Wer am Fronleichnamswochenende rund um die Ansbacher Hütte in den Lechtaler Alpen unterwegs war, konnte einen Trupp seltsam anmutender Gestalten beobachten: schwer bepackt mit Bergsteigerausrüstung, Pickel, Schaufel, meterlangen Kanthölzern, Motorsägen, Akkuschraubern und Holzstickeln kämpften sie sich durch den teils noch meterhohen Schnee. Es waren die ehrenamtlichen Helfer der Ansbacher Alpenvereinssektion bei ihrem alljährlichen Wegebaueinsatz zum Saisonbeginn.
Der Winter in den Lechtaler Alpen war hart, lang und schneereich, wie überall auf der Alpennordseite. Noch bis weit in den Juni hinein türmten sich die Altschneemassen viele Meter hoch in den Hochgebirgslagen. Wo sonst im Sommer Bergwanderer unterwegs wären, tummelten sich in diesem Frühsommer noch die Skitourengeher. Eine außergewöhnliche Herausforderung für die Verantwortlichen und die Hüttenwirtsleute der Ansbacher Hütte – ist sie mit 2.376 m doch die höchstgelegene Hütte der Lechtaler Alpen. Damit das Schutzhaus pünktlich zur Eröffnung am Sommeranfang auf allen wichtigen Routen erreichbar ist, hatten Wegewart Gerald Simon und Hüttenwart Alfred Pfister mit ihren Helfern alle Hände voll zu tun.
Während die südseitigen Zustiege aus dem Stanzer Tal alle weitgehend schneefrei und problemlos zu bewältigen sind, bereitete den Wegebauern vor allem der nordseitige Hüttenzustieg aus dem Alperschontal Kopfzerbrechen. Der einsame, wildromantische und landschaftlich einmalige Anstieg durch das Alperschontal erfreut sich als Alternative zur überlaufenen E5-Route in den vergangenen Jahren zunehmender Beliebtheit bei Fernwanderern. Allerdings ist das schattige Tal im Winter besonders lawinenanfällig, was jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung für den Wegebau bedeutet. Bereits in den vergangenen Jahren wurde der Weg ab der Alperschonalpe stets optimiert und mit viel ehrenamtlichem Hirnschmalz wurden Routen verlegt und Brücken neu errichtet.
Eine der beiden Brücken im hinteren Alperschon hat der Winter 2019 mit seiner enormen Schneelast jedoch in die Knie gezwungen. Die größte Herausforderung für den Wegebautrupp bestand darin, diese Brücke rechtzeitig zur Hüttenöffnung neu zu errichten, um die Alperschonroute wieder freizugeben. Das gesamte Material für den Brückenbau – nebst Bauholz auch schweres Gerät – wurde mit der Materialseilbahn zur Ansbacher Hütte transportiert und von dort mit reiner Muskelkraft durch den teils noch meterhohen Altschnee in hochalpinem Gelände über das knapp 2.500 m hohe Flarschjoch bis hinab an den Alperschonbach transportiert. Nach dem kräftezehrenden Transport konnte der Wegebautrupp, der neben Wegewart und Hüttenwart aus Zimmerermeistern und erfahrenen Bergsteigern bestand, die Brücke über den Alperschonbach schnell und professionell neu errichten.
Durch die zum Teil noch enormen Schneemengen oberhalb der Lärchwaldhütte hin zu Flarsch- und Alperschonjoch wurde zudem eine Spur angelegt und mit Markierungsstangen versehen. Somit ist die Alperschonroute zur Ansbacher Hütte für den erfahrenen Bergwanderer wieder begehbar. Am 21. Juni 2019 lagen in den Knappenböden jedoch teilweise bis zu 3 Meter Altschnee. Vor Mitte Juli wird die Route sicherlich nicht ausgeapert sein.
Ein Schmankerl für felsgewandte Bergwanderer ist der Theodor-Haas-Weg, der sich ausgesetzt durch die Südabstürze der Vorderseespitze windet. Im Rahmen des Wegebaueinsatzes konnten unter großen Mühen fast alle Sicherungsseile aus den Lawinenstrichen ausgegraben und eingehängt werden. Der Weiterweg zum Hinterseejöchl ist jedoch ebenfalls noch tief winterlich. Gleiches gilt für den Augsburger Höhenweg. Hier ließ die prekäre Schneelage keinerlei Spur- oder Wegebaumaßnahmen aus Richtung Ansbacher Hütte zu. Für sommerliche Verhältnisse auf dem Augsburger Höhenweg wird man sich noch etliche Wochen gedulden müssen.
Mit vereinten Kräften und einer starken ehrenamtlichen Truppe konnte der Wegebaueinsatz zum Saisonbeginn 2019 erfolgreich durchgeführt werden. Ein großes Dankeschön gilt unserem Wegwart Gerald Simon, Hüttenwart Alfred Pfister und allen tatkräftigen Helfern. Unser Wegebautrupp hat für den Brückenbau im Alperschon einen wahren „Knochenjob“ geleistet. Der Transport mit Muskelkraft hat der Sektion einen teuren Hubschrauberflug erspart – und zugleich die Umwelt geschont. Ein herzliches Dankeschön gilt auch unserer Hüttenwirtsfamilie, die unsere Wegebauer auf der Ansbacher Hütte bestens bewirtet hat. Alleine schon die gute Küche sollte es jedem Wert sein, unserer Hochgebirgsbütte einen Besuch abzustatten. Der Weg zur Hütte ist jedenfalls auch in diesem Sommer frei – dank unserer Wegebautruppe. Vergelt’s Gott!
Die Arbeit geht unserem Wegebauteam jedoch auch den Sommer über nicht aus. Spätestens zum Hüttenschluss im September folgt wieder ein Arbeitseinsatz, und auch während der Saison können spontan Arbeiten an unserem Wegenetz anfallen. Wer Lust bekommen hat, sich ehrenamtlich bei dieser äußerst wichtigen Tätigkeit mit zu engagieren, ist herzlich willkommen. Unser Wegewart Gerald Simon freut sich auf eure Anfragen: wegewart-lechtal@dav-ansbach.de
Text und Bilder: Stefan Diezinger