Datum:
02.07.-03.07.2022
Autor: Elke Bauer
Foto:
Roland Bräunling
Tour-Nr.:2022-T-13
Überblick über unsere Wanderziele:
Samstag , 2.7.2022: Überquerung der Unnützkette mit Hochunnütz 2075m und Vorderunnütz 2078m
Sonntag, 3.7.2022: Nord-Süd-Überquerung des Guffert 2175 m
Unnützes am Samstag
Durch Corona kurzfristig dezimiert, trafen wir sieben Wanderer/innen uns um 6 Uhr am Ansbacher Messegelände, wo wir unsere Autos gut parken und stehen lassen können. Unsere Gruppe das waren, Roland, unser Wanderleiter, Melli, Manni, Matthias, Norbert, Peter und Elke. Eine Gruppe, die sich größtenteils schon von vorherigen gemeinsamen Touren kannte. Der DAV-Bus rollte – gut gelenkt von Matthias – in ca. 4 Stunden Richtung Achensee nach Achenkirch zu unserem Übernachtungsquartier im Tal. Dadurch genossen wir den Luxus des kleinen Tagesgepäcks.
Von Achenkirch (910 m) aus startete die Tour sofort zügig bergan. Ein anstrengender, steiler, ja zum Teil sehr steiler Aufstieg durch den Wald nahm uns schnell den Schwung des Anfangs. Wie schön, dass auf unserem Weg die Zöhreralm mit kühlen Getränken lag, wo wir uns für den weiteren Weg stärken und die herzige Toilette nutzen konnten. Die Bergwelt sah aus wie im Kalenderblatt, blauer Himmel, Sonnenschein, Gipfelblick, angenehmer Wind und lockere Stimmung.
Nach der Alm wechselte der Weg ins offene Gelände mit hohen Felsstufen, und wir stiegen langsam Meter für Meter auf. So erreichten wir am frühen Nachmittag den Hochunnütz (2075 m) und damit die ersehnte Mittagspause mit traumhaftem Blick über den Achensee.
Nach Vesper und Fotoshooting führte uns der Weg zunächst gut 200 m bergab, um sich dann wieder steil nach oben zu wenden. Schließlich erreichten wir mit dem Vorderunnütz (2078 m) den höchsten Punkt der Unnützkette. Das Nützliche am Unnütz war der wundervolle Blick auf den Achensee, der die Anstrengung schnell vergessen ließ.
Eine Weile genossen wir diese grandiose Aussicht, um schließlich wieder langsam abzusteigen und dabei immer wieder den See im Blick zu haben. Die am Wege gelegene Köglalm sorgte für ein gekühltes Getränk und eine kleine Ruhepause. Es konnte alles Geschäftliche erledigt werden und die Beine konnten sich ein wenig ausruhen. Der weitere Weg führte uns wieder abwärts ins Tal nach Achenkirch, ganz in der Nähe des Nordendes des Achensees. Der Wanderweg endete „zufällig“ direkt beim Fischerwirt, der gerade noch zwei Tische im Biergarten frei hatte für hungrige Wanderer. Ein deftiges Menü und ein obligatorischer Kaiserschmarrn mussten reinpassen, denn das ist die Regel, wenn man Bergwandern in Österreich geht – so hat es eine von uns beschlossen.
In unserem Bed & Breakfast-Quartier wurden wir freundlich aufgenommen und hatten eine angenehme Nachtruhe. Manche ließen den Tag mit Duschen und Getränken ausklingen, andere genossen die Badewanne in vollen Zügen, bevor wir uns nach 1350 bergauf und bergab zurückgelegten Höhenmetern müde schlafen legten.
… und der Guffert am Sonntag
Ein neuer Tag, eine neue Herausforderung, eine neue Zusammensetzung der Gruppe, denn zweien von uns saßen die Höhenmeter des Vortags noch heftig in den Knien, so dass sie sich die Gipfelbesteigung des Guffert heute nicht vorstellen konnten. Man könnte sagen „wieder nicht“, denn vor dem Guffert standen ein paar von uns schon einmal – ein Jahr vorher – und haben damals den Gipfel wegen schlechter Wetterprognose nicht erklommen. Heute jedoch waren die Bedingungen perfekt, das Wetter stabil und sonnig, nicht zu heiß (zumindest anfangs), wenig Gepäck, dafür reichlich Getränke im Rucksack, alles wichtig bei dieser Tour.
Die Untere Bergalm (997 m) wurde unser Ausgangspunkt, wo sich die Wanderer in zwei Gruppen trennten, die fünf Gipfelstürmer und die beiden Seeumrunder und für alle gab es ein spannendes Programm. Der Aufstieg Richtung Guffert führte erst angenehm, auf schmalen Pfaden langsam Höhe gewinnend durch den Wald, dann auf einem Kehrenweg auf die Felswand zu, in der der Nordanstieg liegen musste. Wir waren fast die einzigen, die heute dieses Ziel heute hatten. Irgendwann lag die Felswand mächtig direkt vor uns und wir pausierten erst mal und stärkten uns mit Mitgebrachtem steinschlagsicher in einer kleinen offenen Höhle.
Direkt dort war der Ausgangspunkt für den Nordanstieg mit einer kleinen seilgesicherten Klettereinlage zu Beginn. Nachdem wir diese überwunden hatten, ging es steil, aber machbar im Fels und Geröll bergauf. Immer wieder mussten wir uns mit Minipausen an die gewonnene Höhe gewöhnen, die Herzen schlugen auf Hochtouren. Ein langer Geröllweg mit kleinen Seilhilfen ließ uns schnell an Höhe gewinnen.
Schließlich am Guffertsattel angekommen, erwartete uns noch ein felsiger Gipfelanstieg, der jedoch nach der bisherigen Kraxelei kein Problem mehr darstellte. Am Gipfelkreuz (2195 m) angekommen war es wieder einmal überwältigend: dieser wunderbare Ausblick über die Bergwelt, die Ruhe und Erhabenheit dieser mächtigen Monumente unserer Erde. Das sind Momente, in denen ich mir wünschte, dass die Zeit stehen bleibt.
Die erfolgreiche Suche nach dem Ehering und eine glückliche Ehefrau
Während wir so mit Staunen (und Vespern) beschäftigt waren, sprintete ein junger durchtrainierter Mann herauf und blickte auffällig suchend am Boden umher. Er war schon fast wieder unten gewesen, als er seinen am Gipfel abgelegten Ehering vermisste. Da er erst fünf Wochen verheiratet war, konnte er es sich nicht vorstellen, ohne diesen wieder nach Hause zu kommen, das wäre eine Katastrophe für seine junge Frau gewesen. So suchten wir mit ihm, und schließlich fand er den Ring freudestrahlend wieder und eilte beschwingt und sehr erleichtert wieder bergab.
Schneller als wir, denn unser Abstieg führte durch die nachmittägliche Sauna auf der Südseite des Guffert und war sehr langwierig und ermüdend, aber wir kamen schließlich mit letzten Kräften und Wasservorräten in Steinberg am Rofan an, nach 1420 Höhenmetern rauf und runter. Dort warteten unsere Seeumwanderer schon mit dem Bus auf uns.
Bei einem gemeinsamen leckeren Abendessen, nicht wie geplant im Waldhäusl, sondern im gut bewirteten Gemeinschaftshaus in Steinberg am Rofan, ließen wir den Tag ausklingen. Anschließend traten wir – diesmal mit Melli und Elke am Steuer – die Rückfahrt an und kamen bei gut gefüllten Straßen, aber ohne Stau um ca. 23 Uhr in der Heimat an.
Es waren zwei ausgesprochen schöne Bergtouren mit insgesamt 2770 Höhenmetern, was wir alle noch drei Tage lang gespürt haben. Ein großes Lob an unseren Wanderleiter Roland, der uns mit guter Planung und Geduld zu diesen Zielen geführt hat.