Säntis-Wächter über dem Bodensee

Datum:

22.07.-24.07.2022

Autor:
Ines Deininger 1. Tag,

Petra Nerf 2. Tag,

Elke Bauer 3. Tag


Tour-Nr.:
2022-T-18

1. Tag: Die Hundstein-Hütte

Unsere Tour in einer Gruppe zu acht (Roland als Leiter, Elke, Petra, Siglinde, Lothar, Ken, Manfred und Ines) begann am Freitag, den 22.7.22.

Das Ziel war die Schweiz mit der Besteigung des höchsten Berges im Alpstein, dem Säntis (2502 m). Für unsere Tour im Kanton Appenzell-Innerrhoden mit zwei Hütten-Übernachtungen hatten wir uns bis zur Heimkehr am Sonntag einige Höhenmeter vorgenommen. Das Wetter versprach nicht stetig gut zu werden, zumindest für Samstag war Regen angekündigt.

Entsprechend besorgt ließ ich die Tour auf mich zukommen. Wanderungen im Hochgebirge waren für mich nichts Neues, seit Kindesbeinen bin ich privat sehr viel gewandert. Jedoch nun erst das zweite Mal mit dem DAV und eine lange Pause seitdem. Hatte ich noch die Kondition, um ca. 1600 Höhenmeter am zweiten Tag zu schaffen? Machten mir die Schuhe nicht wieder Blasen? Würde uns der angekündigte Regen und evtl. sogar Gewitter einen Strich durch die Planung machen? Mit diesen Gedanken kamen wir pünktlich, aber in drückender Mittagshitze in Brülisau an.

35 °C und ein meist schattenloser Weg konnten uns zunächst nicht abschrecken, wir waren auf dem breiten Weg durch das Brueltobel alle miteinander im Gespräch, um uns kennenzulernen, die nahen Bergkämme im Blick. Der Anstieg war eigentlich nicht besonders steil, aber die Hitze ließ uns ganz schön schwitzen und ich hatte mein Sprechen so langsam eingestellt, um mitzuhalten.

Nach dem Anstieg erreichten wir eine Kapelle, die uns im Schatten gerade recht kam, um zu pausieren. Auf schmaleren Weg weiter sahen wir nun hinab auf den Sämtisersee, stiegen dorthin ab und nun eröffnete sich uns ein Weg am See entlang und weiter durch Wiesen.

Wie bestellt lieferten uns die Wiesen ihre bunten Farbtupfer in aller Vielfalt, auch Enzian ließ sich bewundern. Jetzt stand uns erneut ein Anstieg bevor, aber oben konnten wir endlich etwas Wind genießen. Ein magischer Blick auf den Fälensee ließ uns alle staunen. Eingebettet zwischen den steil abfallenden Felsflanken erschien er wie ein Fjord vor unseren Augen, besonders schön zu sehen vom Gasthaus Bollenwies. Nach einem letzten Anstieg erreichten wir um 16 Uhr die Hundsteinhütte (1554 m).

Nach kurzem Einchecken teilte sich die Gruppe auf. Alle genossen nach dem Hitze-Tag das Baden im klaren Fälensee mit traumhafter Kulisse. Die Wassertemperatur von 18 °C war für uns kein Hindernis, im Gegenteil. Manche erklommen vorher, manche hinterher noch die nahe gelegene Saxerlücke mit Ausblicken ins Rheintal.

Interessante Hundsteinhüttenbuchrandnotizen am Abend

Der redegewandte Hüttenwirt Peter Ehrbar ließ es sich dann am Abend nicht nehmen, die Moderation für ein leckeres Abendessen zu halten und aus den „Hundsteinhüttenbuchrandnotizen“ von Alexandra von Arx vorzulesen. In geselliger Runde waren schnell alle Strapazen vergessen.

Besonders dieser erste Tag, aber auch die zwei folgenden waren für mich (Ines) herausfordernd und doch bleiben Erinnerungen an viele schöne Eindrücke und Erlebnisse, die in Gemeinschaft geteilt doppelt so schön waren.

2. Tag: Der Säntis-Gipfel

Nach einer Nacht im komfortablen Lager und einem tollen Frühstücksbuffet – leider ohne begleitende Kommentare durch den Hüttenwirt – mit extrem leckerem Müsli (mit frischen Erdbeeren!) brachen wir unter einem wolkenverhangenen Himmel auf. Unser Weg führte uns zunächst entlang des malerischen Fälensees, der sich wie ein Fjord in den Taleinschnitt schmiegt. An dessen Ende erreichten wir gerade die Fälenalpe (1.457 m), als uns ein heftiger Regenschauer überraschte, den wir unter dem Dachüberstand von Nebengebäuden der Alpe abwarten konnten. Eine willkommene Abkühlung nach der Hitze des vorigen Tages.

Über Häderen zum Altmannsattel (2368 m) hinauf wurde der Weg immer steiler und ausgesetzter. Der oberste Teil war dann mit Drahtseilen gesichert. Ein toller Wegabschnitt mit herrlicher Aussicht!

Vom Altmannsattel ging es ebenso steil wieder herunter zum Rotsteinpass (2119 m), der zwischen den beiden höchsten Gipfeln des Alpsteingebietes – Säntis (2502 m) und Altmann (2435 m) – liegt. An Eisentritten und Drahtseilversicherungen hangelten wir uns hinab. Nach einer Rast am Rotsteinpass konnten wir unser beeindruckendes Ziel – den Säntisgipfel – ins Auge fassen.

Nachdem kein Regen mehr zu erwarten war, konnten wir über den luftigen Lisengrat aufsteigen.

Wir passierten einen Durchlass zwischen zwei Felstürmen und erreichten nach zahlreichen Stufen und seilversicherten Querungen, die Schwindelfreiheit und einen sicheren Tritt erforderten, den ziemlich verbauten Gipfel des Säntis. Von unserem Quartier „Berggasthof Alter Säntis“ aus führt ein Tunnel zu den Aussichtsplattformen, die wir noch vor dem Abendessen erkundeten und von dort einen unglaublich weitreichenden Rundumblick bis zum Bodensee und zu vielen Gipfeln in Österreich und der Schweiz genossen. Beim Abendessen im großen Speisesaal mit Panoramablick und der komfortablen Übernachtung fühlten wir uns wie in einem Sternehotel und freuten uns auf den Sonnenaufgang, den einige von uns auf der Aussichtsterrasse erleben wollten.

3.Tag: Abstieg vom Säntis mit Ziel Brülisau

Nach einer komfortablen Übernachtung in unserem Hütten-Hotel am Säntis erwartete uns der Abstieg in Richtung Brülisau zu unserem DAV-Bus. Ein Schlenk über das berühmte Äscher Wildkirchli ist fest mit eingeplant. Dabei handelt es sich um ein in den Fels gebautes Gasthaus, das in früheren Jahrhunderten die Bleibe von Eremiten war und dadurch bekannt wurde. Aber der Reihe nach:. Begonnen hat der Tag mit der Beobachtung des Sonnenaufgangs von der Terrasse aus. Leider fiel dieser nicht so spektakulär aus, denn die Sonne musste gegen ein dichtes Wolkenband am Horizont konkurrieren und so fand der Sonnenaufgang zwar pünktlich, aber dezent statt.

Unser Abstieg startete nach einem ausgiebigen Frühstück, und wir wollten den Weg am Gipfelgrat entlang über die Altenalp nehmen, dessen Anfang sich jedoch leider vor uns verborgen hielt. So zogen wir los und kamen irgendwann zu der Erkenntnis, dass uns dieser Talabschnitt direkt hinunter zum Seealpsee führt, unser Ziel aber über einem Weg weiter oben zu erreichen wäre. Das waren frustrierende Momente, denn um unser Ziel zu erreichen, hieß es zunächst weiter bergab und dann wieder steil bergauf zu gehen. Nach zwei kernigen Tagen waren wir nicht mehr so locker im Umgang mit unseren Kräften. Wir erreichten die Mesmer Alp (1613 m) und pausierten in Gesellschaft von neugierigen Ziegen. Diese hätten zu gerne unsere Rucksäcke durchsucht, bevor wir uns in Richtung Äscher Wildkirchli aufmachten.

Schweißtreibender Umweg zum wundervollen Schweizer Kleinod „Äscher Wildkirchli“

Der Weg ging nochmal steil bergauf und forderte uns heraus. Wie gut, dass die grandiose Bergwelt uns immer wieder von der Anstrengung ablenkte und das Wetter es hold mit uns meinte. Wir erreichten mit dem Berggasthaus Schäfler (1912 m) den höchsten Punkt. Dort war reichlich Betrieb, und wir erfreuten uns an erfrischenden Getränken. Die Nähe einer Seilbahn konnten wir deutlich feststellen, denn es waren auch Bergfreunde mit wenig geeigneter Ausrüstung vertreten. Außerdem mussten wir feststellen, dass man in der Schweiz seine Fränkli gut im Blick haben muss, denn sonst sind sie schnell weg. Knapp schien auch das Wasser zu sein, denn der Wassermangel wurde überall betont und auf Sparsamkeit hingewiesen.

Nach dieser Erfrischung stand nun unserem Ziel, dem Äscher Wildkirchli nichts mehr im Weg. Wir zogen vorbei an imposanten Kletterfelsen und Steilhängen und waren erfreut, das Schweizer Kleinod bald erreicht zu haben. Die vielen Bergtouristen interessierten sich Gott sei Dank mehr für ihr leibliches Wohl in der in eine Felshöhle gebauten Gaststätte als für die Geschichte dieses Ortes, und so hatten wir Zeit, uns in Ruhe die Höhlenkirche und die kleine Ausstellung anzuschauen.

Anschließend ging es durch einen Höhlentunnel zur Seilbahnstation an der Ebenalp, wo unsere Bergwanderung dann abrupt endete, denn uns saß die Zeit im Nacken und die zurückgelegten Höhenmeter in den Knien. So gönnten wir uns den Luxus einer Kabinentalfahrt. Wir rochen zwar gewiss nicht gut, aber waren bestimmt die glücklichsten Mitschwebenden. Mit der S-Bahn und dem Bus ging es dann zurück zu unserem Ausgangspunkt Brülisau.

Es waren drei wundervolle, herausfordernde Wandertage, die uns begeisterten Bergwanderern das Herz auftaten über die Schönheit und Rauheit dieses Flecken Erde. Unser Wanderleiter Roland hat uns mit seiner Begeisterung für zurückgelegte Höhenmeter immer wieder motiviert, unser Bestes zu geben. Da sind wir beim nächsten Mal gerne wieder dabei.