Drei Tage traumhaftes Saarland

Datum:

vom 16.09.-18.09.2022

Autor:

Dietmar

Andrea

Tour-Nr.:
2022-T-28


Drei Tage haben wir auf insgesamt 53 km das Saarland auf verschiedenen Premiumwanderwegen genossen. Am ersten Tag die Traumschleife Litermount mit ca. 19 km, am zweiten Tag die etwa gleich lange Traumschleife Idesbachpfad und zum Abschluss, als Krönung, die Saarschleife Tafeltour mit ungefähr 15 km Länge.

Die Abfahrt erfolgte am Freitag um 6 Uhr morgens vom Parkplatz auf dem Messegelände. Uwe verstaute die neunköpfige Wandergruppe und das Gepäck in den DAV-Sektionsbus. Keiner der Teilnehmer war bisher im Saarland wandern gewesen und wir freuten uns sehr auf unsere kleine Expedition.

„Bäckermeister“ Uwe hatte für die Reise zu unser aller Überraschung einen Kuchen gebacken, den wir auf halber Fahrtstrecke gemeinsam mit unserer mitgebrachten Vesper genussvoll verzehrten. Denn frisch gestärkt wollten wir gleich nach der Ankunft mit unserer ersten Wanderung beginnen.

Traumschleife Litermount

Kurz nach 10 Uhr kamen wir am historischen Kupferbergwerk Düppenweiler, dem Startpunkt unserer ersten Wanderung an. Nichts wie rein in die Wanderschuhe, Rucksack geschultert, Stöcke in die Hand und los ging’s! Eine kleine Treppe führte durch ein Holzportal, das den Eintritt zur Sagenwelt auf der Traumschleife Litermount markierte.

Der erste steile, teils mit Treppen verbaute Anstieg, führte zum Weltersberg hinauf. Mit immerhin 371 m Höhe hatte man hier einen herrlichen Ausblick auf Düppenweiler im Tal und die Höhenzüge der Merchinger Muschelkalkplatte.

Weiter ging es auf naturbelassenen Pfaden, durch schon leicht herbstlich angehauchte Wälder, zur Vogelgrät-Schlucht, an einer 200 Jahre alten, ehrwürdigen Buche vorbei bis zur Eierwiese im Friedwald. Von hier führte uns ein Holzsteg über einige verbaute Holzschikanen, entlang einer gut besetzten Pferdekoppel, bis zur freistehenden Valentinus-Kapelle. Bei einer ersten Rast konnten wir uns an einer Infotafel über das Alte Dorf Oberweiler, die ehemalige Richtstätte und die mittelalterliche Töpferei, von der der Ort Düppenweiler seinen Namen ableitet, informieren.

Frisch gebildet und gut gestärkt ging es durch dichten Wald weiter. Mit leichtem Schauder passierten wir den Ort, an dem einst der Sage nach ein „Schimmel ohne Kopf“ Viehhirten in Angst und Schrecken versetzte und kamen bald darauf zu den Haustadter Weihern, auf deren Grund die sagenumwobenen „Schwedenschätze“ ruhen sollen.

Über das Helleschterbachtal erreichten wir den Dasselter Stein, eine beeindruckende Felsformation aus Buntsandstein. Glitschige Trittsteine führten über einen Bach und unvermittelt standen wir im „Steinbruch im Loch“, der mit seinen hohen Felswänden beeindruckt. Eine Infotafel informierte uns über die Geologie und Historie des ehemaligen Bergbaues.

Über zahlreiche Serpentinen Richtung Litermontmassiv kamen wir zum Naturdenkmal „Grauer Stein“. Diese „herausragende“ Felsformation ist auch eine geologische Besonderheit, da diese aus Quarzporphyr besteht und daher von Dietmar mit einer kleinen Gipfeltour sofort näher unter die Lupe genommen werden musste. Ein Großteil der Gruppe machte noch einen Abstecher zum nur 400 Meter entfernten Litermontkreuz, von dem wir einen weiten Ausblick über das Primstal, das dahinter liegende Gebiet des Saarkohlenwaldes die Bergehalde Ensdorf, das Saartal mit der Siersburg und die dahinziehenden Regenschauer hatten.

Vom Grauen Stein folgten wir bergab einem schmalen Pfad und bald darauf wieder bergan über einen imposanten, mit Holzstufen ausgebauten Treppenaufgang, der sogenannten Herchenbachstiege, zur oberen Kante eines steil abfallenden Steinbruchs, welchen Villeroy & Boch über 40 Jahre lang zur Feldspatgewinnung genutzt hatte.

Nach den vielen Auf- und Abstiegen, die sich auch langsam in den Beinen bemerkbar machten, näherten wir uns der Zielgerade. Der lang gezogene Abstieg über den Saugrätsteig brachte uns zum Übertagegelände des historischen Kupferbergwerkes Düppenweiler zurück.

Beim Durchlaufen des Linsenberg-Schaustollens erhielten wir einen Eindruck von den engen und niedrigen Wegen, welche die Bergarbeiter damals bewältigen mussten. Auf dem Schaugelände waren neben einigen ausrangierten Bergwerksteilen, der neuere Barbaraschacht, die Relikte eines Pferdegöpels und die Fundamente der alten Dampfmaschine zu bestaunen.

Nach über sechs Stunden Wanderung erreichten wir müde, aber zufrieden unseren Sektionsbus und kamen bald in unserer Unterkunft im „Hotel-Restaurant Laux“ in Weiler, einem Ortsteil von Merzig, an.

Nach dem Einchecken freuten wir uns alle auf eine warme Dusche. Glücklicherweise konnten wir in unserem Hotel zu Abend essen. Viele von uns verzehrten lokale Spezialitäten wie z.B. Dippelappes mit Apfelmus oder Heimischer Schwenker mit Zwiwweln, Bratgrumpern und Zalot. Ein paar Bierchen und Wein von der Saar durften natürlich nicht fehlen.

Traumschleife Idesbachpfad

Nach einem reichhaltigen Frühstück starteten wir unsere zweite Tour. Diesmal hatten wir eine kurze Anfahrt und parkten an der Hessmühle. Nach kurzer Strecke auf geteertem Weg erreichten wir den Waldrand und stiegen durch den Itzbacher Wald zum Hoesberg hinauf bis zu einem Aussichtspunkt mit Liegebank, der uns einen weiten Blick ins Saartal und auf die Stadt Dillingen gewährte. Kurz darauf gelangten wir zu einer zweiten freien Stelle mit beeindruckender Sicht auf die Ruine Siersburg. Die Wanderung führte nun durch den Wald zur Felsgruppe „Trippsborn“. Leider war der Durchstieg durch die anspruchsvollen Felswände aus Buntsandstein aus Sicherheitsgründen gesperrt und wir mussten mit einer großen Serpentine auf den geschotterten Fahrweg ausweichen.

Nahe des Saargau-Dörfchens Oberlimberg begann bald der abenteuerliche Teil unserer Wanderung. Über schwindelerregende Holztreppenpassagen führte uns der Steig über den „Pastorsgrät“, die „Grott“ und dem „Raufels“ bis zur Kalktufftreppe „Leitersteiner Born“ am Talschluss. Mit zahlreichen Schautafeln werden die Entstehung und Besonderheiten der zahlreichen Naturobjekte beschrieben, so dass wir immer konzentriert, kurzweilig unterhalten und auch fröhlich unterwegs sein durften.

Im Talgrund des Idesbachs stießen wir auf eine ehemalige Mautstelle sich kreuzender römischer Handelsstraßen, die uns zum Königsberg (stolze 345 m) hinauf führten mit Resten einer noch deutlich sichtbaren, zweigliedrigen, spätrömischen Wallanlage keltischen Ursprungs und altfränkischer Nachnutzung. Nach ca. 1,5 km Abstieg trafen wir auf einen historischen Meilerplatz mit Schaumeiler, an dem auch heute noch alle zwei bis drei Jahre Köhlerfeste stattfinden und nach überliefertem Vorbild in tagelanger Arbeit Holzkohle hergestellt wird. Nach kurzer Wegstrecke entlang des Idesbachpfades öffnete sich ein bezaubernder Panoramablick auf das Itzbacher Schloss. Die letzten Kilometer ging es wieder durch den Itzbacher Wald gemütlich bergab bis zur Hessmühle, dem Ausgangspunkt unserer Tour.

Nach der schönen, aber auch anstrengenden Wanderung freuten wir uns alle auf einen Kaffee und ein leckeres, großes Stück Kuchen. Leider hatte das Restaurant in der Hessmühle noch nicht geöffnet, so dass wir noch bis Mettlach warten mussten, um unseren Kalorienbedarf mit sehr großen und sehr guten Kuchenstücken in der „Bäckerei Marxen“ nahe des Stadtzentrums wieder auffüllen zu können. Bis zum Abendessen blieb noch Zeit, die wir zu einem Rundgang durch Mettlach nutzten. Mettlach ist eigentlich ein einziges Outlet-Center-Ensemble aus vielen Haushaltswarengeschäften (WMF, Tefal, etc.), Uhren, Schmuck und Bekleidung. Die Keimzelle für dies alles ist der Stammsitz von Villeroy und Boch, der hier auch mit einer riesigen Verkaufsausstellung vertreten ist. In der Gruppe bestand dringender Bedarf in den einen oder anderen Laden zu gehen und „etwas Nützliches“ einzukaufen. Der eigentliche Shopping-King war aber Peter, der sich am darauffolgenden Tag mit Tellern aus der Porzellanmanufaktur beliefern ließ, während er eine doppelte Portion Kuchen vertilgte.

Trotz des vielen Kuchens hatten wir noch genug Hunger vom Wandern, um zum Abschluss des Tages wieder im Restaurant unseres Hotels regional und ausgiebig zu speisen.

Saarschleife Tafeltour

Letzter Tag, alles wieder einpacken, im DAV-Bus verstauen und auf geht´s zur Saarschleife.

Vom Startpunkt, der Pfarrkirche St. Lutwinus in Mettlach führte uns der steile Weg an der Kirche vorbei hinauf zu einem gut ausgebauten Waldweg. Der Kammweg gibt immer wieder tiefgründige Ausblicke mit rauen Felsformationen auf die Saar und die Staustufe Mettlach frei und führt schließlich zur Burg Montclair. Erstmals 1168 urkundlich erwähnt, zählt sie zu den imposantesten Burgen Deutschlands und galt wegen der dominanten Lage auf schroffen Felsenspitzen als uneinnehmbar. 1351 wurde sie dann doch nach einer längeren Belagerung eingenommen und anschließend geschleift.

In Serpentinen folgten wir der Markierung „Tafeltour“ hinunter in den Landschaftspark Saarschleife. Hier hat sich die Saar in einer beeindruckenden Kehre ins Flussbett gegraben und wir wurden doch tatsächlich von den alpinen Klängen eines Alphornes begrüßt. Nach kurzem Weg entlang der Saar brachte uns der Fährmann der einzigen Saarfähre „Welles“ wohlbehalten über den Fluss.

Holzbrücken und Treppenstufen machten den nun folgenden Weg durch das naturgeschützte Steinbachtal zu einem wahren Wandererlebnis. Der Weg verlief stetig nach oben und das Blattwerk der Bäume ließ kaum Sonnenlicht ins enge Kerbtal dringen. An mächtigen Felsformationen sowie am umliegenden Totholz wuchsen dicke Moose und meterlange Farngewächse hingen wie dicke Bärte herunter. Es war angenehm ruhig im Tal.

Nach vielen Höhenmetern erreichten wir den Aussichtspunkt Cloef und es war vorbei mit der Ruhe! Dafür genossen wir mit vielen anderen Besuchern einen überwältigenden Ausblick auf die Saarschleife und verweilten an diesem schönen Ort bei einer ausgiebigen Mittagsrast. Oberhalb von uns lockte der Baumwipfelpfad, der sich mit einer Gesamtlänge von 1.250 Metern und einer Höhe von 3 bis 23 Metern durch Buchen, Eichen und Douglasien in Richtung Saarschleife schlängelt. Da gab es für Andrea und Uwe kein Halten mehr. Sie nutzten die Mittagsrast und folgten dem Baumwipfelpfad bis zur Aussichtsplattform. Von hier oben konnten sie die Saarschleife aus der Vogelperspektive in ihrer vollen Ausdehnung erfassen und bewundern.

Am Prallhang der Flusskehre verlief unsere Route weiter auf abwechslungsreichen Pfaden über den Weselbach hinweg und durch das Wellesbachtal. Die Wege blieben schmal und steil. Felsbalkon reiht sich an Felsbalkon, darunter auch die „sieben Jungfrauen“ und immer wieder neue und herrliche Aussichten in das Saartal und auf die nun gegenüberliegende Burg Montclair!

Nur noch ein paar Kilometer abwärts und dann führte uns in Mettlach die denkmalgeschützte Stahlhängebrücke zur Fußgängerzone. Erneut besuchten wir „unsere“ Bäckerei mit den großen Kuchenstücken. Nach ausgiebiger Verköstigung mit Kaffee und süßen Teilchen neigten sich drei schöne und aufregende Wandertage leider schon wieder dem Ende zu und Uwe fuhr uns sicher (Nur das Bundesligaspiel Hoffenheim gegen Bayern bremste uns aus!) wieder nach Hause.

Vielen Dank an Uwe für die stets souveräne, freundliche und kompetente Führungsarbeit und vielen Dank auch an die Gruppe für die gegenseitige Rücksichtnahme und die vielseitigen Gesprächsthemen. Auf gut fränkisch unser höchstes Lob: „Bassd scho“ und wir freuen uns auf die nächste nicht alpine Wanderung in den deutschen Mittelgebirgen mit Uwe.

Macht’s gut, bleibt‘s gesund

Andrea und Dietmar