Atemberaubende Skitouren um die Sesvennahütte im Vinschgau

Datum:

11.03. – 14.03.2023

Autor:

Eva Twer

Fotos:


Tourleiter:

Andreas Schmidt

Tour-Nr.:
2023-T-06


Skitouren rund um die Sesvennahütte

Während unserer Anreise durch winterlich grün-braune Landschaften kamen doch Zweifel auf, ob wir genug Schnee für unsere geplanten Skitourentage auf der Sesvenna-Hütte haben würden.

Die Aussicht auf leckeres italienisches Essen und eine Auszeit in den Bergen vertrieb die Bedenken und wir mussten für uns nur noch die Frage klären, ob der Aufstieg zur Hütte besser in Bergschuhen oder in Skischuhen zu bewältigen sei.

Die Entscheidung fiel dann recht individuell aus.

„Passt auf, am Ende fahren wir mit den Skiern wieder runter bis ins Tal“, so die optimistische Vorhersage unseres Guides Andi. Nicht alle waren sich da so sicher.

550 Höhenmeter und zwei Stunden mit Skitourengepäck und Hüttenausstattung waren selbst mit Skiern und Skischuhen am Rucksack gut zu machen und die seilversicherte, etwas ausgesetzte Stelle an der Schwarzen Wand war kein Problem, egal mit welchem Schuhwerk.

Wenige Meter vor der Hütte hätten wir tatsächlich alle noch die Skier anschnallen können, aber der Aufwand schien noch nicht lohnend für die letzten Meter.

Für einen kurzen Hüttenzwischenstopp mit Ballastabwurf und Stärkung mit einem Getränk und Apfelstrudel oder Knödelsuppe kehrten wir in der Sesvenna-Hütte ein und wurden direkt mit einem Wachholder-Schnaps willkommen geheißen.

Aber unser Tatendrang war nicht zu bremsen, wir wollten einen ersten Blick aufs Gelände und den vorhandenen Schnee werfen, um die Planung der nächsten Skitourentage optimal gestalten zu können.

So nutzten wir den Nachmittag, um Richtung Sesvenna-Scharte aufzusteigen und einen Blick auf die Umgebung und in Frage kommende Gipfel zu werfen, obwohl die Sicht nicht besonders gut war, dauerhafter leichter Schneefall herrschte und uns der Wind ordentlich ins Gesicht blies.

Die Besteigung des Föllakopfes haben wir nicht in Angriff genommen, der Wind und die Schneelage sorgten für viele felsige und blanke Stellen auf der Route. So entschieden wir uns, am vollständig mit Schnee bedeckten Sesvennasee vorbei, einen lohnenden Hang zu erklimmen, um den in Mulden gesammelten, pulvrigen Schnee und dessen Gefühl unter den Skiern zu testen.

Ein wirklich tolles Gefühl, durch den weichen, leichten Schnee die ersten Schwünge zu ziehen!

Selten war es mir auf Skitour vergönnt, so schönen Schnee mit den ersten Spuren des Tages zu verzieren.

Beseelt konnten wir unsere Skier, Felle und unsere restliche Ausrüstung verstauen und uns mit isotonischen Erfrischungsgetränken stärken.

Das Abendessen schließlich war gut und reichlich. Es bestand immer aus drei Gängen mit sehr leckerem Nachtisch. Auch ein Nachschlag wurde uns immer angeboten und gerne angenommen.

Nette Gespräche bei einem Glas Vino della Casa rundeten unseren ersten Hüttenabend ab.

Gut gelaunt und gestärkt vom Frühstück mit Müsli, Käse und Speck auf Vinschgauern starteten wir unseren ersten ganzen Skitourentag Richtung Piz Rims.

Richtung Piz Rims und weiter zum Piz Rasass

Die Sonne machte einen kurzen Zwischenstopp, um uns den Aufstieg im unteren Drittel zu versüßen. Leider wurden wir auf der großen Spitzkehrenparty im oberen Bereich bis zur Scharte wieder mit Schnee und Wind beschenkt. Abschnittsweise wurde der Aufstieg sehr durch harten, fast eisigen Schnee unter der 10 cm lockeren Pulverdecke erschwert.

Aufgrund der nun wieder sehr schlechten Sichtverhältnisse war eine Gipfelbesteigung oder die Befahrung eines Hanges, der uns beim Aufstieg gut gefallen hätte, leider keine Option.

So stärkten wir uns noch mit Tee, Riegeln und Gipfelschokolade bevor wir uns aufmachten, den wunderschön zu fahrenden Hang unter die Skier zu nehmen.

Unsere gut gelungenen Spuren konnten wir, im Uina-Moos unten wieder angekommen, in ein paar raren sonnigen Minuten bewundern.

Unser nächstes, etwas experimentelleres Ziel an diesem Tag sollte der Piz Rasass werden.

Die Normal-Route, die man direkt von der Sesvenna-Hütte hätte nehmen können, war komplett abgeblasen und somit nicht begehbar.

Wir entschieden uns für einen Versuch aus nordwestlicher Richtung. Etwas weiter südlich unserer Aufstiegsspur mahnte ein großer Lawinenkegel zur Vorsicht.

Deswegen orientierten wir uns deutlich nördlicher. Letzten Endes mussten wir dennoch die steilen Hänge unterhalb des Piz Rasass queren, von denen die Lawine abgegangen war.

Ursache dafür war sicher in Verbindung mit der Steilheit der fest gefrorene, fast eisige Schneeuntergrund in Verbindung mit der pulvrigen Auflage, die immer wieder verfrachtet wurde.

Die meisten Höhenmeter konnten wir in mäßig steilem Gelände und guten Schneeverhältnissen machen und einfach den Tag draßen im Schnee trotz des etwas wechselhaften Wetters genießen.

Das sollte allerdings nicht bis zu unserem Ziel so bleiben. Durch die Annäherung von Nord-Westen mussten wir uns gefühlt bei ordentlicher Hangneigung über stark vereiste Hänge Richtung Gipfel weiterkämpfen (neues Lieblings-Ausrüstungsteil: Harscheisen).

Am Grat empfing uns wieder heftiger Wind. In Verbindung mit den ungünstigen Sichtverhältnissen, der Ausgesetztheit des nun mit Skiern am Rucksack zu bekletternden Grates war das nicht für alle Tourenteilnehmer am Ende des Tages eine machbare Option.

Durch meine Bedenken verhinderte ich einen Gipfelerfolg meiner Tourenkollegen und wir mussten die nicht so schön zu querenden Hänge wieder unter die Skier nehmen, bevor wir deutlich tiefer als geplant in den anvisierten Gipfelhang einfahren und unsere Skitour mit einer schönen Abfahrt krönen konnten. Zugegebenermaßen war es eine Herausforderung, nach der geschlossenen Schneedecke bis hinunter ins Uina-Moos zu suchen, die uns allerdings gut gelang.

Der Rückweg zur Sesvenna-Hütte zog sich dann länger flach im Tal dahin. Die Abendsonne war uns nun wieder gewogen.

Unseren erlebnisreichen, schönen Skitag beschlossen wir bei leckerem Essen, guten Gesprächen und dem einen oder anderen Glas Vino della casa und großen Plänen für den nächsten Tag, der deutlich sonniger werden sollte. Der Piz Sesvenna sollte es werden.

Skitour zur Sesvenna und ein neuer Versuch für den Piz Rims

Die Wettervorhersage hatte sich am nächsten Tag wieder geändert, so dass wir erst gegen Mittag mit Sonne rechnen konnten. Zumindest der Wind der letzten Tage hatte sich deutlich gelegt, so dass der Aufstieg zur Sesvenna-Scharte etwas angenehmer war als am ersten Skitag.

Anders als am Tag zuvor waren wir nicht mehr allein auf der Route. Etwa fünf verschiedene Gruppen hatten die gleichen Pläne wie wir für den sonnigen Montag und nutzten den Tag, um den Piz Sesvenna zu erobern.

Konditions- und skitechnisch waren die Anforderungen etwas niedriger als am Tag zuvor.

Aufstieg durch mäßig steiles Gelände, einige überschaubare Spitzkehrenstellen, eine kleine Abfahrt mit offener Bindung und ein schöner Pausenplatz vor dem letzten Anstieg zum Skidepot zum Auffüllen der Flüssigkeitsverluste mit Marschtee.

Die Frage mit der Gipfelbesteigung und der damit verbundenen noch nicht ganz einzuschätzenden Kletterei bei winterlichen Verhältnissen ließ sich an dieser Stelle noch nicht ganz klären.

Den Gipfelhang mit im Sommer noch vorhandenen Schnee- und Gletscherresten konnten wir in der Sonne besteigen und den perfekten Platz für ein Skidepot finden. Die 3000 Meter hatten wir damit gepackt. Für viele zum ersten Mal mit Skiern.

Vesper in die Taschen, Skier gut verstauen, Rucksäcke deponieren und dann mit Skischuhen ins Klettergelände starten und die Lage sondieren.

Die Aussicht am folgenden Grat belohnte bereits für alle bisherigen Mühen. Ortler, Piz Palü, Bernina und noch ein paar weitere Berge konnten wir identifizieren.

Nun war eine zügige Entscheidung zu treffen und die beiden Herren machten sich auf, den Gipfel zu erklimmen, während mir die Kletterei bei Schnee und Eis mit ausreichend steilen Absturzmöglichkeiten zu heikel erschien und ich mich entschied, auf dem Grat auf die Rückkehrer zu warten und das eine oder andere Foto zu schießen.
Sonne und Windstille versüßten mir diese Entscheidung. Der eine oder andere kleine Schwatz mit Gipfelrückkehrern auch.

Meine Tourenkollegen kehrten nach einer Weile wohlbehalten zurück und wir konnten uns nach einem kleinen Foto-Stop am Grat wieder zurück zum Skidepot aufmachen, um die tollen Nordhänge zu befahren, bevor sie in der Sonne zu weich werden würden.

Eine Traum-Abfahrt belohnte uns vor dem Gegenanstieg zur Sesvenna-Scharte.

Kaum wieder oben angekommen, versteckte sich die Sonne wieder und die Verhältnisse mit Sicht und Wind verschlechterten sich erneut.

Die nächsten Abfahrten waren abschnittsweise toll, abschnittsweise doch schon etwas zerfahren oder mit schwererem Schnee belegt.

Ein sehr gelungener, runder Tag bis dahin. Ich fühlte mich noch gut, aber doch auch ausgelastet und entschied mich, meinen Tourentag in guter Verfassung zu beenden, während meine beiden Tourenkollegen nicht zu stoppen waren und sich erneut Richtung Piz Rims aufmachten um noch mehr Skierlebnisse zu sammeln.

Eine leckere heiße Suppe und eine kleine Auszeit im Lager rundeten meinen Tag ab, bevor ich mich vor dem Essen wieder mit Andi und Max zum Austausch der neuen Erlebnisse traf.

Neuschnee und Verschütteten-Suche

Die Wettervorhersage mit 50 bis 70 Zentimeter Neuschnee über Nacht bis zum späten Vormittag veranlassten uns dazu, für den nächsten Tag keine weitere Tour zu planen, sondern vor Ort noch ein Verschütteten-Such-Training einzubauen und die Talabfahrt in Angriff zu nehmen, bevor der Schnee wieder geschmolzen oder komplett zerfahren sein würde.

Ein guter Plan, der auch genau so aufging.

Manche Abschnitte unterhalb der Schwarzen Wand brauchten viel Oberschenkel-Kraft auf dem Sommerweg im schweren Schnee, aus dem doch einige Steine herausragten, jeden Tag eine neue spannende Herausforderung.

Tatsächlich hatte Andi wieder mal recht, wir konnten beinahe bis zum Parkplatz mit den Skiern abfahren und brauchten für den Rückweg unsere Bergschuhe nicht.

Beseelt und glücklich mit unseren Tagen auf der Sesvenna-Hütte und im Schnee drumherum traten wir mit Max als unermüdlichem Fahrer die Rückreise nach Franken an.