Datum: 20. – 22.09.2019
Autor: Diana Petruch
Tour-Nr.: 2019-T-27
Am Freitag, 20. September trafen wir (Tourenleiter Gerhard und die Teilnehmer Friedrich, Hans, Harald, Hermann, Manfred, Silvia, Stefan und ich) uns zu einer Klettersteigtour im Wilden Kaiser. Wir sind pünktlich um kurz nach 5 Uhr in Ansbach abgefahren. Leider gab es auf der Autobahn einen langen Stau, weswegen wir mit insgesamt drei Stunden Verspätung erst um 12:30 Uhr von der Griesner Alm los laufen konnten. Daher mussten wir den für diesen Tag geplanten Gipfel (Hintere Goinger Halt) auslassen.
Wir stiegen über den Eggersteig und durch die Steinerne Rinne zum Ellmauer Tor (1970 m) und wieder hinunter über den Jubiläumssteig zur Gruttenhütte (1620 m). Der Jubiläumssteig ist ein ausgesetzter Bergweg, welcher nicht durchgehend mit Stahlseilen und Tritthilfen/Leitern ausgestattet ist.
Bettwanzenalarm – große Vorsichtsmaßnahmen!
Um ca. 18 Uhr, bei der Begrüßung auf der Gruttenhütte, hat man uns berichtet, dass es Probleme mit Bettwanzen gibt. Daher waren strenge Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten.
Alles, was aufs Zimmer kam, musste in eine große Plastikbox mit Deckel. Der Schlafanzug und der Hüttenschlafsack kamen für eine Minute in die Mikrowelle, bevor sie aufs Zimmer mitgenommen werden durften. Die Rucksäcke wurden alle in einem Trockenraum untergebracht, der wegen der Wanzen bei einer Temperatur von 50°C gehalten wurde.
Das Essen auf der Hütte war sehr gut und das Personal sehr nett. Sie gaben sich große Mühe, alle Essenswünsche zu erfüllen. Wir saßen zusammen bei netten Gesprächen, Wein, Bier und gelegentlichen Kartenspielen.
Da der Samstag sehr lang werden würde, gingen wir so bald als möglich zum Frühstück. Schon um acht Uhr beim Abmarsch war es bemerkenswert warm.
Einer der Teilnehmer hatte beschlossen, den leichteren Weg durch das Tal zur nächsten Hütte zu nehmen, da die Etappe vom Vortag manche Körperteile etwas arg strapaziert hatte. Die Tourenplanung für den Tag sah vor, dass wir über den Gamsängersteig, an der Jägerwand entlang zur Ellmauer Halt (2344 m) hochgingen bzw. -kletterten und ein Stück auf gleichem Weg zurück. Danach ging die Tour über das Kopftörl (2058 m) zum Stripsenjochhaus weiter.
Zunächst mussten wir schon einige Höhenmeter gehen, bevor wir zum Klettersteig Richtung Gipfel kamen. Der Steig bot viele interessante Passagen. Der Anstieg verlief zunächst an einer glatten Wand (Jägerwand) entlang, an der die Eisenklammern wie Treppenstufen hinaufführten. Die Aussicht wurde mit jeder Stufe besser!
Wir hatten auch einige ungesicherte, leichte Kletterstellen zu passieren. An manchen Stellen habe ich überlegt: „Hoch geht ja, aber wie komme ich hier wieder herunter?“
Problemlos durch die „Maximilianstraße“
Aufwärts wählten wir an einer der letzten größeren Felsstufen die Abzweigung nach rechts, die über schräge Platten verlief. Am Gipfel verbrachten wir bei bestem Wetter eine kleine Mittagspause. Abgestiegen sind wir später durch eine „Schlucht“ mit überhängender Leiter (Variante „links“). Der Abstieg vom Gipfel verlief ohne die vorher befürchteten Schwierigkeiten.
Zurück über den Gamsängersteig gingen drei Teilnehmer in eigener Verantwortung voraus Richtung Kopftörl. Nach einiger Zeit hörten wir ihre Rufe von hinten. Sie hatten die Abzweigung zum Kopftörl verpasst und waren zunächst wieder Richtung Gruttenhütte gelaufen.
Kurz bevor wir das Kopftörl erreichten, durften wir hinter der Kaindl-Stewart-Nadel durch einen 20 m hohen, schmalen Spalt entlang steigen. Hier konnten wir viele eindrucksvolle Fotos schießen!
Vom Kopftörl verlief der Abstieg zunächst über Schotter, dann durch einen Wald mit einer kleinen Überraschung: mitten drin stand eine Leiter, über die wir eine Felsstufe passieren mussten.
Schon wieder Wanzen!
Ankunft um 18 Uhr am Stripsenjochhaus (1577m): Hier gab es ebenfalls Vorkehrungen gegen Bettwanzen, allerdings nicht so streng wie auf der Gruttenhütte. Wir durften die Rucksäcke mit aufs Zimmer nehmen, aber sie mussten in große Plastiksäcke verpackt werden. Im Eingangsbereich der Hütte stand ebenfalls eine Mikrowelle, um Schlafsäcke und Schlafsachen zu „braten“.
Nach dem Duschen und Essen wollte ich mich für die Nacht einrichten. Wir waren in einem Nebengebäude untergebracht. Im Zimmer packte ich meinen Schlafsack aus und wollte ihn gerade aufs Bett legen, da entdeckte ich einen verdächtigen Fleck. Bewegt er sich etwa? Ja, tatsächlich! Ich packte den Schlafsack wieder zusammen und ging zu den anderen in die Gaststube im Hauptgebäude rüber. Da Manfred, einer der Teilnehmer in unserer Gruppe, Tierarzt ist, habe ich ihm den Inhalt meines Schlafsackes gezeigt und gefragt, ob dies eines dieser gefürchteten Objekte sei. Ein weiterer Teilnehmer hat das Ding fotografiert, vergrößert und im Internet recherchiert. Kein Zweifel möglich! Alle, die am Vorabend mit mir in einem Zimmer geschlafen hatten, inspizierten ihre Schlafsäcke nun ebenfalls genauestens. Glücklicherweise hatten wir insgesamt nur die eine Bettwanze mitbekommen!
Am Sonntag stand uns nach einem guten und ausgiebigen Frühstück nur der Abstieg von ca. einer Stunde bevor. Einige Teilnehmer hatten noch nicht genug und machten sich noch an die Übungsklettersteige in der Nähe der Hütte, die alle Schwierigkeitsgrade von A bis E boten. Bei der Heimfahrt ließen wir das Wochenende mit einer Einkehr in der Burgschänke in Eichstätt entspannt ausklingen.
Im Namen meiner Mitwanderer bedanke ich mich beim Tourenleiter Gerhard für die super organisierte und durchgeführte Tour.