Datum:
14.05.2022
Autorin: Sylvia Pludra
Fotos:
Sylvia Pludra, Gundolf Scholpp,
Rainer Buchner
Tour-Nr.:2022-T-09
*STOP*
Wenige Tage zuvor: Ich schiebe mein Bergfahrrad aus der Garage, mein Fahrgefühl will wieder ans Gelände gewöhnt werden. Ein, zwei kurze Rides im Ansbacher Waldgebiet müssen reichen. Meine Grundkondition habe ich mir mit Rennradtouren und anderen Sportarten aufgebaut. Check. Ich inspiziere kurz das Sportgerät, prüfe den Luftdruck in den Reifen, die Kette ist gefettet. Check. Es kann losgehen.Auf den ersten Metern vernehme ich ein jämmerliches Stöhnen meines treuen Weggefährten, das sich zu einem nervigen Dauerton hochschaukelt. Die vordere Bremsanlage meldet sich. Ich halte mir die Ohren zu, trete weiter. Für die kurze Runde mit ein paar Trailabfahrten halte ich das schon durch. Als ich wieder zuhause bin, baue ich die Bremsbeläge aus. Völlig runter. Zum Glück sind Ersatzbeläge zur Hand, welche ich sogleich einbaue. Ich überprüfe noch die Satteltasche für Werkzeug, tausche den dreifach geflickten Schlauch durch einen neuen aus und stopfe Kabelbinder dazu. Wer weiß. Tiptop, die Tagestour mit den Bikern unserer Sektion kann kommen.
Samstag früh, 06.30 Uhr, der Wecker klingelt. Die Sonne scheint und Frühlingsduft kitzelt meine Nase. Die Vorfreude auf die Tagestour lässt mich aus dem Bett purzeln. So macht das Aufstehen Spaß. Ich genieße meinen frisch gebrühten Kaffee, schnurpse etwas Müsli und rolle alsbald los, um mich pünktlich zur vereinbarten Zeit am Bahnhof mit unserem Tourenguide Lukas und den weiteren Stollenrittern Werner, Lothar, Gundolf und Rainer zu treffen. Wir kennen uns bereits von früheren Touren.Unseren Startpunkt der Tour, Hersbruck, erreichen wir bequem mit der Bahn. War es in Ansbach noch etwas frisch, packen wir in Hersbruck Westen und Ärmlinge in unsere Rucksäcke. Wir absolvieren noch den obligatorischen Bike-Check, dann rollen wir gemütlich los. Die ersten Kilometer führen uns flach über einen Wiesenpfad, später auf dem Radweg an der Pegnitz entlang bis Eschenbach. Auf dem Weg begegnet uns ein Wanderer mit einem Muli. Im Vorbeifahren erkenne ich die Jakobsmuschel auf der Gepäcktasche. „Die beiden haben bestimmt noch einen langen Weg vor sich“ denke ich und wünsche beiden im Geiste eine gute Reise. Kurz nach Eschenbach schlagen wir uns auf einem Forstweg ins Gelände und packen zum ersten Mal die kleinen Gänge unserer Bikes aus. Wir erklimmen den ersten steilen Anstieg. Unter meinem Helm wird es langsam warm. Immerhin, ich friere nicht.
Wir pedalieren weiter auf und ab durch Wald und Flur, wir meistern eine erste Abfahrt. Der trockene Waldboden staubt. Auf einer Lichtung stoppt uns eine Ringelnatter, die sich auf dem schmalen Pfad zwischen den hohen Grashalmen sonnt. Ich erkenne noch, dass es sich um ein stattliches Kaliber handelt, ehe sie ich ins hohe Gras davonschlängelt. Der Weg ist wieder frei, wir können weiter. Bei Großmeinfeld, einem Ortsteil der Gemeinde Hartenstein, erreichen wir das Windloch. In der bekanntesten Schachthöhle der fränkischen Alb, auch Windloch bei Vorra genannt, befindet sich ein Höhlendom mit zwanzig Metern Durchmesser und fünfunddreißig Metern Höhe, die Höhlenwände sind großflächig mit Sinter überzogen. Von all dem sehen wir von außen leider nichts, das Windloch zeigt uns nur gähnend seinen Schlund und ein Zaun um den Höhleneingang bewahrt uns davor ca. 28 m in die Tiefe zu stürzen. Wir stürzen uns lieber in die nächste Abfahrt und rauschen, es liegt noch genug trockenes Laub im Wald, den Trail hinab.
Nach knapp dreißig geradeltenen Kilometern und 630 erklommenen Höhenmetern wird es kurz nach 12 Uhr Zeit für unsere Mittagspause. Wir sehen bereits den Turm des Ossingers über den Waldwipfeln rausragen. Dort wollen wir noch hinauf und nehmen den schweißtreibenden und steilen Anstieg bis zur Ossinger Hütte in Angriff. Ritzel für Ritzel kurbeln wir dem Ziel entgegen. Geschafft!Jetzt wäre ein kühles Getränk gerade recht. Doch leider ist die Ossinger Hütte nur an Sonn- und Feiertagen geöffnet und nicht, wie man meinen könnte, an einem Samstag im Frühling und bei bestem Ausflugswetter. Glücklicherweise wussten wir vorher worauf wir uns einlassen und haben kurzerhand unser mitgebrachtes Vesper auf der leeren Terrasse ausgepackt. Dazu ein lauwarmes Getränk aus der Fahrradflasche. Prost!
Ausgeruht und frisch gestärkt nehmen wir die nächsten Kilometer unter die Stollen. Nach weiteren schweißtreibenden Höhenmetern, die Tagestemperatur müsste allmählich den Zenit erreicht haben, erreichen wir die Berghütte Hohen Zant auf dem Zantberg. Auch hier finden wir nur verschlossene Türen vor. Wie wir im Vorfeld erfahren haben, ist der Grund ein Marderschaden. Zum Glück habe ich mich am Morgen zu einer zweiten Trinkflasche entschieden, welche ich nun anzapfe. Dem ein oder anderen von uns sind bereits die letzten mitgeführten Tropfen die Kehle runtergeflossen. Langsam wird es also Zeit, die Trinkflaschen wieder aufzufüllen. Zumal die Tour, wie bereits schon erwähnt, eine trockene und staubige Angelegenheit ist. Der Blütenstaub tut sein übriges. Ein weiterer Versuch in diesem Gebiet am Samstag eine geöffnete Wirtschaft zu finden scheitert abermals.
apfer pedalieren wir weiter, erfreuen uns an den blühenden Wiesen und Bäumen und lenken uns so etwas von unserem Durstgefühl ab. Mittlerweile erreichen wir München und ich sehe schon ein Hofbräuhaus vor meinem inneren Auge auftauchen. Wir sind weit gekommen! Da es sich hierbei jedoch nicht um unsere Landeshauptstadt, sondern um München in der Gemeinde Hirschbach handelt, befindet sich hier leider kein Hofbräuhaus. Kein Biergarten. Kein Dorfbrunnen. Kein nichts. Nada! Okay, ein paar hübsch anzusehende Anwesen und auch Ruhe. Zu dumm nur, dass uns das nicht vor dem Verdursten rettet. Nun sind wir alle öfters unterwegs und haben auch die hiesige Gegend das ein oder andere Mal besucht. So taucht ein letzter Hoffnungsschimmer am Horizont auf: Lothar und auch Rainer kommt eine Gaststätte in Neutras in den Sinn, welche vielleicht sogar geöffnet haben könnte. Und was ist? Sie haben Recht! Und so leben wir nun glücklich und zufrieden …Endlich können wir ein kühles Getränk genießen, uns abkühlen, die Beine auf der Wiese ausstrecken, Kaffee und Kuchen genießen, unsere Wasserspeicher auffüllen. Es kann so schön sein.
Auf den letzten Kilometern unserer Tour wird es noch einmal so richtig klasse. Auch ein kurzer Boxen-stopp hält uns nicht davon ab. An Rainers Bike hat sich ein Kabel gelöst. Ich reiche ihm einen Kabelbinder, ritsch, ein Taschenmesser, schnapp, und schon sind wir unserer Gruppe wieder auf den Fersen, oder besser gesagt, Reifen. Eine moderne Hausfrau hat halt alles im Täschchen dabei. Zum Naturfreundehaus Pommelsbrunn führt uns ein Trail mit Sahnehäubchen hinunter. Enge Kurven, Wurzeln, Stufen, fahrbar. Könnte eine Tour nicht nur aus solchen Teilstücken bestehen? Das kleine „Drecksloch“ ganz am Ende des Trails, was soll‘s. Wir sind eh schon eingestaubt.
Die letzte Abfahrt spuckt uns wieder in die Ebene, Ende Gelände. Mit einem Mal realisiere ich, wir nähern uns dem Ende unserer Tour. „Wie, schon vorbei?“ denke ich. Klar, es war anstrengend, wir haben knapp 1100 Hm absolviert, am Ende der Tour stehen 63,28 km auf meinem Tacho. Dennoch ist es, als erwache ich gerade aus einem „Flow“. Wir fahren am Baggersee vorbei Richtung Hersbruck und ich genieße die letzten Kilometer in der warmen Spätnachmittagssonne. Bevor es wieder in den Zug nach Ansbach geht,genehmigen wir uns noch eine Kugel Eis. Vielen Dank an Lukas für die tolle Tour, vielen Dank an meine Mitradler! Es war mir ein Vergnügen.