Datum:
20.07.-24.07.2022
Autor: Jürgen Zeller
Tour-Nr.:2022-T-16
Durchs Graubündner Eis auf das Rheinwaldhorn und den Piz Medel
Teilnehmer: Peter Jörg (Tourenleiter), Max Heumann (nur Rheinwaldhorn), Bernd Schneider, Michael Schneider, Andreas Wellhöfer und Jürgen Zeller
Tourverlauf: Zerfreila (1920m) – Läntahütte (2090m) – Rheinwaldhorn (3402m) – Zapporthütte (2276m) – Zerfreila; Curaglia (1360m) – Medelserhütte (2540m) – Piz Medel (3210m) – Medelserhütte – Curaglia;
Tag 1
Wir starteten unsere Tour um 4 Uhr am Vereinsheim. Kurz vor der Grenze in die Schweiz wurde in bewährter Manier eine Kaffeepause eingelegt. Gegen 11 Uhr starteten wir an einem Parkplatz über Zerfreila. Die Anfahrt hatte sich unter anderem etwas verzögert, weil die Schweizer just an diesem Tag beschlossen hatten, eine neue Turbine an den Zerfreilstausee anzuliefern. Gegen 14:00 Uhr erreichten wir die Läntahütte. Den Nachmittag verbrachten wir damit, dass uns Peter eine Lehrstunde erteilte, wie man sich aus einer Gletscherspalte heraus prusiken kann. Mir zumindest gab dies im weiteren Tourenverlauf ein beruhigendes Gefühl!
Tag 2
Start gegen 5:00 Uhr, Ziel Rheinwaldhorn. Der Hüttenwirt Thomas war mit aufgestanden und hatte uns ein Frühstück hergerichtet. Nachdem wir die erste halbe Stunde im Dunkeln zurückgelegt hatten, wurde es mit dem heller werden auch gleich sehr warm! Selbst in meinem schicken (karierten) kurzärmligen Hemd schwitzte ich später auch noch am Gipfel.
Am Einstieg zum Gletscher wurden wir Zeuge, wie in ca. 100m Entfernung ein größerer Steinblock den Gletscher herunterrutschte. Weiter oben war unter uns im Gletscher auch immer wieder deutliches Rumpeln zu hören. Der Einstieg in den Gletscher war durch die milden Temperaturen und dünnen Eisbrücken nicht einfach. Mit ein paar Eisschrauben als Kletterhilfe fanden wir dann einen Weg durch die Spaltenzone.
Unser Hüttenwirt hatte Peter also bei der Tourenplanung nicht grundlos davon abgeraten, wieder zu ihm abzusteigen, sondern den Abstieg zur Zapporthütte empfohlen. Dabei ergab sich damit ein anstrengender, aber sehr lohnender Übergang über eine Gratflanke. Nach dem Abstieg durch lose Granitblöcke und weglosem Gelände erreichten wir gegen 15:30 Uhr unsere Hütte. Die Zapporthütte ist mit 20 Liegeplätzen die kleinste SAC-Hütte. Gott sei Dank waren nicht alle Plätze belegt, sonst wäre es richtig eng geworden! Genau wie auf der Läntahütte gab es ausschließlich vegetarische Kost, was sich geschmacklich nicht einmal als negativ herausstellte, im Gegenteil!
Tag 3
Damit wir wieder zu unserem Einstieg am Zerfreilstausee gelangten, mussten wir einen 2820m hohen Berggrat hochsteigen. Insgesamt dauerte der Abstieg ca. 5 Std. Im Anschluss setzten wir mit dem Auto nach Curaglia um und zogen zur Medelserhütte hoch. Gehzeit ca. 3,5 Std. Nach dem flotten Aufstieg machte sich leichte Erschöpfung in der Gruppe breit! Schön, dass es an der Hütte Liegestühle gab, in denen man sich erholen konnte. Am Abend lernten wir eine Schweizer Wandergruppe kennen. Es half nichts, wir mussten einen Kaffee Lutz (irgendwas mit Zwetschge und Kaffee) und eine Runde Schnupftabak konsumieren. Ein lustiger Tagesausklang.
Tag 4
Ziel: Piz Medel, 3210m. Obwohl niedriger, wirkte dieser Gipfel „hochalpiner“ als das Rheinwaldhorn, was wohl nicht zuletzt an der kühleren Witterung und den Wolken lag, die immer wieder den Gipfel verhüllten. Zuerst ging es durch eine Flanke, die uns zu blankgeschliffenen Felsen unterhalb des Gletschers führte. Von dort stiegen wir langsam zum ca. 40 Grad steilen Gletschereinstieg hoch. Hier musste jeder Tritt sitzen, bis das Gletschergelände wieder flacher wurde.
Wie am Rheinwaldhorn waren nicht wenige Gletscherspalten auf dem Weg zum Gipfel zu überwinden. Im Zickzack suchten wir uns den Weg zu einer Felsscharte, die als Einstieg in den Gipfelgrat am günstigsten war. Der Gipfelgrat selbst war eine Kletterei im 2-3. Grad, den wir auch im Abstieg wieder nach unten klettern mussten. Aufgrund der teilweisen Ausgesetztheit nicht ganz einfach. Beim Rückweg zurück zur Medelserhütte verließen wir den Gletscher wegen des extrem steilen Einstiegs bereits weiter oben, was zur Folge hatte, dass wir ca. 200 hm über relativ loses Geröll und Blockgelände abklettern mussten, um wieder auf den Steig zur Hütte zu kommen. Dort warteten die Liegestühle, Rivella, beste Aussicht und ein gemütlicher Hüttenabend.
Wie schon an den vorangegangen Tagen hatte man immer wieder einmal das Gefühl, es könnte irgendwo um die Ecke ein totes Schaf liegen, aber es waren wohl doch andere Winde, die diesen Eindruck erweckten.
Tag 5
Abstieg und Heimfahrt.
Fazit:
Eine grandiose Tour durch die Schweizer Berge! Super Planung! Super Wetter! Super Stimmung in der Gruppe! Gern wieder!