Traumrunde Markt Einersheim im Steigerwald

Datum:

27.05.2022

Autor:

Dietmar Weiß

Herbert Gachstatter

Fotos:

Angelika, Dietmar und Herbert

Tour-Nr.:
2022-T-11


Traumrunde Markt Einersheim im Steigerwald

Gut besucht war unser ca. 16 km langer Wanderausflug in den Steigerwald unter dem Motto „Auf den Spuren von Kelten und Speckfeldern im Fauna-Flora-Habitat Steigerwald“. So konnten wir mit zwei DAV- Bussen, besetzt mit Elfriede Fischer, Sylvia Gachstatter, Jennifer Gerend, Brigitte und Thomas Hellmuth, Joseph Hillermeier, Andrea Kramp, Manfred Mohr, Walter Sept, Ilse Schoell.Mohr, Manfred Tschirswitz, Angelika Weiß und den beiden Tourenleitern Herbert Gachstatter und Dietmar Weiß von unserem Vereinsheim Ansbach entspannt nach Markt Einersheim fahren.

Am Zielort gegen 10.30 Uhr angekommen, verstärkten noch Norbert Bartsch, für den sich die Anreise mit dem Zug anbot, sowie Ute und Reinhard Hauer, Georg Lober, Gudrun und Katharina Zumach, die aus terminlichen Gründen mit eigenem PKW anreisten, unsere doch ganz stattliche Wandergruppe.

Am Marktplatz, vor der beeindruckenden Kulisse des historischen Rathauses von Markt Einersheim erläuterte Herbert Gachstatter kurz die geschichtlichen Hintergründe der Region und umriss den Verlauf unserer geplanten Wanderung. Nachdem sich noch einige aus der benachbarten Bäckerei mit kulinarischer Stärkung versorgt hatten, starteten wir gegen 11.00 Uhr dann unsere Tour.

Durch das historische Würzburger Tor ging es zu unserem ersten Ziel, dem „Wengertshäusle“. Unterwegs erläuterte Dietmar Weiß an einer Schautafel kurz die geologische Situation vor Ort. Über der sehr fruchtbaren, durch Lößlehm geprägten Hellmitzheimer Bucht erhebt sich, beginnend mit dem Gipskeuper, die altbekannte fränkische Keuperstufe, aufgebaut aus Estherienschichten, Schilfsandstein und Lehrbergschichten, überlagert vom Blasensandstein, dessen Reste allerdings nur noch am Schwanberg anzutreffen sind. Meist wechseln sich fossilienführende Mergel-, Ton- und Lehmschichten in rascher Folge miteinander ab, immer wieder unterbrochen von dünnplattigen bis dickbankigen Sandsteinpartien, welche dann wegen der erhöhten Verwitterungsresistenz, oft die steileren Stufen herausbilden. Der Gipskeuper wird in diesem Raum, aber auch in der weiteren Umgebung, bergmännisch von der Firma Knauf aus Iphofen abgebaut und zu den entsprechenden Gipsprodukten verwertet.

Im Fränkischen werden die lehmigen Anteile im Keuper auch gern als „Kipper“ bezeichnet, der sich bei feuchtem Wetter als wachsender „Batz“ unter den Schuhsohlen anlagert und so manchen Wanderer gefühlt wachsen lässt. Für den Wein ist das allerdings eine vorteilhafte Bodenart, da die Tonmineralien das Wasser besonders lange speichern können und so auch in einem Dürresommer die Verwandlung von Wasser in Wein sichern.

Geologisches und Geschichtliches zusammen mit einer Weinkostprobe

Letzteren gab es dann auch gleich am „Vogelsangbalkon“, nur wenige Schritte unterhalb des „Wengertshäusle“ zu verkosten, da Herbert in seinem Rucksack zu unserer großen Freude einige Kostproben untergebracht hat. Nach dieser erfreulichen Stärkung ging es über den Sonnenberg mit herrlichen Aussichtspunkten steil bergauf zum Schloßbergsattel und weiter zur Ruine Speckfeld.

Hier residierten die Grafen von Limpurg später von Limpurg-Speckfeld. Sie waren Erbmundschenke im Heiligen Römischen Reich. Das Amt des Erbmundschenks war ein Amt, das in der Familie weitergegeben wurde. Der Erbmundschenk musste im späteren Mittelalter nicht mehr dem König durch Abnehmen der Krone und regelmäßiges Einschenken des süffigen Weines dienen, sondern er zeigte seine Präsens nur bei tradionellen Festen, wie z.B. der Krönung des von den Kurfürsten gewählten Königs. Durch die Nähe zum König und die Berechtigung bei Reichstagen dabei zu sein, konnte ein politisch geschickter Amtsträger Beziehungen pflegen und Einfluss ausüben. Auf ihr Amt waren die Schenken von Limpurg-Speckfeld sehr stolz. Wer genau hinschaut: In ihrem Wappen findet das Ausdruck im goldenen Pokal über (!) der goldenen Königskrone.

Der Erzmundschenk, der sein Amt auf den Erbmundschenk übertrug, war übrigens der König von Böhmen in seiner Funktion als Kurfürst des Reiches. Die Rolle des Königs und die der Kurfürsten, die Königswahl selbst und vieles mehr wurden in der Goldenen Bulle von 1356 dokumentiert. In diesem Verfassungsdokument des mittelalterlichen Reiches wurde zum einen eine sich in Jahrhunderten herausgebildete Praxis kodifiziert und zum anderen bereits eine territoriale, föderale Struktur des deutschen Staatwesens angelegt.

Die Burg Speckfeld wurde um ca. 1200 erbaut und diente als Residenz der Grafen von Limpurg Speckfeld, die in Markt Einersheim das Sagen hatten. Im Bauernkrieg wurde die Burg Speckfeld 1525 zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Eine weitere Zerstörung erfolgte 1558 als ein durch Unachtsamkeit hervorgerufener Brand die Nord- und Ostseite der Burg vernichtete. Da half auch das zuletzt eingesetzte Mittel „Löschen mit Wein“ (in einer Chronik erwähnt!) nicht mehr. In den Jahren danach wiederaufgebaut, wurde die Burg im Dreißigjährigen Krieg von schwedischen Truppen und Kaiserlichen mehrfach geplündert. Schließlich verließen die Grafen von Limpurg-Speckfeld im Jahr 1693 die ungemütlich gewordene Höhenburg und zogen in ihr neues Schloss in Markt Einersheim. Die Burg verfiel und wurde zum Teil eingerissen und als Steinbruch genutzt. Jetzt ist die 420m hochgelegene Burgruine im Besitz der Bayerischen Staatsforsten. Ab 1991 wurden Burgreste restauriert.

Nach dieser Exkursion in die historischen Zusammenhänge, wanderten wir noch eine knappe Stunde durch das NSG Speckfelder Wald bis nach Birklingen.

Im schönen Mischwald entdeckte der genaue Beobachter den Türkenbund (noch nicht erblüht), die Ährige oder Weiße Teufelskralle (aus der Familie der Glockenblumengewächse) und besonders bemerkenswert die seltene Zimt-oder Moschus-Erdbeere (fragaria moschate, Rosengewächse, 10-30 cm, Scheinfrüchte sehr würzig). Sie zeigte sich ganz wie im Naturführer beschrieben an einem einzigen feuchten Standort am Waldesrand, aber dort in riesiger Zahl. Sylvia Gachstatter gab den interessierten Wanderern Erklärungen. Gegen 14.00 Uhr kamen wir im Gasthaus „Augustiner am See“ an, wo uns ein wohlverdientes Mittagessen mit Auswahl nach Karte erwartete.

Der Rückweg nach Markt Einersheim verlief zu einem großen Teil im Stadtwald von Iphofen. Eine dortige Sonderform der Bewirtschaftung ist der sogenannte Mittelwald. Der Laubwald aus dem er besteht setzt sich aus Unter- und Oberholz zusammen. Alle 30 Jahre erfolgt ein Einschlag, die Bäume werden auf den Stock gesetzt und treiben anschließend wieder aus. Das Unterholz wird als Brennholz der Natur entnommen. Im Ansatz wertvolle Bäume bleiben in der Regel stehen um später, nach 60, 90, 120 … Jahren als Werkholz Verwendung zu finden. In der Nähe der Bildeiche in der Winterklause erfasste uns ein „ordentlicher“ Regenschauer mit dem einige von uns (wegen nur 5 % Regenwahrscheinlichkeit gemäß Wetter-App) nicht gerechnet hatten. Da sich kurz darauf wieder die Sonne zeigte war alles halb so schlimm.

Am späten Nachmittag ging unsere -wie ich meine- sehr abwechslungsreiche Wanderung mit sehr motivierten und vielseitig interessierten Wandersleuten dann am Ausgangspunkt in Markt Einersheim zu Ende. Hautnah erlebt: Tolle Natur und Kultur mit viel Geschichte im schönen Naturpark Steigerwald.

Den Abschluss bildete eine gemütliche Einkehr mit Abschlussschoppen (Silvaner vom ortsansässigen Winzer!) am Marktplatz in der griechischen Taverna Stilios.