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MTB-Sloweniendurchquerung

15.09.2018 - 22.09.2018
Autor: Roland Doellinger
Tour-Nr.: 2018-03-77

Beim Aufstieg zum Nanosplateau ließen uns große Wildspuren am Wegrand erschrocken innehalten. Das werden doch nicht die Abdrücke eines Braunbären sein? Etwas unsicher blickten wir uns im dunklen schattigen Wald um, bevor wir mit mehr oder weniger mulmigen Gefühlen den Weg bergaufwärts fortsetzten. Mit so etwas muss man wohl rechnen, wenn man in sieben Tagen Slowenien mit dem Mountainbike durchquert. Günter Wolf, unser Guide hatte ja schon immer von einer „Expedition“ gesprochen. Dass sich dies während unserer sieben Tage oftmals auch so anfühlte war aber kein Problem. Trotz einiger Unwägbarkeiten war diese Tour ein wunderbares Abenteuer, vielleicht eines der letzten, das man mit dem Mountainbike in den Alpen in einer traumhaften wilden und teilweise menschenleeren Natur erleben kann. Einen der 500 dort lebenden Braunbären oder einen Wolf bekamen wir während der gesamten Tour von Kranjska Gora bis Pirano nicht zu Gesicht. Dafür aber wunderschöne Landschaften im Hochgebirge der julischen Alpen im Norden, felsendurchsetzte Karstlandschaften, ähnlich unserer Mittelgebirge, bis hin zum mediterranen Flair an der Küste unterhalb von Triest. Immer wieder begleitet vom Fluss Soca, der als einer der schönsten Wildwasserflüsse gehandelt wird, zogen wir eine große Schleife durch den Nordwesten von Slowenien bis an die unterste südwestliche Spitze. Wie es sich für echte Mountainbiker gehört, führten wir unser spartanisches Gepäck in unseren Rucksäcken mit, immer darauf bedacht, genügend Wasser oder Verpflegung dabei zu haben. Denn es war nicht absehbar, ob man unterwegs auftanken oder einkehren kann. Oftmals trafen wir unterwegs keine Menschenseele, nur zum Übernachten an den jeweiligen Unterkünften tauchten wir dann wieder in die Zivilisation ein. Die Virsic-Passstraße, ein Überbleibsel aus dem 1. Weltkrieg, trug uns zu Beginn der Tour in kontinuierlichen Schleifen hinauf zum Rifugio Potarski Dom na Vrsicu, wo wir mit 40 Schulkindern gemeinsam die Nacht verbringen durften. Der Hüttenwirt hatte jedoch Mitleid mit uns und überließ uns zum Abendessen sein Hinterzimmer, um dem teils ohrenbetäubenden Lärmpegel der „Frühpuppertiere“ zu entgehen. Die folgende Nacht verlief größtenteils ruhig, bevor der Pegel zur Frühstückszeit wieder anschwoll. Nach einem abwechslungsreichen und ausgiebigen Frühstück machten wir uns unter den interessierten Blicken der Schulkinder wieder auf den Weg. Denn es mussten an diesem Tag noch knapp 80 Kilometer und etliche Höhenmeter zurückgelegt werden. Mitgenommen haben wir schöne Eindrücke der Hütte und dessen Umgebung sowie einen Darmvirus, der fast jeden aus der Mannschaft reihum für einige Stunden oder Tage heimsuchte.  

Einmal mussten wir eine wunderschöne Trailabfahrt kurzfristig beenden, weil uns ein wachsamer bewaffneter Soldat partout nicht weiterfahren ließ. Schießübungen gab er uns zu verstehen, zumindest glaubten wir dies aus seinem slowenglisch heraus zu hören. So war wieder einmal Umplanung angesagt. Ein andermal stoppte uns die Polizei mit Blaulicht, als wir am letzten Tag in Richtung Meer unterwegs waren. Hier meinten die Gesetzeshüter, dass wir auf dem eingeschlagenen Weg in Kroatien herauskämen und empfahlen uns umzukehren und einen 15 Kilometer langen Umweg in Kauf zu nehmen. Dieser Empfehlung folgten wir dann auch und kamen so mit über 80 Kilometer auf dem Tacho in dem Hafenstädtchen Pirano an. Dies hinderte uns aber nicht, zum Abschluss der Tour ins Meer zu springen und ausgelassen wie Teenager im Wasser herum zu toben, was uns verwunderte und verständnislose Blicke der anderen Badegäste einbrachte. Möglicherweise hätten sie es verstanden, wenn sie gewusst hätten, dass wir in den zurückliegenden sieben Tagen um die 450 Kilometer und fast elftausend anstrengende Höhenmeter hinter uns gebracht hatten. Das verdiente Tour-Bier an der sonnigen Beachbar war dann obligatorisch und schmeckte fantastisch. Überhaupt hatten wir während der gesamten Tour die Sonne als stetige Begleiterin und waren alle von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Slowenen sehr beeindruckt. Am letzten Tag führte unsere Route über ein hohes Plateau und dicht bewaldetes Gebiet. An einigen Stellen war das Grün fast nicht zu durchdringen, was darauf schließen ließ, dass unsere Route nur äußerst selten befahren wird. Angeführt von unserem Guide mussten wir immer wieder alternative Pfade ausfindig machen, was uns viel Zeit kostete und die Ankunft am Meer verzögerte. Im Gespräch am Abend dieses Tages mit einem einheimischen MTB-Guide hatte er diesen Teil „Macheten-Trail“ genannt. Rückblickend auf unseren Tag verstanden wir alle sofort den Grund der Namensgebung.

An den sechs kompletten Tagen in Slowenien legten wir täglich zwischen 50 und 80 Kilometer zurück und überwanden dabei zwischen 1500 und 2250 Höhenmeter täglich. Neben wunderbar flowigen Trails gab es auch sehr anspruchsvolle, verblockte und teils geröllige Abfahrten. Oft begannen die Auffahrten auf Teerstraßen, bevor sie in unebene Karrenwege übergingen, was den Uphill technisch machte und zunehmend steiler und somit manchen von uns Bikern aus dem Sattel zwang.

Übernachtet wurde neben dem bereits erwähnten Rifugio Potarski am Virsic Pass einmal in einem 7-Mann Apartment in Ajdovscina, ein andermal in weit abgelegenen kleinen Unterkünften, die sich speziell auf Biker und Wanderer spezialisiert haben und uns dann zum Abend vorzüglich kulinarisch verwöhnten. Große Portionen, gutes Bier und auch die fantastischen slowenischen Weine halfen bestens dabei, uns auf den nächsten Tag vorzubereiten. Und das zu außergewöhnlich fairen Preisen. Neben vielen landschaftlichen Eindrücken werden uns sicher der fordernde Trail vom Berg Plesa zum Höhlenschloss "Predjana“, sowie die wunderbare lange flowige Trail-Abfahrt nach Ajdovscina in Erinnerung bleiben. Ein großes Lob an Günter, unseren Guide für die großartige Organisation, die Routenwahl und die Auswahl der Unterkünfte. Sollte Slowenien wieder einmal als Mountainbike-Tour auf dem Programm des DAV Ansbach stehen, bin ich wieder mit dabei – dann aber mit einer langen Machete im Gepäck, für alle Fälle!!!

Auffahrt zum Refugio Potarski
Das Refugio Potarski
Früh Blick vom Rifugio Potarski
Der Fluss Soca
Auffahrt zum Berg Stol
Auf dem Weg zum Matajur
Blick vom Matajur
Auffahrt zur Plesa
Günter bei der Trailabfahrt von der Plesa nach Predjama
Blick auf die Höhlen von St. Kanzian
Vor dem Höhlenschloss Predjama – Günter Wolf, Michael Schneider, Boris Jungbauer, Philip Kleinschnitz, Roland Döllinger, Werner Löffler und Ralf Heidingsfelder