4 Tage im Berner Oberland in der Nachbarschaft von Eiger, Mönch und Jungfrau
Tag 1 – 21.07.2021 Anfahrt und Gamchilücke
Der erste Tag beginnt damit, dass wir vier (Peter, Micha, Harald und ich) uns in aller Früh um 2:00 Uhr zur Abfahrt treffen. Nach problemloser Fahrt kommen wir im Kiental an. Wir fahren den unglaublich steilen Talschluss des Kientals zur Griesalp (1408m) hinauf und stellen dort unser Auto ab. Und schon geht es mit dem üblichen Hochtouren-Equipment los, den Gamchibach entlang bis zum Gamchigletscher. Dort heißt es Anseilen und Richtung Gamchilücke (2836m) steigen. Die letzten 50 Höhenmeter (=HM) zum Passübergang gestalten sich als herausfordernd, da die Ketten, die den Aufstieg erleichtern sollen, teilweise noch unter Schnee liegen. Peter steigt deswegen entschlossen vor und wirft uns das Seil hinunter, nachdem er es an einem Kettenstück befestigt hat 😉. Nun können wir uns am Seil hochziehen und stehen bald darauf auf der Gamchilücke. Hier sehen wir wie sich unsere Ziele Tschingelhorn und Lauterbrunner Breithorn vor uns erheben. Mitten im riesigen Kanderfirn liegt unscheinbar das Mutthorn (3036m) und dahinter soll sich das Ziel des Tages, die Mutthornhütte befinden.
Wieder geht es an Ketten weiter, nun auf den Kanderfirn hinab, um zur Hütte zu gelangen. Dies ist sehr mühsam, da der Schnee auf dem Gletscher bereits schon ziemlich weich ist. Spätnachmittags erreichen wir endlich die Hütte und sind froh, etwas ausspannen zu können.
Tag 2 – 22.07.2021 Tschingelhorn
Pünktlich um 6 Uhr ist Abmarsch zum Ziel des heutigen Tages, dem Tschingelhorn (3557m). Wir seilen uns an der Hütte an und steigen ca. 200 HM Richtung Petersgrat empor. Um uns dem Ziel des heutigen Tages von Süden nähern zu können, umrunden wir die Gratausläufer des Tschingelgrats. Nun kommt die Schlüsselstelle, eine 45° steile Schneerinne. Die Verhältnisse in dieser Rinne sind am Vormittag sehr gut und so kommen wir einigermaßen zügig voran. Ab dem Ende der Rinne geht es dann im kombinierten Gelände im 1er Gelände zum Gipfel, den wir um ca. 10:15 Uhr erreichen. Das Wetter ist hervorragend und wir genießen die Sicht auf die Eisriesen des Wallis und des Berner Oberlands. Dann geht es wieder an den Abstieg und wir kommen durch die nun schon weichere Rinne gut wieder hinunter. Um 13:30 Uhr sind wir wieder wohlbehalten an der Mutthornhütte zurück.
Wir beobachten interessiert das Treiben der „Mittagessenshelikopterflüge“. Bis zu fünf Helis „parken“ vor der Hütte und lassen ihre Gäste zum Mittagessen in die Hütte. Danach geht es für die Helis wieder zurück (z.B. nach Grindelwald).
Da ich mich vor dem Abendessen noch etwas bewegen will, steige ich noch auf den Hausberg, das Mutthorn. Um kurz vor halb sechs bin ich zurück und wir bekommen wieder ein leckeres Nachtessen. Im Vergleich zum Vortag hat sich die Hütte merklich gefüllt und wir sind in unserem Lager nicht mehr allein.
Tag 3 – 23.07.2021 Mutthorn
Nach (mehr oder weniger) kurzer Diskussion haben wir entschieden, das Lauterbrunner Breithorn nicht zu besteigen. Weit wäre der Anmarschweg gewesen, (zu) schwierig der Westgrat als angedachter Aufstiegsweg.
Da Peter zu Recht lieber früher als später aufbricht (wir sind ja in den Westalpen), das neue Tagesziel daber überschaubar ist, machen wir uns also um 07:00 Uhr auf den Weg. Wir nehmen uns das Mutthorn über das Nordcouloir vor. Es geht also zuerst wieder zurück Richtung Gamchilücke, dann aber nicht links hoch sondern auf der rechten Seite. In Summe sind es etwas mehr als 300 HM, die vom Tschingelpass bis zum Mutthorn zu überwinden sind. Ca. 150 dieser Höhenmeter führen durch steilen Firn (45- 50°) bis auf einen Vorgipfel des Mutthorns. Wieder lädt das Wetter zu einer ausgiebigen Gipfelrast ein und wieder genießen wir den Blick auf Eiger, Gspaltenhorn und noch einige andere interessante Gipfel. Wir steigen zur Hütte ab und beschließen am Nachmittag noch etwas am Grat des Mutthorns herum zu kraxeln.
Tag 4 – 24.07.2021 Gamchilücke, Abstieg und Heimfahrt
Der Wetterbericht verkündet für den heutigen Heimfahrttag einen Wetterumschwung. Schon zum Frühstück sollte sich dies bestätigen und wir blicken nicht mehr in einen blauen Himmel wie die Tage zuvor, sondern graue Wolken verhüllen teilweise die Gipfel. Also wieder um 6 Uhr Aufbruch und den wohlbekannten Weg Richtung Tschingelpass. Dort an den Ketten hochgewuchtet und schon bald stehen wir wieder auf der Gamchilücke. Nun müssen wir wieder die kritische Gletscherrandkluft überwinden, aber auch das schaffen wir fast problemlos… Wir steigen ab und kehren noch in der urigen Alphütte Gamchi ein. Dort lassen wir uns alle köstlich bewirten und kaufen noch Käse ein.
Weiter geht es zum Parkplatz an der Griesalp und problemlos fahren wir wieder über die A5 und die A6 nach Hause.