Alpine Bergtour / Hochtour, Amberger Hütte, Stubaier Alpen

Datum:
19.07. – 21.07.2019

Autor: Matthias Lörler
Fotos: Heike Ronneberger, Matthias Lörler

Tour-Nr.:
2019-T-18

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„Hochtour Schrankogel (3.497m), ggf. Überschreitung von Ost nach West, teilweise leichte Kletterei (I) am Blockgrat, Schwindelfreiheit, Trittsicherheit, möglichst freies Klettern im Blockgelände und Kondition für 8 – 10 Stunden“. Sieben Sektionsmitglieder (Gerhard, Heike, Hermann, Manfred, Thomas, Peter und Matthias) fanden dies reizvoll und starteten am Freitag kurz nach 8 Uhr am Vereinsheim nach Gries im Ötztal. Durch zwei kurzfristige Absagen fanden wir alle einen Platz im Bus von Gerhard.

Da die aktuellen Wetterbedingungen noch größere Altschneefelder am Schrankogel erwarten ließen, packten wir auch noch eine Kiste mit Ausrüstung (Steigeisen, Eispickel, Anseilgurte, Helme, … und ein Seil) in den Bus.

Am frühen Nachmittag erreichten wir den kostenfreien Parkplatz am Ortsende von Gries (1.572m). Mit der verteilten Ausrüstung machten wir uns auf die 6 km lange Strecke zur Amberger Hütte. Der Weg ging unschwer am Fischbach entlang. Ohne es zu wissen, hatten wir hier schon freie Blicke auf das Gipfelkreuz vom Schrankogel.

Die Amberger Hütte (2.136m) ist eine sehr gemütliche kleine Hütte, mit äußerst nettem Personal. Zum Schlafen bekamen wir ein geräumiges 6-Bettzimmer mit einer zusätzlichen Matratze. Als Verpflegung hatten wir alle Halbpension gewählt, was sich als absolut richtige Wahl erwiesen hat.

Vor dem Abendessen hatte Gerhard noch die aktuellen Bedingungen bei „Überschreitern vom Tage“ abgefragt.

  • Steigeisen sind keine nötig!
  • Die ersten hundert Höhenmeter im Abstieg (Westgrat) könnten „interessant“ werden!

Am nächsten Morgen starteten wir also die geplante Überschreitung vom Schrankogel ohne Steigeisen, aber mit allem was wir ansonsten an Ausrüstung mitgebracht haben.

Von der Hütte weg geht es „In der Sulze“ zunächst in angenehmer Steigung empor, um dann nach einem Linksknick über die Seitenmoräne des Schwarzenbergferners weiter aufzusteigen. Auf 2.624m erreichten wir die Abzweigung zum „Normalweg“ über den Westgrat. Für uns ging es aber weiter auf der Moräne zum Einstieg in den Ostgrat. Im unteren Bereich der Schuttflanke gab es mehrere brüchige Stellen, die uns veranlassten, unsere Helme zu montieren. Danach änderte sich das Gelände und nach einer launigen Kraxelei erreichten wir über einen flachen, schmalen Blockgrat den Gipfel.

Der Schrankogel ist ein phänomenaler Aussichtsberg, tolle Blicke auf die zahlreichen Dreitausender und die Gletscherwelt der Stubaier Alpen – ein Panorama, von dem man kaum genug bekommen kann!

Für den anstehenden Abstieg war die volle Konzentration erforderlich. Die „interessanten“ Stellen hatten es für Hochtour-Neulinge durchaus in sich und waren anstrengender als der Aufstieg. Unter der Anleitung von Gerhard meisterten wir aber alle diese Stellen. Einsetzender Regen (einzelne Tropfen) und Donnergrollen begleiteten uns im weiteren Abstieg. Übers „Hohe Egg“ (2.820m) gelangten wir wieder auf dieSeitenmoräne des Schwarzenbergferners und den bereits am Morgen begangenen Weg. Auf den letzten Metern zur Amberger Hütte setzte dann doch noch stärkerer Regen ein.

Die Störung in der Wetterlage unterstützte uns bei der Planung für den Sonntag. Wir verzichteten auf die vorgesehene Bergwanderung auf den Hausberg der Amberger Hütte (Vorderer Sulzkogel, 2.796m) und machten uns direkt auf den Rückweg nach Gries.

Ein Unfall auf der Fernpassstrecke und die Tunnelbaustelle im Virngrundtunnel gaben uns ausreichend Gelegenheit, Gerhards Musiksammlung zu lauschen.

Fazit:

„Dabeihaben und nicht brauchen ist besser als nicht dabeihaben und brauchen“.

Vielen Dank Gerhard, dass du diese Tour mit uns durchgeführt hast, auch wenn dir vorher nicht bekannt war, wie sich dir bis dahin unbekannte Teilnehmer in verschneitem Blockgelände zurechtfinden.