Datum:
vom 29.04. – 06.05.2023
Autor:
Karin Ehrlich
Fotos:
Tourleiter:
Christine + Harald Groß
Tour-Nr.:2023-T-08
Tag 1: Ankommen und Wohlfühlen
Fünf Uhr morgens, leichter Nieselregen, seit Wochen mieses Wetter. 15 Menschen steigen in zwei Busse ein und machen sich auf in das Trentino, gleich neben Südtirol unweit des Gardasees. Christine und Harald Groß haben zum Genusswandern eingeladen und jetzt geht´s los. Nach 570 angenehmen Kilometern kommen wir im Agritourismo bei Elisabeth und Alfonso an. Ein Betrieb mit Obstplantagen und Walnüssen, wofür die Gegend Bleggio Superiore (it. „Oberer Teil“) bekannt ist. Angenehme Temperaturen, schöne Zimmer, üppig blühender Blauregen, Rosmarinbüsche, eine Babykatze, so fühlt man sich gleich am rechten Fleck.
Tag 2: Qigong vor der Bergerkundung
Dank Heidi begrüßen wir den Tag mit einer professionell angeleiteten Qigong-Einheit, balancieren imaginäre Tassen und vergraben Samen, was die steifen Glieder wunderbar löst. Anschließend geht es auf und ab auf romantischen Wegen. Blühende Blumen und Bäume säumen unseren Pfad. In den Dörfern Rango und Balbido (war einst von Hexen bewohnt, so die Sage, die immer für schlimme Naturkatastrophen verantwortlich waren) gibt es viel zu entdecken, wir streifen durch verwinkelte Gässchen, entdecken bemalte Häuser und staunen über eine riesige Hexe aus Bambus. Immer wieder können wir im Tal unsere Unterkunft entdecken, wo wir entspannt zur Kaffeezeit ankommen. Der erste Tag des Kennenlernens und Erkundens macht Lust auf mehr.
Tag 3: Auf den Spuren des Freiheitskämpfers Mit den Bussen schaukeln wir zu einem mittelalterlichen Dorf namens Canale di Tenno hoch über dem Gardasee. Begeistert fotografieren wir die engen Gässchen und verwinkelten Häuser. Durch Laub und Mischwälder wandern wir los auf steilen, steinigen Pfaden, über Graswege und Schotterpisten bei Sonnenschein und Nieselregen. An einer verschlossenen Hütte lassen wir uns nieder. Ein Haus wirkt wie eine Bar, wir fragen nach, doch es ist ein Privathaushalt. Wenig später werden wir von dort unverhofft mit Polenta und Dosenbier versorgt. Weiter geht es steil bergauf, bis wir im Rifugio St. Piedro ankommen. Von dort haben wir einen schönen Blick auf Riva del Garda und den See. Auf dem Heimweg kehren wir in Balin ein. Andreas Hofer, der Tiroler Freiheitskämpfer, lebte hier drei Jahre lang im 18. Jahrhundert. Und wir genießen Pizza und Pasta im Jahr 2023.
Tag 4: Traumhafte Pfade mit grandiosem Ausblick
Nach einer kurzen Qigong-Einheit mit dem Bodyguard des Herzens fuhren wir nach Ceniga. Von dort aus wandern wir über eine wunderschöne steinerne Brücke, die den Fluss Sarca überspannt, zum Rifugio San Giovanni Al Monte. Dahin führt uns eine spannende Tour durch Passagen mit Drahtseilversicherung, verwunschene Waldwege und schmale Pfade. Grandiose Ausblicke, genaues Auftreten, Körperbeherrschung und viel Zusammenhalt in der Gruppe tragen zum Gelingen des Tages bei. Unsere souveränen Guides führen uns zur Hütte und zum besten Radler aller Zeiten. 900 Höhenmeter sind geschafft, jedenfalls hinauf. Später verlangt uns der Abstieg noch einmal Konzentration und Trittsicherheit ab. Wir werden belohnt mit einem grandiosen Ausblick, die tief stehende Sonne malt einen goldenen Streifen in die Landschaft, an dem wir uns satt sehen.
Tag 5: Zeckenalarm an der Klosterkirche Eine entspannte Tour von Gardola zum Montecastello bietet uns die Gelegenheit, den großen, blauen See aus verschiedenen Perspektiven bei herrlichem Wetter und entspannter Stimmung wahrzunehmen. Die Klosterkirche ist ein beliebtes Ziel für Touristen und ein
wunderschöner Ort, an dem wir die Seele baumeln lassen. Eine Vesperpause im Gras mit Erkundung der Fauna (Judasbaum) und Zeckenalarm schließt die heutige Laufeinheit ab.
Tag 6: Schlangen-Wegweiser
Von Sarche aus starten wir heute eine Rundtour über Ranzo. Diese ist anfangs gut ausgeschildert, nur die entscheidende Abzweigung verwildert und ohne Hinweis. Wir meistern einen herausfordernden Aufstieg, bis wir vor einer senkrechten Wand stehen, hier beginnt ein Klettersteig, doch keine Chance für uns! Das heißt Umkehren und ca. 100 Hm wieder absteigen. Im Tal ist immer wieder der malerische Lago Toblino mit seiner Halbinsel zu sehen, auf der ein Schlösschen steht. Nach der Fleißarbeit weist uns eine kleine gelbe Schlange den richtigen Weg und wir bewältigen unsere Tour, die durchaus Anforderungen an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit bietet. Heute ist es sehr warm, deshalb hören wir gern auf den Tipp eines Wiener Pärchens und kehren durstig in der Roco-Bar ein. Breite Wege führen uns zurück zum Bus, was entspanntes Plaudern (fast) ohne Aufpassen bedeutet. Endlich wird der Ruf nach der Gelateria (Kenner empfehlen: Gelateria Wind, Piazza Valussi) erhört und alle sind zufrieden.
Tag 7: Abschied und positiver Rückblick Heute heißt es Abschied nehmen, wir fahren heim. Neben den wunderschönen Wanderungen werden wir auch davon zehren: Jeden Morgen genossen wir an einer langen Tafel ein wunderbares Frühstück, bei dem es an nichts fehlte. An den Abenden ließen wir uns in verschiedenen Pizzerien verwöhnen, die Sprachkenntnisse mancher Teilnehmerinnen halfen uns dabei sehr. Eine Plauderrunde am Abend mit Erinnerungen an bestandene Abenteuer mit dem DAV durfte natürlich nicht fehlen, dazu das eine oder andere Gläschen Rotwein oder Apfelsaft aus eigenem Anbau. Wir wurden dank freiwilliger Fahrer und Fahrerinnen stets sicher und sanft chauffiert. Der Ruf nach einer Gelateria zog sich durch die Woche, wie ein Mantra, meistens erklang es mit tiefen Stimmen. Auf einen Gipfel konnten wir locker verzichten, die meisten jedenfalls. Unsere Abschlussrunde fiel durchwegs positiv aus. Wenn Christine und Harald Groß wieder zur Standortwanderung rufen, bin ich gern dabei. Genuss pur.