Hochtour Stubaier Alpen

Datum:
22.07.-25.07.2021

Autor:
Benjamin Dohrer

Tour-Nr.:
2021-T-16

Am Donnerstag, den22. Juli, trafen sich sechs mehr oder weniger ausgeschlafene, aber hochmotivierte Teilnehmer (Heidi, Helmut, Johannes, Harald, Hannes und Benjamin) und Tourenleiter Bernd Seßler um 03:30 Uhr am Ansbacher Messegelände zur Abfahrt ins Stubaital.

Die Anreise mit dem Vereinsbus bis zum Parkplatz der Stubaier Gletscherbahn verlief problemlos. Nach der Materialausgabe machten wir uns mit der Gondelbahn auf zur Dresdner Hütte – unserem ersten Übernachtungsquartier – um das zusätzliche Gepäck abzulegen und mit leichtem Rucksack zu starten. Unser Weg führte uns, anfänglich noch bei Sonnenschein, hoch zum Stubaier Gletscherskigebiet. Hier galt es dann für die Hochtouren-Neulinge in unserer Gruppe die ersten Erfahrungen beim Gehen in der Seilschaft zu machen. Ziel des Tages war eigentlich die Stubaier Wildspitze auf 3341 m. Aufgrund von gemeldeten Gewittern und bereits hörbarem Donnergrollen in der Ferne, mussten wir den Aufstieg ca. 170 Hm unterhalb des Gipfels abbrechen und haben stattdessen die übrige Zeit im Gletscherskigebiet genutzt, um ein paar Lerninhalte aus der Vorbesprechung in die Praxis umzusetzen (z.B. Spaltenbergung mittels T-Anker).

Anschließend ging es mit der Gondelbahn durch den Nebel hinab zur Dresdner Hütte.

Dort trafen wir dann auch auf die Ansbacher Gruppe um Tourenleiter Klaus Denninger, die den Stubaier Höhenweg beschritten und ebenfalls auf der Dresdner Hütte genächtigt hatte.

Am Freitag sollte es dann hinauf zur Pfaffenschneid auf 3498 m mit anschließendem Gratübergang zum Zuckerhütl auf 3505m und weiter über den Wilden Pfaff auf 3456 m und den Pfaffengrat zur Müllerhütte auf 3145 m gehen.

Wir nutzten nochmals die Gondelbahn, um uns für diesen langen Tag ein paar Höhenmeter zu sparen.

Bei bestem Wetter machten wir uns auf in Richtung Pfaffenschneid. Leider wurde bei Gesprächen mit anderen Seilschaften klar, dass der Gratübergang zum Zuckerhütl aufgrund von Steinschlag aktuell wohl zu gefährlich ist. Alle Seilschaften stiegen vom höchsten Punkt der Pfaffenschneid wieder über den Aufstiegsweg ab.

Auch wir stiegen über eine 3er Kletterstelle, über die uns Bernd sicherte, auf den wenig Platz bietenden, höchsten Punkt der Pfaffenschneid und genossen die herrliche Aussicht auf die umliegenden Gipfel. Besonders ins Auge fielen dabei die beiden Höchsten der Ötztaler Alpen, die Wildspitze mit ihrem markanten Doppelgipfel und die Weißkugel.

Nach kurzer Rast unterhalb des Gipfels hieß es dann auch für uns wieder absteigen, um anschließend auf dem Sulzenauferner, einmal um Pfaffenschneid und Zuckerhütl herum, auf den Pfaffensattel zu gelangen.

Vor dem Aufstieg zum Wilden Pfaff bot sich hier die Möglichkeit, das Zuckerhütl von der anderen Seite über den Normalweg „mitzunehmen“. Aufgrund der stabilen Wetterlage ergriffen wir die Gelegenheit, um doch noch auf dem höchsten Berg der Stubaier Alpen stehen zu können.

Der Aufstieg (teils im 2er Gelände) war fordernd, aber dennoch ein Genuss, genau wie die Aussicht auf die umliegenden Gletscher und Gipfel.

Es folgte der Abstieg auf gleichem Weg zurück zum Pfaffensattel und anschließend der leichte Aufstieg zum Wilden Pfaff. Hier bot sich ein sehr schöner Blick auf das gegenüberliegende Zuckerhütl im Westen.

Über den nochmals fordernden Pfaffengrat (Teile im 2er Gelände), einer kurzen Gletscherpassage am Übeltalferner und einem letzten kleinen Anstieg, erreichten wir schließlich auf Südtiroler Seite die Müllerhütte.

Ein gut gelaunter Hüttenwirt erwartete uns bereits, wies uns unsere Lager zu, dann gab es auch schon Abendessen. Bei Musik, Gesang und bester Stimmung ließen wir diesen Traumtag mit einem gebührenden Hüttenabend ausklingen. Dazu passte dann auch noch die Vollmondnacht bei nur spärlich bewölktem Himmel. Bergsteigerherz, was willst du mehr.

Am Samstag musste gegen Mittag mit Gewittern gerechnet werden, deshalb planten wir für diesen Tag nur eine kleinere Tour zur gegenüberliegenden Sonklarspitz auf 3463 m. Hierfür querten wir den Übeltalferner und stiegen über den Grat auf zum Gipfel. Bei noch sonnigem Wetter konnten wir die ganzen Ausmaße des Übeltalferners bestaunen, der trotz Gletscherrückgang noch eine beachtliche Größe aufweist und immerhin der größte Gletscher Südtirols ist. Immer im Blick hatten wir auch unser nächstes Etappenziel, das über dem Übeltalferner thronende Becherhaus auf 3195 m, die höchstgelegene Hütte Südtirols.

Während des Rückwegs zur Müllerhütte verschlechterte sich das Wetter bereits deutlich, sodass wir uns beeilen mussten, um vor eventuell einsetzendem Regen das Becherhaus zu erreichen.

Trockenen Fußes erreichten wir die Hütte, bezogen unser Lager und verbrachten einen restlichen, gemütlichen Hüttentag. Ein am Spätnachmittag einsetzender, heftiger Regen- und Graupelschauer bestärkte uns darin, an diesem Tag alles richtig gemacht zu haben. Wir sollten am folgenden Tag noch genug Wetter abbekommen…

Der letzte Tag unserer Hochtour hielt mit der Überschreitung des Wilden Freigers auf 3418 m und anschließendem Abstieg über den Grat zur Lübecker Scharte und den Gletscher der Fernerstube nochmal ein Highlight bereit. Leider war die Wetterprognose an diesem Tag sehr schlecht. Um 06:45 Uhr standen wir auf der Terrasse des eingenebelten Becherhauses, um den Aufstieg über den Grat auf den Wilden Freiger in Angriff zu nehmen. Durchgehend im Nebel, mit aufkommendem Wind und Graupel, erreichten wir den Gipfel und stiegen ohne lange Unterbrechung auf dem Grat Richtung Lübecker Scharte ab. Kurz unterhalb des Gipfels erreichten wir die klettertechnisch schwierigsten Stellen des Abstiegs – zeitgleich mit immer heftiger werdendem Wind und Graupel – weshalb Bernd diese Stellen nochmal zusätzlich mit einem Seil absicherte. Nach der Überwindung dieses Teilstückes wurde der Weg wieder etwas weniger exponiert und wir erreichten schließlich bei nachlassendem Graupel die Lübecker Scharte, die den Übergang auf den Gletscher darstellt. Glücklicherweise besserte sich das Wetter weiter. Es lag kein Nebel mehr über dem Gletscher, sodass die Orientierung und das Umgehen der Spaltenzonen hier keine große Herausforderung darstellten.

Nach einem zügigen Abstieg über den Gletscher, stiegen wir weiter in Richtung Sulzenauhütte ab, wo wir vor den letzten 650 Höhenmetern ins Tal noch kurz einkehrten und uns stärkten. Am späten Nachmittag starteten wir schließlich glücklich und mit vielen neuen Erlebnissen im Gepäck wieder Richtung Heimat.

Unser Dank gilt Bernd für die hervorragende Planung dieser Tour und dafür, dass er die Gruppe immer und speziell auch am schwierigen, letzten Tag mit großem Einsatz und großer Professionalität geführt hat.