Datum:
28.-30.01.2022
Autor: Max Heumann
Tour-Nr.:2022-K-03
Kursbeschreibung: Der Kurs richtet sich an Anfänger und Erfahrene. Neben den Grundlagen im Eisklettern werden die erworbenen Kenntnisse an leichten und mittelschweren Eisfällen umgesetzt Themen: Materialkunde, Sicherungs- u. Klettertechnik Stützpunkt Pitztal (je nach Wetterverhältnissen).
Teilnehmer: Lara, Jörg, Max und Andi mit unseren Kursleitern Bernd und Peter
Vier wagemutige Teilnehmer mit Kursleiter Bernd, der Unterstützung von Peter bekam, wagten die Reise ins Pitztal, um dort das erste Mal mit Eisgeräten und Steigeisen am gefrorenen Wasserfall empor zu klettern. Am Freitagabend fand sich die sechsköpfige Gruppe in einer schönen Ferienwohnung im Pitztal ein. Bei einem gemeinsamen Abendessen bei Grill‑Schubkarre und Schnitzel besprachen wir den kommenden Tag. Danach hieß es, noch die Mengen an Ausrüstung zu sortieren und aufzuteilen. Bei Zeiten ging es dann auch ins Bett, da man am nächsten Tag geplant hatte, frühestmöglich das Haus zu verlassen.
Der erste Klettertag startete mit einem 10-minütigen Zustieg zum Fuße des Luibisfalls. Dort angekommen hieß es erst einmal, Gurt und Steigeisen anlegen. Trotz der teils erfahrenen Kletterer unter den Teilnehmern, hatte noch niemand das Vergnügen, sein Können am Steileis zu beweisen. So startete die Gruppe mit einfachem Traversieren ein bis zwei Meter über dem Boden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man die Eisgeräte und Steigeisen bestmöglich in das Eis schlägt. Während die Teilnehmer übten, starteten Bernd und Peter mit dem Einrichten zweier Toprope-Routen. Als weiterer Punkt auf der heutigen Agenda war das richtige Setzen von Eisschrauben und das Bauen einer Abalakov‑Schlinge. So verging der Vormittag relativ schnell.
Da am Vormittag immer mehr Kletter-Kollegen zu uns stießen, wurde es auch redlich voll am Boden des Wasserfalls. Beim Eisklettern lässt es sich leider kaum vermeiden, dass ab und an kleinere aber auch größere Stücke Eis abplatzen und nach unten fallen. Als eine große Scholle abplatzte und neben einem Sicherer am Boden einschlug, wurde uns wieder bewusst, dass Eisklettern, wie auch andere Bergsportarten, immer ein Restrisiko mit sich bringen. Wichtig ist es, sich gut vorzubereiten, auf erfahrene Personen zu hören und selbst Erfahrung zu sammeln und letztendlich das Risiko angemessen zu beurteilen.
Am Nachmittag dann durchstiegen wir mit zwei Seillängen die erste Stufe des Wasserfalls (Schwierigkeit WI 4). Zurück ging es über denselben Weg, wobei man sich fast schon ums Abseilen streiten musste. Am Abend verließen uns dann Andi und Peter und so blieben für den nächsten Tag noch eine Vierergruppe übrig.
Am Sonntag steuerten wir den Wasserfall neben dem Luibisfall an, den Klockelefall. Da wir nun in einer Vierergruppe unterwegs waren, haben wir uns mit drei Seilen verbunden. Bernd im Vorstieg an zwei Halbseilen, bei denen an den anderen Enden Lara und Jörg festgemacht waren. Jörg wiederum hatte ein weiteres Seil an seinem Gurt befestigt, an dem Max nachsteigen konnte, sobald die anderen den nächsten Standplatz erreicht hatten.
Die zweite Seillänge stellte sich als anspruchsvollstes Teilstück heraus, da an einem steilen Übergang nur eine dünne Eisauflage vorzufinden war und zudem noch Eiszapfen den Weg erschwerten. Aber mit Bernd als Vorsteiger ist uns Teilnehmern eine große Last genommen worden, nämlich das richtige Setzen der Zwischensicherungen. Bei immer wärmer werdenden Temperaturen erreichten wir schließlich die letzte Stufe des Wasserfalls. Wir entschieden uns, die letzten 30 Meter Wasserfall auszulassen und den Abstieg zu beginnen. Dieser Abstieg sollte sich allerdings noch als abenteuerlicher herausstellen, als wir gedacht hatten. Da die Topo nur spärliche Informationen über den Abstieg bekannt gab und auch kein Schnee lag, wo man sich hätte an Spuren orientieren können, wurden die Pfadfinder in uns geweckt. Wir stellten nämlich nach einiger Zeit fest, dass wir wohl 50 Höhenmeter zu niedrig waren und stießen anstatt auf einen Forstweg auf den Wasserfall des Vortages. Umso besser, da sich uns nun noch einmal die Möglichkeit bot, über den Luibisfall abzuseilen. Unten angekommen hatte jeder ein Grinsen im Gesicht und so ging es dann auch zurück zum Auto. Vor Abfahrt jedoch mussten wir wieder Material sortieren und dieses so in den Kofferraum stapeln, dass nichts herausfiel.
Das Resümee aller Teilnehmer war durchweg positiv. Wir hatten alle einen Heidenspaß, wobei wir uns aber auch einen gesunden Respekt beim Eisfallklettern beibehalten. Nach zwei tollen Tagen beim Eisklettern hieß es dann Abschied nehmen und so ging wieder jeder seiner Wege. Bis hoffentlich auf ein Neues im nächsten Jahr, danke Bernd!