Wanderung durch die Albula-Alpen bei Davos

Datum:
09. – 13.08.2021

Autor:
Jonathan Tauber

Fotos:
Jonathan Tauber, Maximilian Heumann, Harald Jentner, Benedikt Schmid


Tour-Nr.:
2021-T-18

5-Tagestour in den Albula Alpen bei Davos

Von Dampflokomotiven, Mungga und den 3 Jungspunden

Am 9.8.21 trafen wir uns und (fast) alle Neune pünktlich um 7 Uhr früh, um mit 2 PKW in ereignisreiche, lustige und meist kaiserwetterliche 5 Tage im „geilsten Kanton der Welt“ zu starten. Nach der 4-stündigen Fahrt ins Land der Eidgenossen mit unserem zu allen Verkehrsteilnehmern stets „überfreundlichem“ („Boah, man darf hier auch 120 fahren!“) Leiter Maxi, trafen wir am Startpunkt in Klosters ein. Nachdem alle ihre Fränkli bekommen hatten ging es dann am Landquart (ja, so heißt dort ein Fluss) vorbei und anschließend stetig aber selten steil ansteigend hinein in die Bergwelt und zum Berghaus Vereina, unserer ersten Unterkunft. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten mit der Bedienung („hab Kein Wort verstanden“), dem ein oder anderen Glas „Möhl“ (Apfelwein) und einem ausgiebigen Abendessen ging es dann bereits in unsere sehr komfortablen Kojen. Doch den magischen abendlichen Blick hinter zum über dem Hochtal thronenden Flüela Wisshorn ließen sich einige von uns dann doch nicht entgehen, denn schließlich sollte dies ein Ziel für den nächsten Tag werden.

Am nächsten Morgen ging es dann zunächst halb schlafwandelnd weiter ins Hochtal rein und wir konnten hautnah einige „Mungga“ (Murmeltiere) beobachten, die sich außerhalb ihres Baus tummelten. Angekommen an den Jöriseen legten wir eine ausgedehnte Rast ein, das vorlaut angekündigte Bad fiel jedoch wegen starken Windes (oder doch wegen der „Warmduscherei“ der Anwärter?!) aus. Angetrieben von Direttissima Harry („da lang ist doch viel kürzer“) und unserer 72-jährigen Dampflokomotive Hermann ging es dann durch Steinwüste hinauf zur Winterlücke auf Rund 2800m. Hier trennte sich unsere Gruppe, denn 5 Wagemutige von uns wagten sich an den anspruchsvollen Aufstieg hinauf zum Flüela Wisshorn, einem 3000er mit ein paar ordentlich ausgesetzten Stellen. Doch unsere 5 Bergsteiger ließen sich davon nicht beirren und so genossen wir den an diesem Tag freien Blick auf großartige Gipfelprominente, wie Piz Palü, Piz Bernina mit Bianco-Grat, Ortler sowie Wildspitze und Tödi. Doch plötzlich ging uns Max Schrei durch Mark und Bein: „SCH…., die Gipfel-Schoki!“. Und auch Joni hatte seinen Gipfelschnaps im Rucksackdepot liegen lassen. Zwar ohne Genussgipfel, dafür aber mit atemberaubenden Bildern in unserem Kopf ging es zurück zur Winterlücke und dann stetig hinab zum Flüela-Hospiz. Dort warteten die anderen 4 bereits auf uns, wo leider noch ein Schuhsolen-Zwischenfall zu beklagen war, weswegen unsere 2 Mädels am nächsten Tag nicht bei der regulären Route dabei waren und zum Schuhkauf nach Davos mussten. „Bis die Duschen frei sind, kann ich ja auch gleich in See springen“ dachte sich dann noch unser Küken Joni und fand dann in Harry und Benni noch 2 Mitstreiter. So genossen die 3 das eiskalte Bad im Lai da la Scotta auf ca. 2400m und kamen gut erfrischt zum Abendessen, welches mit Käse Fondue, Rösti (und Spaghetti Bolognese) wieder recht üppig ausfiel. Erschöpft und bereits vom nächsten 3000er träumend fielen wir in unsere Feldbetten.

Der nächste Tag erwartete uns zunächst mit herrlichstem Sonnenschein am Pass, was sich jedoch bald ändern sollte. An diesem Tag leicht dezimiert ging es zunächst hinauf zum Schwarzhorn auf über 3100m. Im Aufstieg bekamen wir bereits ein paar Mini-Schauer ab (Regenjacke an, Regenjacke aus, an, ja, was denn jetzt?). Doch überwiegend trocken erreichten somit 7 tapfere Bergsteigerlein auf einen Streich den Gipfel. Unterbrochen nur von „leichten“ Aggressionen gegenüber anderen Wanderern, die meinten kurz vor dem Gipfel einen Böller hochschießen zu müssen.

Am Gipfel wurden wir zudem von herrlichem, die Ohren verzückendem Drohnensummen willkommen geheißen. Zudem setzte Regen ein, weswegen (nach dem diesmal nicht ausgefallenen Gipfelschnaps!) wir uns relativ rasch wieder auf den Weg nach unten machten und den Blick auf Bernina und Co. nur kurz genießen konnten. Durch den Regen, der die Laune in keinster Weise trübte und angetrieben von unserer fast unstoppbaren Lokomotive ging es dann hinüber zur Fuorcla Radönt (Die Schweizer und ihre Begriffe…., das war der Name eines Sattels). Von dort ging es, teilweise über spannendes Blockgelände, stetig bergab, an der Grialetsch Hütte vorbei, die wir wegen Umbaus überspringen durften. Im Nachhinein war darüber wohl jeder froh, denn angekommen im Berggasthof Dürrboden erwartete uns nach einem Fußbad im Bach ein Abendessen par excellence, angerichtet fast wie im 5 Sterne Hotel. So fein wie dort hat wohl noch kaum einer von uns am Berg gegessen. Nach der ein oder anderen Runde „6 nimmt“ und dem ein oder anderen Bier ging es dann ins nun wieder höchstkomfortable Lager.

Der letzte komplette Tag hielt erneut perfektes Wetter für uns bereit. So stiegen wir, nun wieder mit 18 gut besohlten Schuhen an höchstprofessionellen Wegebauern vorbei zum Scalettapass auf ca. 2600m. Nach einer kleinen Vorlesung von Dozent Maxi in „Kompass- und Kartenkunde“ versuchten dann 7 von uns noch den dritten 3000er der Tour, das Augustenhüreli, zu erreichen. Jedoch war dieser Berg so zerbombt (wir fanden zahlreiche Geschosse im Aufstieg), beziehungsweise halt einfach ein solcher Schutthaufen, dass wir uns dazu entschieden, wieder zurück zum Pass zu gehen und auf diesen Gipfel zu verzichten. Am Hang entlang und mit Zielspurteinlage der Jungspunde Benni und Joni ging es nun hinüber zur Keschhütte, unserer Letzten Unterkunft.

Die Keschhütte liegt auf ca. 2600m und am Fuße des Porchabella‑Gletschers und dem 3418 hohem Piz Kesch. So konnten wir am Nachmittag bei Kaffee und Kuchen, Fotografiesessions, Yoga, Dehnen, Relaxen und Netzsuche den atemberaubenden Blick genießen.

Denn, anders als von den meisten gedacht, gab es oft exzellentes Netz, und das Internet konnte auch mit den meisten deutschen Verträgen gut genutzt werden. So ergab sich bei fast jeder Hüttenunterkunft zunächst die „beschwerliche Suche nach den wundersamen heiligen Balken“ zum leichten Verdruss des „online-Abstinenten“ Joni. Nach einem 4 Gänge Abendessen und einem spontanen Geburtstagsständchen für einen Hüttenbesucher hieß es dann ein letztes Mal auf der Tour „Augen zu“, wobei die letzte Nacht für alle angenehm verlief. Sicherlich träumte der ein oder andere bereits von den grandiosen Erlebnissen der letzten Tage.

Am nächsten Morgen empfing uns der Piz Kesch mit Wolkenmütze. Nachdem ein paar von uns den Tagesanbruch noch in der Warteschlange vor dem Klo verbrachten (es gab nur eines!), hieß es nun nach und nach Abschied nehmen von der Graubündner Bergwelt. Zügigen Schrittes erreichten wir über Wiesen und Murmeltierbauten den Sertigpass auf 2739m. Von nun an gings, unterbrochen von einer Rast am Gebirgsbach, an dem auch die letzten Kaminwurzen und Schokireste dran glauben mussten, ca. 900 Höhenmeter bergab ins Tal hinein. Dort stand (für Joni) noch eine hochkomplizierte Entscheidung bevor, denn es gab nun noch die Möglichkeit zum Sertiger Wasserfall zu gehen, ODER in Sertig Sand Kaffee und Kuchen zu sich zu nehmen. Alle entschieden sich für den Wasserfall, außer unser Küken Joni, der sich dachte: „Wie Wasserfall ODER Kuchen? Wasserfall UND Kuchen!“ So legte er noch einen Endspurt in Trailrunning Manier hinauf zum Wasserfall und sogleich im Eiltempo wieder herunter nach Sand zum wohlverdientem Zwetschgenkuchen.

Nun neigte sich unsere Tour wirklich dem Ende zu, denn von Sertig ging es nun per Bus nach Davos, wo noch Zeit zum Käse, Ovo und Mondsteiner Bier shoppen war, da Maxi noch per Zug den Vereinsbus aus Klosters holen musste. Auch Zeit für Kaffee und Kuchen im „Kaffee Klatsch“ (wohl ein luxuriöser Ableger der Ansbacher Variante?!) war noch genug und den ließen sich einige unserer Mehrtagestourler auch schmecken. Schließlich ging es mit Bus und (fast) ohne Gefluche über andere Verkehrsteilnehmer nach Klosters und von dort wieder nach Hause. Hin- und Rückfahrt liefen zum Glück recht problemlos, sodass wir um ca. 20 Uhr wieder in Ansbach eintrafen. 5 unvergessliche Tage lagen nun hinter uns mit Maxi als äußerst souveränem Leiter, der uns als Wahlschweizer seine neue Heimat mit viel Wissen näherbrachte und bei dem wir uns stets sehr sicher und gut aufgehoben fühlten. Besten Dank dafür!