Wanderung rund um den Rosengarten

Datum:

24.-28.06.2022

Autor:
Sabine P. und Regina

Tour-Nr.:
2022-T-12

Rosengarten* – Auf König Laurins Spuren

Darf man in ungewissen Zeiten von Kriegen, Hungernden, einer Inflation und einer bevorstehenden Energiekrise Urlaub machen, sich aus allen schlechten Nachrichten ausklinken? Ja, man darf es unbedingt. Gerade die Bewegung in der grandiosen Bergwelt und in der wunderschönen Natur, der Blick in die Ferne und auf die bunte Blumenpracht vor unseren Füßen heilt unsere Seele und gibt uns Kraft, die wir so nötig brauchen.

25. 06.: Von Tiers auf die Tierser Alpl Hütte

Schon um 4.30 Uhr starten Christine und Harald Groß mit einer Gruppe von zehn Teilnehmerinnen und vier Teilnehmern in Richtung Tiers in Südtirol. Etwas oberhalb des Ortes beginnt der heutige Aufstieg von 1200 Höhenmetern bei herrlichem Sonnenschein durch das Tschamintal und über das Bärenloch.

Dank kurzer und längerer Pausen, in denen wir die gigantische Bergwelt mit Schlern, Lang- und Plattkofel genießen und uns schon einmal an den ersten Alpenblumen erfreuen können, meistern wir den konditionell herausfordernden Tag gut. Belohnt werden wir mit der komfortablen wunderschönen Tierser Alpl Hütte in 2440 m Höhe. Nach einem guten und reichlichen Essen und dem obligatorischen Schnaps fallen wir müde und zufrieden in unsere Betten.

26.06.: Über die Seiseralm zur Plattkofelhütte

Der zweite Tag verläuft sehr erholsam. Bei Sonnenschein geht es auf grünen blumenreichen Almwiesen über die Seiseralm, vorbei an Murmeltieren, Kühen und Pferden.

Immer im Blick die grandiose Bergwelt. Mittags kehren wir gemütlich in der Zallinger Hütte ein und erreichen die fantastische Plattkofelhütte auf 2300 m schon am frühen Nachmittag. Dort erwartet uns eine schöne Sonnenterrasse, Liegestühle mit Blick auf die Marmolada, ein wunderbares Essen, komfortable Zimmer und abends das traditionelle Herz-Jesu Feuer.

27.06.: Über den Antermoia Pass zur Vajolethütte

Heute führt uns unsere Wanderung zunächst auf schönen Wegen durch das Duron Tal und über den Donapass zur Antermoia Hütte, in der wir mittags einkehren. Einer der vielen landschaftlichen Höhepunkte ist der Antermoiasee. Die Landschaft, so anders als an den vorherigen Tagen, begeistert durch ihre Schroffheit und Kargheit. Ab dort beginnt der mühsame Aufstieg durch die weiße Gerölllandschaft hinauf zum Antermoiapass, mit 2770 Höhenmeter auch der höchste Punkt unserer Wanderung.

Belohnt werden wir unterwegs mit dem tollen Blick unter anderem auf die Vajolettürme, die Sellagruppe und die Tschamin- und Rosengartenspitze. Ein kleines Schneefeld heißt es am Pass zu durchschreiten und dann geht es durch losen Schotter nicht weniger mühsam bergab zur Grasleitenpasshütte und von dort weiter bergab zu unserem heutigen Etappenziel, der Vajolethütte (2243 m).

Etwas verwöhnt von den vorherigen Hütten müssen wir uns erst einmal wieder auf ein normales Hüttenniveau einstellen, werden aber mit einer reichhaltigen Speisekarte belohnt.

Nach dem Essen sind Erfahrung, Wissen, Kreativität und entsprechendes Equipment gefragt. Bei Sabine und Manfred haben sich im Laufe des Tages die Sohlen der Wanderschuhe gelöst. Zweckentfremdete Tapes, Kabelbinder und Spannriemen sorgen dafür, dass die Sohlen bis zum Ende der Tour halten.

28.06.: Auf Höhenwegen zur Rotwandhütte

Der Tag beginnt mit einer kleinen Klettertour im schroffen Gelände, dann aber geht es weiter auf gemütlichen Höhenwegen. Dabei blicken wir immer wieder zurück auf die Vajolethütte und Grasleitenpasshütte und auf das, was wir schon erwandert haben. Heute ziehen dunkle Wolken auf, gelegentlich fallen auch ein paar Tropfen und es ist eine ganz andere, aber auch imposante Stimmung in den Bergen. Und wieder sind es die Blumen, an denen wir uns nicht satt sehen können: Arnika, Anemonen, Enzian, Edelweiß, Alpenrosen, wilde Orchideen …, alle Farben, Formen und Größen sind vertreten.

Unser heutiges Tagesziel, die gemütliche Rotwandhütte, ist schon von weitem zu sehen. Kurz vor dem Erreichen sorgt sein Schutzengel dafür, dass sich ein Teilnehmer bei seinem Sturz keine großen Verletzungen zuzieht.

29.06. Immer leicht bergab zurück zu den Bussen

Der Versuch einiger Frühaufsteherinnen, den Sonnenaufgang einzufangen, scheitert an einer Wolkendecke, was ihr gemeinsames Vergnügen aber nicht weiter beeinflusst. An unserem letzten Tag liegen zwar viele Kilometer vor uns, aber es geht weitestgehend sanft bergab. Wir wandern mit Blick auf die Rotwand und Tschaminspitze wieder auf bunten Almwiesen.

Im Tal hängt eine weiße Wolkendecke, über uns einige dunkle Regenwolken, die sich aber schon mittags auflösen und so ein letztes Mal den Blick zurück auf diese tolle Berglandschaft eröffnen. Die Hanicker Schwaige Hütte ist wegen Umbau geschlossen, aber etwas weiter unten kehren wir in der Plafätsch Alm ein letztes Mal ein, bevor wir in zwei Stunden durch einen schönen Wald, immer wieder einen Bach querend, gemütlich zu unseren Fahrzeugen zurückkehren. Unten können wir unsere heißen Füße im Bach kühlen, der Aufbruch wird dann aber etwas hektisch, denn es sollen in Kürze 200 Kühe auf dem Weg zu einer anderen Alm unseren Weg nach Hause versperren. Nach einem Pizzastop im Cafe Dinzler am Irschenberg erreichen wir nach Mitternacht Heilsbronn.

Fazit: Es war eine wunderschöne abwechslungsreiche Tour, die Gruppe hat sich gut verstanden und bei allen Fuß- und sonstigen Problemen bestens unterstützt. Wir sind viele Stunden gelaufen und haben dabei auf 56 Kilometern 3270 Höhenmeter rauf und runter bewältigt. Einige knifflige Passagen forderten einige von uns körperlich und mental.

Christine und Harald haben jeden von uns und unsere jeweilige Verfassung stets im Auge gehabt. In ihrer ruhigen vertrauensbildenden Art haben sie uns sicher durch jedes Gelände geführt. Uns ist bewusst, welche Kraftanstrengung es auch für sie bedeutet.

Reich an Eindrücken, Erfahrungen und Bildern kehren wir gestärkt zurück in unseren Alltag. Wir bedanken uns ganz herzlich bei euch beiden für diese besonderen Tage.

Sprachforscher vermuten, dass der Flurname Rosengarten auf das alte Wort „ruza“ zurückgeht, womit eine Geröllhalde bez. wurde. *it. Catinaccio, vermutlich von ladinisch ciadenac das „Bergkessel“ oder „Gerö