. Am Abend konnte man mit dem Spektiv im Gegenhang sogar zwei Stück Rotwild beobachten.

Am nächsten Tag machten wir uns frisch gestärkt auf, den Anstieg mit etwa 1000 Höhenmetern sowie den nachfolgenden Abstieg bis auf die Ausgangshöhe zum nächsten Ziel – der Parkhütte Varusch – anzugehen. Auf dem Weg dahin boten sich zahlreiche Ausblicke in den Nationalpark und darüber hinaus. Auch die Tierwelt in Gestalt einer 15-köpfigen Gamsgruppe und einer Steinbock-Mama mit ihren zwei Kitzen trugen zu einer abwechslungsreichen Etappe bei. Nachdem uns der Wettergott hold  und die Temperaturen angenehm mild waren, saßen wir auch noch nach Abfahrt der Hüttenwirte auf der Terrasse der Parkhütte und genossen den Abschluss des zweiten Tourentages. Da für den nächsten Tag am Nachmittag Gewitterneigung vorhergesagt war, hatte unser Führer Max schon am Vorabend den Vereinsbus nachgeholt, so dass wir es bis um neun Uhr nach Morteratsch schafften, wo der Ausgangspunkt für die Etappen der beiden nächsten Tage war.

Erschreckender Anblick des schwindenden Gletschers

Um zum aktuellen Endpunkt des Morteratschgletschers zu gelangen, ging es einige Kilometer talaufwärts entlang des gleichnamigen Pfades, der das fortschreitende und sich beschleunigende Schwinden der Alpengletscher direkt erfahrbar machte. So ging allein im Jahr 2015 der Gletscher um sage und schreibe 164m an Länge zurück. Die turmhohen Seitenwände der Gletschermoränen mit lockerem Gletscherschutt gaben außerdem einen Eindruck von der ehemaligen Höhe der Eismassen.

Im Festsaal der Alpen

An der Gletscherzunge angekommen, gab es eine kurze Einweisung in den Gebrauch der Grödel und in das Gehen auf einem aperen Gletscher, da es doch für einige der Teilnehmenden das erste Mal war. Nach Überschreiten des Eises und einer kniffligen Stelle ging es wieder einige hundert Meter über eisfreies Gelände zum nächsten – dem Pers-Gletscher. Vor nicht allzu langer Zeit waren beide noch verbunden (2015) – ein weiteres Indiz für die dramatischen Veränderungen. Auch diese Gletscherüberquerung wurde gemeistert. Jetzt stand uns noch der steile Anstieg über die Wand der Seitenmoräne und des anschließenden Felses bevor, um unser heutiges Ziel, die Diavolezza-Hütte zu erreichen. Der Ausblick von deren Sonnenterrasse war einfach atemberaubend! Im Hintergrund Piz Palü und Piz Bernina und davor diverse Gletscherströme und Eisfelder – der Festsaal der Alpen. Zum Glück hatte das Wetter gehalten und erst gegen Abend, als alle beim Essen saßen, zog ein Gewitter mit Schauern auf. Am nächsten Morgen ging es dann stetig bergab, begleitet vom Surren der Seilbahn, in Richtung Talstation und zurück über die Bernina-Wasserfälle zum Parkplatz.

Nach einer kurzen Erfrischungspause brachen wir via Flüela-Pass nach Davos auf, wo wir Max an seinem derzeitigen Wohnort absetzten. Anschließend traten wir die Rückfahrt nach Ansbach an, somit gingen vier herrliche Bergtage in der Schweiz zu Ende.