Bericht vom Stubaier Höhenweg, der Rettung eines Lämmchens und vom Freitag dem 13.

10.09.2019- 14.09.2019

Autor: Friedrich Meyer
Fotos: Harald Jentner, Friedrich Meyer

Tour-Nr.: 2019-T-23

 Am 10. September 2019 machten wir (Klaus, Inge, Herrmann, Harry und Friedrich) uns für fünf Tage in das mir bis dahin noch unbekannte Stubaital auf. Vom Bahnhof Ansbach starteten wir mit unserem Bayernticket in Richtung Kufstein, nach diversen Umstiegen ging es mit dem Railjet nach Innsbruck weiter und schlussendlich mit dem Bus durch das Stubaital bis zum Talschluss an der Mutterbergalm. Das Teilstück des Stubaier Höhenwegs, das unser Tourenleiter Klaus Denninger für uns ausgewählt hatte, sollte uns von der Dresdner bis zur Bremer Hütte führen. Den ersten Aufstieg zur Dresdner Hütte starteten wir mit reichlich Schnee unter den Sohlen, es hatte zwei Tage vorher kräftig geschneit.

Durch den Schnee, der teilweise noch bis ins Tal lag, boten die Berge einen herrlichen Anblick, die schneebestäubten Abhänge glichen teilweise grobkörnigen Schwarzweiß-Fotografien, die oben mit einem stahlblauen Streifen abschlossen. Planänderung wegen starkem Schneefall Dem Schnee war es auch geschuldet, dass wir für den Übergang zur Sulzenauhütte nicht wie geplant den Großen Trögler oder das Peiljoch wählten, sondern das Tal. Der Hüttenwirt hatte energisch von den Übergängen abgeraten, was uns aber nicht abhielt, am Nachmittag von der Sulzenauhütte aus noch zum Peiljoch aufzusteigen. Das Gebiet unserer Tour war hauptsächlich durch Gletscher geformt und bot wunderschöne Landschaftseindrücke: stille Bergseen (mit so treffenden Bezeichnungen wie z. B. ‘Paradies’), Hochmoore mit mäandrierenden Bächen und Wollgraswiesen sowie imposante Gletscherschliff- und Moränenlandschaften. Profund informierte uns Klaus über die Entstehung dieser Landschaften und die Welt der Gletscher. Dadurch entstand für mich ein faszinierendes Bild vom Entstehen und Sein dieses Gebietes. Für den Übergang von der Sulzenauhütte zur Nürnberger Hütte wählten wir die Mairspitze, auf die wir im Nebel und noch über reichlich Schnee aufstiegen.

Überraschender Wetterwechsel am Gipfel Trotz Null-Sicht blieben wir zur Mittagsrast am Gipfel, plötzlich der Ruf „ein blaues Loch über uns” und in wenigen Minuten blies der Wind die Wolken fast vollständig weg. Das Resultat war ein phänomenaler Blick auf den Wilden Freiger mit seinem Gletscher und die umliegenden Berge und Täler, einfach nur schön und beeindruckend.

Erwähnenswert ist auch die Nürnberger Hütte, nicht nur weil sie nach fränkischer Heimat klingt. Es ist noch eine traditionell erhaltene Berghütte mit heimeligen Gaststuben, gekocht wird mit Produkten des eigenen Bauernhofs im Tal und die Freundlichkeit der Hüttenwirtin freut bestimmt jeden Gast. Von der Nürnberger ging es dann über das Simmingjöchl zur Bremer Hütte und am letzten Tag runter nach Gschnitz. Von hier dann über unsere Bus- und Bahnstafette wieder zurück nach Ansbach.

Die Rettung eines frischgeborenen Lämmchens Da war aber noch was. Ach ja, das Lämmchen: Mehrmals trafen wir auf größere Schafherden und ihre Hirten, so auch beim Aufstieg zur Mairspitze. Auf einem schneebedeckten Hochplateau, die Herde hatten wir schon hinter uns gelassen, hörten wir plötzlich ein jämmerliches und dünnes “Mäh”. Es stammte von einem kleinen, zitternden, auf wackligen Beinen im Schnee stehenden und pechschwarzem Lämmchen, weit und breit kein anderes Schaf. Da war Helfen angesagt, einer nahm das Lämmchen und wärmte es, Klaus stieg ab bis er einen Schäfer auf uns und das Tier aufmerksam machen konnte. Als der Schäfer bei uns oben war und das Lamm übernahm, erfuhren wir, dass es erst an diesem Tag geboren wurde und darüber hinaus noch, dass sich die Schäferei in den Alpen, trotz EU-Zuschüssen, kaum noch lohnt.

Seltsame Geschehen am Freitag, dem 13. Ah, der Freitag der 13. fehlt auch noch: Obwohl niemand von uns abergläubisch war, geschahen doch seltsame Dinge. Eine Jacke weigerte sich, ihrem Besitzer zur nächsten Hütte zu folgen, versteckte sich einfach in einem Hüttenregal. Und eine Schuhsohle riss sich von ihrem Schuh los, hing weg, wollte nicht mehr weiter. Zuletzt wurde aber alles gut: Die Jacke besann sich und kam per Päckchen wieder zu ihrem Besitzer und die Schuhsohle wurde mit Kabelbinder und Schnüren gezwungen, noch bis ins Tal bei ihrem Schuh zu bleiben.