Klettersteigtour Dolomiten, Belluno

Datum:
01.09.-04.09.2021



Tour-Nr.:
2021-T-20

Auf die Civetta und die Moiazza in den Dolomiten – zwei Klettersteige, die es in sich haben

Pünktlich am 01.09.2021 rollte unsere Gruppe vom DAV – Harald, Ilona, Reiner, Barbara, Jürgen, Michael mit Bergführer Peter Jörg auf die Autobahn in Richtung Bella Italia.

Mit glühenden Bremsen und einer kurzen Shoppingtour in Bruneck – Peter hatte sein Klettersteigset vergessen – erreichten wir nach einem zweistündigen Aufstieg unser erstes Nachtlager. Die Coldai – Hütte auf einer „Schulter“ der Civetta auf 2.135 m hieß uns willkommen. Wir konnten den Tag mit den letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse von der Hütte ausklingen lassen.

Es war meine erste Bergtour mit dem Alpenverein. Ich war sehr gespannt, was mich erwarten würde. Schnell stellte ich fest, dass der Griff zu den Schuhen tags zuvor der falsche gewesen war und die alten Bergstiefel eingepackt waren. Es gab kein Zurück mehr. Die Sohle bestand Peters Test und der Rest wurde getaped.

Der Gipfel ist nur der halbe Weg – der Abstieg hat es in sich

Mit dem Tagesziel des zweiten Tages wartete eines der ganz großen Ferrata-Abenteuer auf einen der höchsten Dolomitengipfel! Die Via ferrata degli Alleghesi auf den Gipfel der Civetta. 

Der Zustieg ging durch einen mit zahlreichen Türmen gespickten Weg im felsigen Gelände. Um den mächtigen Dreitausender mit grandiosem Ausblick zu erreichen, ging es über eine steile Wand, die mit Stiften und Klammern sowie einer Leiter gesichert war. Die Schlüsselstelle, eine D-Stelle,  vor den letzten Platten, Bändern und Felsstufen, stellte sich in Form eines steilen, gesicherten Kamins dar. Über den Nordgrat erreichten wir auf 3.220 m den Civettagipfel mit bombastischer Aussicht, nur wenige Dolomitengipfel sind höher. Nach einer kurzen Pause mit Bildern bereiteten wir uns schon wieder auf den Abstieg vor. Die Uhr tickte! Vom Gipfel ging es über den Normalweg über einen Klettersteig mit Steilstufen, Bändern, Geröll, Platten und einem Kamin in einen Schuttkessel. Es war mein erster Klettersteig im Abstieg. Mit Unterstützung von Peters Oberschenkel als „Tritthilfe“ und hoher Konzentration konnte ich dies aber auch gut meistern. Geplant war, die letzten Höhenmeter mit der Bergbahn nach unten zu fahren, da der Aufstieg zu unserem zweiten Nachtlager noch bevorstand. Im Schuttfeld steckten wir schnell die Köpfe zusammen in die Karte und stellten fest, dass wir die letzte Talfahrt nicht mehr erreichen würden. So mussten wir die kompletten 1.800 Höhenmeter zum Parkplatz absteigen, da die zweite Übernachtung auf einer anderen Hütte geplant war. Nachdem uns alle auf dem Abstiegsweg die Fußsohlen gebrannt haben, war schnell klar, wir müssen umdisponieren, da wir zeitlich den Aufstieg auf die geplante Übernachtungshütte nicht mehr schafften. Eine sehr schöne Alternative war nach ca. elf Stunden die San Sebastiano Hütte am Passo Durán.

Querung im Klettersteig – schön rauslehnen!

Frisch gestärkt ging es am dritten Tag zur Bruto-Carestiato-Hütte auf 1.834 m, wo wir unsere letzte Nacht verbrachten. Das Tagesziel war aber noch nicht erreicht. Geplant war eigentlich die Cima Moiazza Süd, mit dem Costantinisteig der Superlativ unter den Dolomitenklettersteigen. Nach kurzem Einfühlen in unsere Beine und nach einem Blick auf die Uhr mussten wir feststellen, dass wir diesen nicht schaffen würden und machten uns auf den Weg über die Westroute der Ferrata Costantini, eigentlich der Abstieg des gesamten Klettersteiges, zur Biwakschachtel Bivacco Ghedini – Passo delle Nevere auf 2.601 m.

Über den Dolomiten – Höhenweg ging es in einer sehr dem Steinschlag ausgesetzten, breiten Rinne in das Van dei Cantoi zum Einstieg des Klettersteiges. Die ca. 600 Höhenmeter durch die sehr anspruchsvolle Via Ferrata ging über steile Platten, Steilstufen, Bändern mit losem Geröll und Schotter auf steilen Pisten zwischen den einzelnen Kletterabschnitten. Das letzte Stück bis zur Biwakschachtel war eine Querung, in der ich technisch sehr viel lernen konnte. Auch wenn es Überwindung kostet, das Rauslehnen mit durchgestreckten Armen spart Kraft.  Nach einer Rast war nochmal Konzentration gefragt. Es ging über den gleichen anspruchsvollen Steig und Weg wieder zurück zum Rifugio Bruto Carestiato, wo wir den Tag nach ca. neun Stunden auf der Sonnenterrasse ausklingen ließen.

An unserem letzten Tag stiegen wir wieder zur San-Sebastiano-Hütte am Passo Durán ab, wo unser Auto geparkt war. Nach einem Cappuccino traten wir den langen Heimweg an. Einen Zwischenstopp genossen wir in Sterzing, bei strahlendem Sonnenschein im Biergarten.

Vielen Dank an Peter für die schöne Tour und Unterstützung. Durch sein großes Wissen und seine Erfahrung habe ich in diesen Tagen sehr viel gelernt. Peter strahlte immer sehr viel Ruhe aus. Der meist gehörte Satz von mir war „Hält mein Schuh am Fels?“. Er hielt! Es war eine tolle Gruppe, nette Gespräche und ich wurde liebevoll in die DAV – Familie aufgenommen.