Über den Lechtaler Höhenweg zur Ansbacher Hütte

Datum:

27.08. – 29.08.2021

Autor:
Andrea Lautenbacher

Tour-Nr.:
2021-T-19

Über den Lechtaler Höhenweg zur Ansbacher Hütte“ vom 27.08. bis 29.08.2021

oder: Besuch der Ansbacher Hütte unter abenteuerlichen, erschwerten Bedingungen

Tourleiter: Uwe Kärger

Teilnehmer: Andrea, Roswitha, Silvia, Hans, Herrmann, Matthias I, Matthias II, Michael

Aufstieg zur Leutkircher Hütte über Kaiserjochhaus, Hinterseejoch, Alperschonjoch und Flarschjoch zur Ansbacher Hütte, Abstieg über die Fritzhütte und durch die Schnanner Klamm nach Schnann

Am Freitagmorgen um 6 Uhr ging es los. Wir trafen uns am Messegelände, wo Uwe mit dem DAV-VW-Bus auf uns wartete. Neun Wanderer waren trotz sehr schlechter Wettervorhersage bereit, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Souverän fuhr uns Uwe auf der A 7 bei starkem Dauerregen in Richtung Süden, über die Grenze bei Füssen nach Reutte/Österreich. Wie geplant kamen wir rechtzeitig in Schnann an und parkten den DAV-Bus am Ausgang der Schnanner Klamm. Mit dem Linienbus fuhren wir nach Sankt Jakob, einem Vorort von St. Anton. Dort begann unser Aufstieg zur Leutkircher Hütte (2252 m). Das Wetter hatte sich inzwischen etwas beruhigt. Die erste Stunde wanderten wir uns auf einem stetig ansteigenden Forstweg „warm“. Dann folgten wir einem unscheinbaren linken Abzweig und jetzt ging´s erst richtig auf schmalen Trampelpfaden durch den Wald bergauf. Die Sonne kam ab und zu heraus und bescherte uns herrliche Aussichten auf die umliegenden Berge. Auf halber Wegstrecke machten wir Vesper und stärkten uns für den kommenden anspruchsvollen Weg, der immer am Berggrat entlang teilweise steil anstieg.

Was für ein Pech – nicht mal der Apfelstrudel hat gereicht

Um ca. 14 Uhr kamen wir auf der Leutkircher Hütte an und freuten uns auf einen leckeren Apfelstrudel. Doch leider war nur noch ein Eckstück da und nur einer von uns hatte Glück, die anderen gingen leer aus. Unserer Gruppe wurde ein 16er Bettenlager zugeteilt und wir richteten uns ein. Nach einem heißen Kaffee oder Tee hatten fünf von uns noch genügend Energie, um den Hirschpleiskopf (2549 m) zu besteigen. Herrliche Aussichten auf die umliegenden Berggipfel und ins Tal belohnten die Aufsteiger, doch bei eisigem Wind hielten wir es nicht lange am Gipfel aus.

Erschwerte Bedingungen aufgrund des winterlichen Wetters

Um 7:45 Uhr ging es bei 3 Grad Celsius und tief liegender Wolkendecke wieder los in Richtung Kaiserjochhaus. Zuerst querten wir die steilen Hänge des Hirschpleis und des Gaißwasens und gelangten oberhalb einer Trümmermulde in die Scharte beim Schindlekopf. Dahinter gingen wir links eindrehend über steiles Geschröff abwärts, dann noch über den Kaiserkopf (2396 m) hinweg zum Kaiserjochhaus (2310 m). Inzwischen hatte es angefangen leicht zu schneien. Im Kaiserjochhaus wärmten wir uns erst mal auf und stärkten uns mit Kaffee und Kuchen, man weiß ja nicht was noch kommt. Wenn die Sicht besser gewesen wäre, hätten wir wunderschöne Ausblicke über das Stanzertal in die Zentralalpen gehabt, aber so mussten wir es uns leider nur vorstellen, denn die Sicht wurde immer schlechter und der Schneefall stärker.

Immerhin fünf Scharten und Joche waren jetzt noch bis zur Ansbacher Hütte zu bewältigen. Den Anfang machte ein namenloser Sattel im Südgrat des Grießkopfes, gleich östlich über dem Kaiserjochhaus. Jenseits stiegen wir in ein Kar hinab, um den vom Kreuzkopf herabziehenden Sporn herum und schräg ansteigend in die Kridlonscharte (2371 m). Nun ging es zur Abwechslung auf der Nordseite weiter.

Unsere Gruppe zog sich etwas auseinander und wir Frauen in Begleitung von Michael und Uwe bildeten die Nachhut. Das Wetter wurde immer schlechter und die Sicht beschränkte sich auf ein paar Meter vor unseren Füßen.

Wir durchquerten den Kridlonkessel ohne großen Höhenverlust und hatten unterhalb von uns den Hintersee als ständigen Begleiter. Folgend über einen Schutthang erreichten wir das Hinterseejoch (2482 m). Der jenseitige Abstieg führte uns in das Kar der verborgenen Pleis hinab, wo die Route noch oberhalb des Vordersees links abdrehte und wir die brüchige, in zahlreiche Rippen und Rinnen gegliederte Schrofenflanke der Vorderseespitze queren mussten. Dieser Teil des Weges war sehr anspruchsvoll mit den schmalen, rutschigen, steinigen Pfaden und den kalten und nassen, teils fehlenden oder defekten Seilsicherungen. Der Schneefall begleitete uns weiterhin.

Kaiserschmarrn nur für die „Vorhut“

Nach dieser sehr anstrengenden und anspruchsvollen Passage durchschritten wir das sanfte Alperschonjoch (2303 m) und stiegen über karge, mäßig geneigte Böden nördlich um die Samspitze herum ins Flarschjoch (2464 m). Noch ein letzter steiler Anstieg auf den Rücken des Schafnocks, hinab zum Vordersee, entlang eines langen Ziehweges und endlich näherten wir uns nach etwas über 8 Stunden reiner Laufzeit unserem Ziel, der Ansbacher Hütte (2376 m). Unsere Vorhut war schon eine Stunde vor uns dort und bekam glücklicherweise noch einen leckeren Kaiserschmarrn. Die Nachhut musste leider bis zum Abendessen warten.

Den „Mädels“ wurde ein 3er-Zimmer zugewiesen und die „Jungs“ durften sich im Dachgeschoss im 6er-Zimmer einrichten.

Es hörte auch am Abend nicht auf zu schneien und ein Blick nach draußen brachte schon richtige Wintergefühle. Manch einer stellte sich insgeheim die Frage, ob wir am nächsten Morgen nicht besser mit Skiern abfahren sollten. Wie immer gab es bei Markus ein leckeres Abendessen mit süßem Nachtisch. Die Eindrücke dieser doch recht abenteuerlichen Tagesstrecke wurden nach dem Abendessen noch ausführlich besprochen.

Am nächsten Morgen lag wie erwartet vor der Hütte Schnee, daher hatte niemand mehr Lust, auf die Samspitze zu steigen. Nach einem gemütlichen Frühstück stiegen wir gemeinsam mit unserer Jugendgruppe über die Fritzhütte ab, wo wir noch einen Kaffee genossen. Anschließend ging es durch die Schnanner Klamm nach Schnann. Die Jugendgruppe war an diesem Wochenende ebenfalls oben auf der Hütte, um Wegmarkierungen zu erneuern. Das Wetter hatte sich zwar beruhigt, doch der Weg war noch sehr rutschig. Der Durchgang durch die Schnanner Klamm war wieder der Höhepunkt des Abstiegs. Herrlich, dass die Klamm nach dem letzten Murenabgang wieder freigeräumt wurde.

Selbst die Heimfahrt unter erschwerten Bedingungen

Uwe fuhr uns über Bregenz und die A7 heimwärts. Doch leider war es wie verhext, wir „hangelten“ uns von einem Stau zum nächsten. Für Uwe war diese Fahrt nach dem Abstieg sicherlich sehr anstrengend. Wir anderen konnten uns zurücklehnen und ein kleines oder größeres Nickerchen machen. Am Spätnachmittag kamen wir wieder zu unserem Ausgangspunkt zurück und waren uns alle einig, dass es eine anstrengende Tour, aber dennoch ein sehr schönes und nicht alltägliches Erlebnis war.