Datum:24.07. – 28.07.2019
Autor: Laura Endt Fotos: –
Tour-Nr.:2019-T-20
Meine erste Hochtouren-Erfahrung:Monte Disgrazia – der höchste Gipfel der Bergeller Alpen sowie Tödi – der höchste Gipfel der Glarner Alpen
Nach meiner dreijährigen Kinderpause suchte ich nach einer neuen sportlichen Herausforderung. Früher kletterte ich ein wenig, doch ich wollte einmal etwas Neues ausprobieren. Da mich die Berge glücklich machen, dachte ich natürlich sofort an das DAV-Programm. Als ich „Hochtour Schweiz“ las, wusste ich sofort, dass ich das machen will. Gletscher, Fels, hohe Berge – davon träumte ich schon lange. Als ich die Zusage der Tourenleiter Peter und Conny bekam, war ich total begeistert.
Kuchen und Pumpernickel als wichtige FrachtAn einem Julimorgen um 4 Uhr („um gleich in den Rhythmus der nächsten Tage zu kommen“) trafen wir uns zu acht. Mit zwei Autos, Kuchen und viel Material ging es los. Die Fahrt verlief über den Splügenpass und die Stimmung war super als wir nach ca. sechs Stunden in Cataeggio ankamen. Nachdem alle ihre Rucksäcke gepackt hatten, ich meine Mitstreiter von schwerem Pumpernickel mit Kiri auf dem Berg überzeugt hatte, die Schranke geöffnet war und wir die letzten Kilometer zum Parkplatz gefahren waren, begann unser zweistündiger Aufstieg zur Hütte Refugio Ponti. Der Weg verlief an einem wunderschönen Flusslauf, doch schon allein der Blick auf die tollen hohen Berge ließ mein Herz höherschlagen. Auf 2559m angekommen, wurde erst einmal auf der sehr liebevoll geführten Hütte entspannt. Das leckere italienische Essen wurde genossen und der nächste Tag besprochen. Leider sollte es, so wie an diesem Tag, am Nachmittag Gewitter geben.
Bereits bei Sonnenaufgang auf dem Gletscher!So klingelte um 4 Uhr der Wecker. Ich zwang mich ein paar Scheiben Weißbrot zu essen, viel zu trinken und dann ging es mit Stirnlampe los. Bei Sonnenaufgang erreichten wir den Gletscher und es hieß zum ersten Mal – Steigeisen, Gamaschen, Gurt, Seil und Pickel! Peter teilte uns in zwei Seilschaften auf. Conny führte unsere und wir liefen gleichmäßig in Serpentinen den steilen Hang hinauf. Auf Bildern sah dies immer sehr beängstigend aus, doch ich war überrascht wie gut die Steigeisen im Schnee und Eis Halt fanden.
Absolute Gipfelfreude nach hochkonzentrierter GratklettereiRichtig aufregend (und diesmal nicht nur für michJ) wurde es, als wir den Einstieg zum Grat finden mussten. Zu meiner positiven Überraschung ging es nämlich jetzt in den Fels, die ersten Meter sogar mit Steigeisen. Ich hätte nicht gedacht, dass das funktioniert. Hochkonzentriert kletterten wir weiter in unserer Seilschaft am Grat entlang. Ich wusste, dass jeder Schritt sitzen muss. Der Nervenkitzel war unbeschreiblich, das Panorama einzigartig schön und es machte so viel Spaß. Als wir um ca. 11 Uhr den Gipfel des Monte Disgrazia auf 3678m erreichten, war ich so glücklich, stolz und von der atemberaubend schönen Landschaft geplättet. Schneller Abstieg wegen drohender GewittergefahrNach einer kurzen Pause mit Bildern und natürlich Pumpernickel (für alle), bereiteten wir uns schon wieder auf den Abstieg vor. Die Uhr tickt am Berg, das gemeldete Gewitter kündigte sich bereits an. Der Abstieg mit Steigeisen war für mich wieder eine neue Erfahrung. Ich fand es super lustig, breitbeinig den Hang herunter zu hüpfen. Ob meine „Technik“ jedoch lehrbuchfähig war, bezweifele ich. Als das Schneefeld geschafft war, zeigte uns Peter noch wie man einen Pickel als T-Anker aufbaut. Ich konnte mir zuvor nicht vorstellen, dass ein Pickel wirklich die Last halten kann, doch wir haben ihn kaum mehr herausbekommen. Nach ca. 10 Stunden erreichten wir alle wieder glücklich und heil die Hütte Refugio Ponti. Ich bin so dankbar für die Erfahrungen, die ich an diesem Tag machen durfte, es war eine unvergesslich geniale erste Hochtour!
Abstieg und Weiterfahrt zum nächsten ZielAm nächsten Tag mussten wir wieder absteigen, um mit dem Auto in die Glarner Alpen überzusetzen. Unser nächstes Ziel war der Gipfel Tödi mit 3613m. Dieses Mal sorgten die Straßenbauarbeiter dafür, dass unser Schlafrhythmus nicht durcheinander kam.
Sündhaft teures Schweizer BergtaxiAm Talort Linthal im Kanton Glarus angekommen, gönnten wir uns ein Bergtaxi. Dadurch konnten wir den Aufstieg zur Fridolinshütte auf 2111m um ca. zwei Stunden verkürzen. In meinem nächsten Leben werde ich Taxifahrer in der Schweiz. Die Fahrt dauerte ca. 20 Min. und kostete 240 Franken (30 € p.P.)! Die traumhafte Landschaft mit ihren schroffen Felswänden, vielen Wasserfällen, tiefen Schluchten und Blumenwiesen ließ jedoch keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Oben angekommen wurden wir mit den Blick auf den majestätischen Gipfel Tödi belohnt und durften uns am schönen „Beach“ abkühlen. Was kann es Schöneres geben?!
Schon wieder Gewitter – noch früher aufstehen…Leider waren für den nächsten Nachmittag wieder starke Gewitter angekündigt. Wir entschieden uns deshalb um 3 Uhr zu frühstücken, um möglichst bald aufbrechen zu können. Es warteten immerhin 1500 Höhenmeter auf uns. Die Aufregung vom Vortag war verflogen und die Vorfreude enorm, als ich meinen Rucksack aufsetzte. Die erste Stunde Aufstieg zur alten Grünhornhütte (jetzt eine Schutzhütte), verging für mich wie im Fluge, obwohl das Gelände sehr steil war. Dort entschieden wir, die Seile vorzubereiten sowie unsere Gurte, Gamaschen und auch unsere Regenkleidung anzuziehen.
Fantastische Farbenvielfalt der NaturDas nächste Stück war kettenversichert und wir mussten uns z. T. einzeln daran ablassen, um zum Schneefeld zu gelangen. Dort angekommen, zogen wir unsere Steigeisen an und liefen entlang des Gletschers zur gelben Wand. Ich habe selten so etwas faszinierend Schönes gesehen. Die Farben waren gigantisch. Der riesige, türkisfarbene, zerklüftete Gletscher, daneben die gelbe Wand und im Anschluss ein schwarzer Fels, von dem ein kleiner Wasserfall herabstürzte. Die Stimmung wirkte bedrohlich durch ein vorbeigezogenes Gewitter. Als die erste Seilschaft jedoch in die gelbe Wand eingestiegen war, kam bereits das nächste Gewitter und dieses Mal brachte es erst leichten, dann immer stärkeren Regen. Als es zu blitzen und donnern begann, entschieden Peter und Conny, ganz vernünftig und zu Recht, dass wir schnell umdrehen müssen.Unsere Seilschaft ging sofort los, die andere folgte uns, nachdem sie ihre Steigeisen wieder angezogen hatte. Beim Abstieg wurde es bereits wieder heller und es hörte auf zu regnen, doch wer weiß wie es oben weiter gegangen wäre…Um ca. 8 Uhr stärkten wir uns mit einer Suppe in der Fridolinshütte und entschieden, noch am selben Tag die Heimreise anzutreten. Bei Sonnenschein und blauem Himmel verabschiedete sich der Tödi von uns. „Ich komme wieder“, das habe wohl nicht nur ich gedacht!Es war schade, dass es an diesem Tag nicht geklappt hat, doch allein für den Blick auf den Gletscher und die gelbe Wand hat sich das frühe Aufstehen gelohnt. Auch der Abstieg (diesmal ohne Taxi) war noch total schön, das Gebiet kann man auch für einfache Wanderungen nur empfehlen. Wenn man sieht wie sich der Fluss in den Fels gefressen hat, wird einem bewusst wie klein und unbedeutend man ist. Zum Abschluss machten wir noch einen Badestopp am Walensee.
Positives Resumee einer begeisterten Neu-BergsteigerinEs war eine sehr harmonische Gruppe, es wurden viele schöne Gespräche geführt und spannende Bergerfahrungen ausgetauscht. Mit meiner Seilschaft hatte ich jede Menge Spaß, viel gelacht und es war ein tolles Miteinander. Ich bin Peter und Conny so dankbar, dass sie mir diese unvergessliche Erfahrung ermöglicht haben. Durch ihr großes Wissen und ihre wertvolle Erfahrung habe ich unglaublich viel gelernt. Sie haben souverän geführt, klare Anweisungen gegeben, viel Ruhe ausgestrahlt und es war immer ein sehr freundschaftliches und liebevolles Miteinander. Auch für die Mühen im Vorfeld und die sehr vielseitige Tourenauswahl bin ich ihnen echt dankbar.