Dolomiten-Höhenweg Nr. 1 – Etappe 2 des Klassikers

Datum:

21.08.2023-27.08.2023

Autor:

Karin Siemandel

Fotos:


Tourleiter:

Klaus Denninger


Tour-Nr.:
2023-T-21


Am 19. August 2023 starteten wir nach einer kleinen Odyssee – enstanden durch Busausfälle und Wartezeiten, etc. -, am Falzarego-Pass um 18.15 Uhr unsere Dolomiten-Tour. Wir stiegen hoch zu den Cinque Torri und weiter zur Scoiattoli-Hütte. Nach der langen Anreise hofften wir, noch ein leckeres Abendessen zu erhalten. Tatsächlich kamen wir zügig voran und wurden mit einem der leckersten Abendessen dieser Tour belohnt.

Rifugio am See mit Konzertabend

Während einige von uns den nächsten Tag mit einem Besuch in einem Museum begannen, aalte sich der Rest in den Liegestühlen vor den Cinque Torri und genoss den tollen Ausblick (sehr lohnenswert und eindrucksvoll, sollte man die Cinque Torri noch nicht gesehen haben). Von der Hütte aus folgten wir wieder dem Dolomiten Höhenweg Nummer 1. Ein Großteil von uns hatte im Jahr zuvor am Staulanza-Pass den ersten Teil des Dolomiten-Höhenwegs mit der Nummer 1 beendet.

Bei herrlichem Wetter stiefelten wir munter auf angenehmen Wegen unserer nächsten Hütte zu, dem Rifugio Croda da Lago. Dort machten sich einige sofort nach der Ankunft auf, um im Lago Fedèra zu baden. Am Abend, gleich nach dem Abendessen, durften wir einem außergewöhnlichen, klassischen Konzert lauschen, bei dem wir als deutsche Gäste besonders begrüßt wurden. Während der schönen Klänge von Mozart und Bach leuchteten die Dolomiten im Abendrot.

Italien ist ein Weinland…

Am nächsten Morgen gingen wir zügig hoch zur Scharte Forcella Ambrizzola. Hier hatte man noch einmal einen wunderschönen Blick auf die Hütte und den See. Zielsicher stiegen wir dann zum Rifugio Città di Fiume ab, einer idyllisch gelegenen Alm mit großer Kuhherde, um uns zu stärken. Das vermeintliche Milchauto, das dort gerade ankam, als wir uns setzten, hatte sich allmählich als etwas gaaanz anderes entpuppt. Nämlich als sanitärer Pumpwagen. Vertrieben vom Geruch ging es weiter bergab zum Rifugio Aquileia, dessen Wirt durchaus auch ein Franke hätte sein können. Leider jedoch nicht, was den Biervorrat betraf, weshalb einigen von uns dadurch „akute Unterhopfung“ drohte, weil der Biervorrat im Weinland Italien doch häufig eher knapp kalkuliert wird.

Nächstes Hüttenziel: Rifugio Coldai mit Pelmo-Blick

Am nächsten Morgen mussten wir einen unpassierbaren Wegabschnitt auf der Passstraße umgehen, um dann ab dem Passo Staulanza mit Blick auf den mächtigen Monte Pelmo das Rifugio Sonino al Coldai anzusteuern.

Dem Ruf des Esels und Karins Hut folgend, unternahmen einige von uns einen kleinen Abstecher und fanden sich als Anhang einer italienischen Gruppe wieder. Auch die restliche Truppe bemerkte den Verlust. Nach einem kurzen Telefonat holte man die drei auf den ursprünglichen Weg zurück. Der Teil der Gruppe, der bereits langsam ein Stück vorweggegangen war, nutzte die Wartezeit auf einem Hochplateau für eine kleine Auszeit im Schatten. Gut erholt setzten wir unseren Weg fort und meisterten auch den steil ansteigenden restlichen Weg zum Rifugio al Coldai. Nach einer kurzen Kaffeepause nutzten alle noch die verbleibende Zeit bis zum Abendessen, um entweder in den Lago Coldai auf 2143m zu hüpfen oder diesen zu umrunden. Wir waren überrascht von der angenehmen Temperatur des kleinen Sees. Im Abendlicht genossen wir vor der Hütte den lauen Sommerabend und die eindrucksvolle Alpenkulisse.

Unter den steilen Wänden der Civetta entlang

Gut ausgeruht starteten wir zeitig am nächsten Morgen zur spektakulärsten Tagesetappe des Höhenwegs 1. Den Lago Coldai nutzten erneut einige besonders Wagemutige für ein erfrischendes Morgenbad (brrrrr). Vorbei an den eindrucksvollen Steilwänden der Civetta, die Marmolada, die Sella-Gruppe und unzählige andere Dolomitengipfel im Blick – deren Namen sich im Übrigen kein Mensch merken kann – stiegen wir hoch zum Rifugio Tissi. Ein flotter Sprint zum Gipfelkreuz kurz hinter dem Rifugio Tissi zeigte, man konnte es kaum fassen, einen Tief- und Weitblick der selbst die größte Plaudertasche sprachlos machte. Nach wilder Schaukelei und Stärkung ging es aussichtsreich weiter zum Rifugio Vazzoler, um dort ausgiebig zu karteln, zu essen, trinken und irgendwann zu schlafen.

Vom Rifugio Vazzoler zum Passo Duran und zum letzten Rifugio

Verstärkung bekamen wir am nächsten Tag von einer Alpenüberquererin, die den Weg von München nach Venedig wanderte. Dabei unterhielt sie wortreich unser „Schlusslicht“ Friedrich, was von diesem durch ein gelegentliches Knurren quittiert wurde. Ansonsten war auch diese Tagesetappe von spektakulären Ausblicken angefüllt.

Ein neuer Tag begann mit einem High-Speed auf den Passo Duran. Der Schweiß floss in Strömen, weshalb wir uns in etwas gemäßigterem Tempo in die Bergwelt der Belluneser Dolomiten aufmachten, wo uns das Rifugio Sommariva al Pramperet mit rustikalem Charme erwartete. Für den letzten Tag unserer Tour bleibt unter anderem zu erwähnen, dass es ratsam ist, ein paar Blätter Klopapier für den Notfall dabei zu haben, sollte es, wie bei unserer Hütte mal vergriffen sein.

Am letzten Tag unserer Reise hatten Klaus und Christoph ein Taxi für uns bestellt, da die Heimreise sonst doch zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte.

Letzter Tag: Abstieg, Alm und Heimfahrt im FlixBus

Wir mussten vom Rifugio Pramperet nur noch etwa zwei Stunden absteigen. Dabei kreuzte die Malga Pramper unseren Weg. Ein Besuch dieser Alm lohnt sich in jedem Fall. Fast alle haben sich mit leckerem Käse eingedeckt.

Nach einer herausfordernden Taxifahrt – die Strecke war sehr kurvenreich – nutzten wir den kurzen Stopp in Brixen dazu, uns zu stärken, ehe wir uns endgültig auf die Heimreise machen mussten. Im Flixbus hatten wir viel Spaß, diesen Text gemeinsam zu verfassen und hatten, wie schon die vergangen letzten Tage, viel zu lachen.

Eine so nette Tour, bei ausschließlich traumhaftem Wetter, hatte bisher kaum einer von uns erlebt und jeder wird sich noch lange gerne daran erinnern und davon zehren. Schei woars!

Möglich war diese absolut gelungene Reise allein durch unseren Guide Klaus Denninger, der die Tour wieder akribisch vorbereitet, die netten Hütten gebucht und uns über Täler und Forcellas sicher geführt hatte. Wie schon zur letzten Tour 2022 hatte er auch dieses Jahr wieder tolles Wetter bestellt.

Dafür dürfen wir Dir, Klaus, nochmals herzlichen Dank im Namen aller Teilnehmer sagen!

Federführende Autorin: Karin Siemandel