Datum:
02.09.-06.09.2022
Autor:
Stephan Voss
Tour-Nr.:2022-T-19
Teilnehmer: Hildegard, Inge, Gisela, Brigitte, Manfred, Klaus, Stephan
Freitag, 02.09.2022 – Rund um Weißenbach
Früh um 5 Uhr startet unsere Tour in Heilsbronn Richtung Brenner und dann weiter nach Weißenbach im Ahrntal. Wir kommen durch die günstige Verkehrslage fast eine Stunde früher als geplant am Gasthof Schnaidaleachen an. Das Wetter ist traumhaft und der Blick auf die umliegenden Gipfel und die Wettervorhersage versprechen eine schöne Tour in den nächsten Tagen. Zur Einstimmung bewegen wir uns heute hier unten im Tal auf dem Panoramaweg rund um Weißenbach, der durch Wälder und Wiesen mit immer wieder schönen Ausblicken belohnt. Bestens gelaunt kehren wir in unser Nachtquartier, den Gasthof Mösenhof, ein und genießen hier den Komfort und das tolle Essen. Hier fühlt man sich willkommen und kommt schnell mit den Betreibern ins Gespräch.
Samstag, 03.09.2022 – Vom Speikboden zur Chemnitzer Hütte
Auch heute startet unser Tag in aller Frühe mit einem guten Frühstück. Danach heißt es schnell packen, denn wir wollen um 8:30 Uhr die erste Seilbahn hinauf zum Speikboden erreichen. Das Wetter ist diesig und so sind wir dann auch die einzigen Gäste, die um diese frühe Stunde schon auf 2252 Meter hinauffahren. Frühnebel und Wolken verweigern uns zunächst noch den Blick ins Tal und auf die umgebenden Gipfel. Trotzdem starten wir froh gelaunt unsere Tour über den Kellerbauerweg. Nach und nach kommt die Sonne durch und vertreibt die Wolken. Jetzt erkennt man vom Mühlwalder Jöchl auf 2376 Metern Höhe sogar unseren gestrigen Wanderweg unten im Tal. Ganz schafft die Sonne ihren Durchbruch nicht, aber wir können immer mal wieder in die Ferne schauen. Weiter geht es mit durchweg geringen Höhenunterschieden über das Fadner Jöchl (2376 m), das Gorner Joch (2277 m), nordwärts weiter zum Wurmtaler Jöchl (2288 m) und dem Schartl (2378 m) zum Lappacher Jöchl (2371 m). Es folgen die steilen Hänge der Tristenspitze und der Tristensee (2344 m). Kurz nach dem es anfängt zu regnen, kommt schon unser Tagesziel, die Chemnitzer Hütte auf 2416 Metern in Sicht. Auf der Hütte erleben wir einen wunderschönen Hüttenabend mit dem Akkordeonspieler Matthias, der neben seinem Studium auf der Hütte in der Küche aushilft und nebenbei die Gäste mit seiner Musik unterhält. Matthias ist eine echte Stimmungskanone und so wird kurzerhand die Hüttenruhe um 22 Uhr ausgesetzt und wir feiern in Haralds Geburtstag hinein. Ein Abend, der sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird.
Sonntag, 04.09.2022 – Von der Chemnitzer Hütte zur Edelrauthütte
Nach dem langen gestrigen Abend und weil heute keine wirklich lange Etappe auf dem Plan steht, lassen wir es ruhig angehen. Das Wetter ist auf jeden Fall gut und wir können unser Ziel, die Edelrauthütte in der Ferne schon erspähen. Wir wandern auf dem mit einer „1“ markierten Növeser Höhenweg, von dem aus wir immer wieder einen herrlichen Blick auf den Zillertaler Hauptkamm mit seinen 3000ern haben. Besonders beindrucken uns auch die Gletscherzungen des Növesferner, dessen Bachläufe, die auch den weit unter uns liegenden Neves Stausee speisen, wir immer wieder überqueren. Auch den Gletschersee, der vom westlichen Növesferner gespeist wird, passieren wir. Wir halten einem Moment inne: Hier kann man deutlich sehen, wie schnell der Klimawandel voranschreitet und die einst mächtigen Gletscher zum Schmelzen bringt. Wie lang wird man dieses herrliche Naturschauspiel hier noch erleben können? Zur Kaffeezeit erreichen wir unser Ziel, die auf 2545 Metern liegende Edelrauthütte. Die über 100 Jahre alte Schutzhütte wurde vor einigen Jahren abgerissen und durch einen modernen Neubau, der den Ansprüchen der Zeit gerecht wird, ersetzt. Wir genießen den Komfort der Vier-Bett-Zimmer und die keine Wünsche offenlassenden Sanitäranlagen. Auch hier klingt der Abend nach dem Essen mit Akkordeon- und Gitarrenmusik aus.
Montag, 05.09.2022 – Von der Edelrauthütte zur Tiefrastenhütte
Der Tag startet früh, weil wir heute unseren längsten Tour-Abschnitt mit 1010 Metern im Aufstieg und 1240 Metern im Abstieg zu bewältigen haben. Der Wettergott ist uns weiterhin wohlgesonnen und so geht es gut gelaunt in den Tag. Von der Hütte steigen wir zunächst ab und passieren nach kurzer Zeit den Eisbruggsee, in dem sich die Gipfel der umliegenden Berge spiegeln. Die Riegeralm auf 2100 Metern sieht zwar sehr einladend aus, aber für eine Einkehr ist es noch zu früh. Wir steigen nun wieder an und bewegen uns dann zunächst auf einer Ebene über Wiesen und Bachläufen. An einer Stelle wird es etwas kritisch, weil in einem recht steilen Hang drei Kühe vor uns auf dem Weg stehen und uns zunächst nicht passieren lassen wollen. Ein Umsteigen ist an dieser Stelle recht schwierig. Der Einsatz unseres Kuhflüsteres Klaus ermöglicht es uns dann doch noch den Weg fortzusetzen. Eine Kuh ist dabei von Klaus wohl so angetan, dass sie uns noch einige Zeit folgt. Auf halber Strecke erreichen wir schließlich die Gruipa Alm auf 2222 Metern. Hier können wir zunächst unseren Durst stillen und erfahren im Gespräch mit dem Almwirt einiges Interessantes über das Almleben. Weiter geht es zur Grampis-Hütte, bei der wir vor dem nun kommenden Anstieg nochmal eine kurze Pause einlegen. Der weitere Weg führt uns über das Passenjoch (2408 Meter), durch das Passental mit dem schönen Passensee weiter bergan. Kurz bevor wir mit der Hochsägescharte auf 2705 Metern die höchste Stelle unserer Tour erreichen, gilt es noch eine kleine Einheit in Blockkletterei zu absolvieren. Wir sind alle froh, als wir die Scharte endlich erreichen und außer dem grandiosen Bergpanorama bereits die Tiefrastenhütte unter uns zu sehen ist. Der Abstieg auf 2312 Metern erfolgt durch bröseliges Absturzgelände, in das wohl vor Kurzem erst Treppenstufen eingelassen worden sind. Auch diesen langen Tag haben wir alle gut gemeistert. Auf der für ihre gute Küche bekannten Hütte folgt nun die Entschädigung für die vorangegangenen Strapazen.
Dienstag, 06.09.2022 – Von der Tiefrastenhütte nach Mühlwald
Heute steht der Abstieg auf dem Programm. Zunächst steigen wir aber nochmal ein paar Meter an und passieren dabei das Große Tor auf 2355 Metern und das kleine Tor auf 2374 Metern. Von hier aus kann man schon weit unter uns unser Ziel, das Dörfchen Mühlwald (auf 1149 Metern), am Eingang des Mühlwalder Tal erkennen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg hinab. Zunächst geht es über Bergwiesen, dann ein kurzes Stück über einen Wirtschaftsweg und schließlich lange Zeit über sehr steile und teilweise felsige Wurzelpfade. Schließlich werden die Geräusche der Zivilisation unter uns immer lauter und dann sind wir auch schon unten. Mit dem Linienbus, der idealerweise kurz nach unserer Ankunft Richtung Speikbodenbahn fährt, gelangen wir nach vier herrlichen Tagen zurück zu unserem Ausgangspunkt. Eine wirklich tolle Tour, von deren Eindrücken wir alle noch lange zehren werden.