Auf dem Bösen Weibl und dem Roten Knopf lockte der Großglockner

Datum:

20.07.-24.07.2022

Autor:

Friedrich Meyer

Foto:

Friedrich Meyer

Tour-Nr.:
2022-T-17

Mit Armin und Ronald verbrachten wir fünf herausfordernde und genüssliche Tage im Nordosten der Schobergruppe im Nationalpark Hohe Tauern. Die Schobergruppe ist ein schroffes und oft unwirtlich wirkendes Bergmassiv, hat aber, wenn man sie mag, viele Reize, schönen Seen und gute Hütten.

Am Mittwoch starteten wir mit dem Sektionsbus Richtung Kals am Großglockner. Beim Ausstieg am Parkplatz Lucknerhaus stand er in voller Pracht vor uns: der Großglockner. Aber er war diesmal nicht unser Ziel, es ging in die benachbarte Schobergruppe. Der Aufstieg zur Glorer Hütte (2651m) war nicht allzu beschwerlich, die Begrüßung dort herzlich und das Essen klasse und reichlich.

Der nächste Tag führte uns, entlang eines Teilstücks des Wiener Höhenweges, von der Glorer Hütte zur Elbersfelder Hütte (2346m). Um die Müdigkeit abzuschütteln und den Kreislauf in Schwung zu bringen, ging es zunächst direkt hoch zum Kastenegg (2821m), wie auf fast allen Wegen über viel Blockgestein und Schotter. Der weitere Weg führte über den Kesselkeessattel (2940m) mit dem Gernot Rohr-Biwak, über die Ostflanke hoch zum Gipfel des Bösen Weibl.

Die reine Kegelform des Berges und die Aussicht vom Gipfel, natürlich auch wieder der Großglockner, widersprechen absolut dem Namen des Bergs. Der Abstieg zur Elbersfelder Hütte zog sich dann doch noch ganz schön lang. Die Idylle an der Hütte mit Wasserfall, Hund und Kühen, der guten und freundlichen Bewirtung lassen einen gelungenen Bergtag ausklingen. Allerdings musste Erwin noch zum Werkzeugkoffer greifen, um die Sohlen von Ronalds Schuhen daran zu hindern, ihre eigenen Wege zu gehen. 

Der dritte Tag gehörte dem Roten Knopf, er ist mit seinen 3281m der zweithöchste Berg der Schobergruppe. Von der Hütte ging es zunächst noch über Grashänge an Seen vorbei, dann aber in Rinnen und über Platten weiter hoch. Ab der Gletschermoräne wurde das Gelände etwas ausgesetzt und Klettereien bis zum unteren II. Schwierigkeitsgrat im recht brüchigen und abschüssig-sandigen Terrain eines steilen Felsbandes waren angesagt. Im oberen Bereich flachte das Gelände wieder ab, über große Blöcke und Steinplatten war das Gipfelkreuz zu erreichen.

Ein schöner Ausblick, die Freude über das Erreichte und die gemeinsame Freude in der Gruppe bringen Glücksmomente. Der Weg zurück zur Elbersfelder Hütte folgte auf dem gleichen Pfad unseres Aufstiegs. Am Abend gab es viel zu erzählen, die Gruppe wuchs immer mehr zusammen und die Stimmung war richtig gut.

Am vorletzten Tag führte der Weg wieder zurück zur Glorer Hütte, allerdings umgingen wir das Kastenegg ab dem Peischlachtörl in einem weiten Bogen. Nachdem der Wetterbericht ab Mittag Regen angekündigt hatte, gab es bereits um sechs Uhr Frühstück und wir waren auch schon vor sieben Uhr unterwegs. Allerdings meldete sich gegen neun bereits ein Gewitter. Wir waren gerade beim Aufstieg zum Kesselkeessattel als es uns erwischte: Regen, Hagel (kurz und kleine Körner) und Kälte. Also hieß es: Wanderstecken weglegen, in der Hocke klein machen, warten bis es über uns hinweg ist. Anschließend gehen, gehen und gehen, um der Kälte etwas entgegenzusetzen. Die Sonne ließ sich auf dem weiteren Weg zwar wieder blicken, aber richtig warm wurde es den meisten erst, als es auf der Hütte heißen Tee zu heißer Suppe gab. Auf jeden Fall hatten wir am letzten Hüttenabend reichlich Gesprächsstoff.

Mit etwas später aufstehen, gemütlich frühstücken, absteigen und heimfahren, ist unser letzter Tag auch ausführlich beschrieben.

Bleibt noch, unserem Tourenleiter Armin für die Vorbereitung dieser Tour, die sichere und angenehme Durchführung sowie für den Spaß unterwegs und am Abend herzlich zu danken.

Wie erging es uns im Einzelnen bei der Tour? (alphabetisch nach Namen)

Armin:

War zufrieden mit den Teilnehmenden, denn die Gruppe harmonierte gut und es hat auch alles gut geklappt. Die Hüttenruhe wurde nie erreicht (die Bewertung kann jede/r für sich machen)

Erwin:

Armin als Tourenleiter, Ronald, Karin, Herrmann, Friedrich, Hanne und Erwin.

Alle bis auf den jugendlichen Tourenleiter über 59 Jahre.

Silver Ager unterwegs. Ausgezeichnete Sicht auf den Großglockner.

Die Hochschobergruppe als Kulisse für diese Tour.

Zwei Hütten, zwei Dreitausender mit vielen großen Steinen und einer 2er Kletterstelle.

Großartige alpine Flora. Nahrhafte Getränke und kulinarische Highlights auf den Hütten.

Super Stimmung, abends Gespräche über Schnabeltassen, Pürierstab, Röhrchen und Schweinebratensmoothie.

Den Morgen beginnen mit Stuhlkreis, dem Fünf Tibeter oder doch dem Sonnengruß.

Hilfe zur Selbsthilfe, Reparatur eines 30 Jahre alten Paars Wanderstiefel mit Kabelbindern und Tape.

Bei Gewitter mit Regen und Graupelschauern wurden flugs mehrere Ausbildungsstationen eingerichtet.

Ein Freiluftklo mit Wasserspülung, Anziehen der mehrlagigen Regenbekleidung, anziehen von Handschuhen und sitzen in geduckter Haltung.

Danke an Armin, als erstklassigen Leiter dieser großartigen Truppe.

Vorsicht Suchtgefahr!

Friedrich:

Meine dritte Tour in der Schobergruppe, immer wieder habe ich das Gefühl, die Berge hier fragen sich, wenn sie mich mit ihren dunklen Schotter- und Blockhängen und -gipfeln beäugen, „was wollen denn die hier, müssen die hier rumsteigen?“. Die Faszination, die dieses Schotter- und Blocksteingelände mit ihren 3000ern auf mich ausübt, bleibt dadurch immer noch ungetrübt.

Hanne:

Wer immer nur in der Komfortzone unterwegs ist (kein Gewitter in den Bergen erlebt hat), verpasst das Leben.

Herrmann:

Ziel dieser Tour war für mich, im dritten Anlauf unter der sehr sorgfältig geplanten dritten Tour die Hohen Tauern vollständig kennenzulernen.

Unvorhergesehenes würzt das Leben und zeigt einem zugleich, wo man bei bestimmten Situationen noch weitere Erfahrungen sammeln kann. Bei dieser Tour wurde das auch für mich unter Beweis gestellt.

Die Freude nach weiteren herausfordernden Unternehmungen hat weitere Nahrung erhalten.

Karin:

Mein Highlight war die Kletterei am oberen Teil des Roten Kopfs. Die lustigen Gespräche am Abend, vor allen Dingen sobald unser Chief ein paar Bierchen hinter sich hatte, werden mir immer in Erinnerung bleiben.

Ronald: Schej wooas!