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Tourencamp Sölden

16.08.2018 - 19.08.2018
Autor: Roland Döllinger
Tour-Nr.: 2018-03-76

Das auf knapp 1350 Metern gelegene Sölden im Ötztal entwickelt sich stetig weiter zu einem Hotspot der Mountainbike-Szene. Die drei Liftanlagen, welche im Winter bis zu 2 Millionen Übernachtungsgäste auf über 3000 Meter hoch befördern, bieten dafür auch im Sommer ideale Bedingungen. Mit aktuell 54 offiziellen Bikerouten will die „Bikerepublic“ Sölden bis 2021 zu den größten Trailregionen in Europa gehören. Im Schatten der bekannten Eismumie Ötzi, welche 1991 am Übergang vom Ötztal ins Schnalstal gefunden wurde, hatten wir vom Alpenverein Ansbach Mitte August vier wunderbare Biketage verbracht. Das große Revier ist für „vollgepanzerte“ Downhillbiker ebenso geeignet wie für einfache Trailfahrer. Wir bewegten uns irgendwo dazwischen mit unseren leichten Schutzausrüstungen in Form von Arm- und Beinschützern sowie guten Radhelmen und Handschuhen. Dies erlaubte es uns auch, schwierige Passagen unverletzt zu meistern. Geplant war auch, uns nicht ausschließlich mit dem Lift transportieren zu lassen, sondern wir wollten durchaus auch einige Höhenmeter Aufstieg selbst erarbeiten. So machten sich unser Guide Lukas Kulma, Jörg Nowak, Thilo Rupprecht, Claus Schäfer, Benjamin Stäbler, Matthias Löffler, Uli Hoffmann, Peter Felder und Roland Döllinger auf, die Trails um Sölden zu erkunden.

Mit Vereinsbus und Anhänger ging es am Donnerstagfrüh auf die 4,5-stündige Fahrt nach Sölden. Bereits am Nachmittag nahmen wir die erste Tour in Angriff. Aus eigener Muskelkraft ging es 600 Höhenmeter mäßig steil hoch zur Stallwiesenalm auf der ruhigen Nordseite des Ötztals. Nach einer kleinen Stärkung auf der urigen Hütte begaben wir uns auf den Klebe-Naturtrail, der seinen Namen von der etwas oberhalb liegenden Klebealm bekommen hat, hinab ins Ötztal. Ein Trail, der bereits am ersten Tag die ganze Vielfalt des Mountainbike-Sports wiederspiegelte, der technisch war und einen fliegenden Wechsel zwischen Cruisen und steilen Fels- und Wurzelpassagen mit sich brachte. Immer wieder kreuzten wir den Schotterweg der Auffahrt und tauchten wieder in den Trail hinein. An einigen Stellen waren sogar Sprünge möglich, was die meisten Beteiligten auch ausgiebig nutzten. Das war ganz nach unserem Geschmack. 

Quasi als Belohnung für den vorherigen Aufstieg fuhren wir im Anschluss mit der Gondel auf den Geißlachkogel und gönnten uns eine der vielen künstlich angelegten Abfahrten, die 6003 Teare Line. Die als rot gekennzeichnete Route hat auf ihren 5,2 Kilometern Länge gefühlte 200 Kurven und Anleger, war technisch nur bedingt anspruchsvoll und bot an der ein oder anderen Stelle die Möglichkeit auf Airtime. Summa summarum eine typische Bikepark-Route mittlerer Schwierigkeit. Durch die lange Trockenheit fühlten wir uns unten angekommen wie eine Bande staubiger Cowboys nach einem langen Ritt durch die Wüste. Das breite Grinsen auf unseren Gesichtern am Ende dieser Route wollte minutenlang nicht mehr weichen. Das obligatorische Biker-Bier nahmen wir dann an der Bar gleich neben der Talstation ein. Hier trafen sich nachmittags verschiedenste Biker, um den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen und den Tag ausklingen zu lassen. „Apres-Bike“ sozusagen.

Auch der zweite Tag begann mit einer aufsteigenden Warmmachrunde. Nach ausgiebigem Frühstück kurbelten wir hinauf zur Leiterbergalm auf 1910 Meter. Gestartet in Sölden bei 1350 Meter bedeutete das knapp 600 Höhenmeter steiler Anstieg. Nach diversen Getränken auf der frequentierten Alm kamen wir in den Genuss des Leiterberg-Trails mit Nummer 672. Der mit rot gekennzeichnete natürliche Trail bewegte sich sicher an der Grenze zu schwarz, zeigte an mancher kniffligen Passage seine Zähne und forderte als „Shared-Trail“ auch unsere Aufmerksamkeit gegenüber Wanderern. Durch gute Disziplin und Selbsteinschätzung wurden diese Passagen ohne Sturz und vorbildlich gemeistert.

Mit Gondelunterstützung ging es dann hoch zum Giggijoch und über den quer verlaufenden Rettenbachtrail zur neu angelegten, 7 Kilometer langen Ollweit Line, Nummer 2010. Auf über 2600 Metern genossen wir erst einmal das gigantische Panorama, den Blick auf die Gletscher und die umliegenden 3000er, bevor wir in endlosen Schleifen in Richtung Tal stürzten. Neben flowigen Passagen gab es auf diesem Trail auch immer wieder anspruchsvolle Stellen, die zuviel Übermut und zu hohe Geschwindigkeit jäh bestraften. So hatten wir wiederholt das ein oder andere Alpenvereinsmitglied aus der Spur verloren. An der Hühnersteigenalm brauchten auch unsere ausdauerndsten Fahrer eine Pause, um die Hände und Scheiben vom immerwährenden Bremsen zu erholen. Letztendlich kamen aber alle mehr oder wenig unversehrt im Tal an. Solche anspruchsvollen Abfahrten über viele Kilometer fordert Mann und Maschine und so war es auch nicht verwunderlich, dass sich die Bikegruppe zum Ende des Tages immer mehr reduzierte. Die schwarze Route 677 war zuletzt noch unseren Spezialisten vorbehalten. Ein fordernder Naturtrail mit einigen sehr technischen Passagen, teilweise ausgesetzt und verblockt, bildete den Abschluss eines ereignisreichen, aber fantastischen Tages. Unser Guide Lukas hatte es heute auf sage und schreibe vier Platten gebracht, welche er alle mit neuen Schläuchen reparieren musste. Also neue Schläuche in alten Reifen - wie man sagt. Bewundernswert, mit welcher stoischen Ruhe er dies hinnahm und immer wieder Schlauch für Schlauch tauschte.

Wie bereits die anderen Tage begann auch der Samstag mit einer langen Auffahrt, diesmal in Richtung „Jägers Notweg Trail“. Die Abfahrt dieser anspruchsvollen Route konnten viele von uns nur schiebend meistern, da viele enge Kehren und steile ausgesetzte verblockte Stellen nur mit bester Fahrtechnik und einer gehörigen Portion Mut zu überwinden waren. Dieser kurze Trail mit Nummer 673 galt als das Anspruchsvollste, was diese Gegend zu bieten hat. Über den Trail 6000 und den bereits bekannten Klebealm-Trail ging es dann Richtung Tal. Bis zum Abend wurden dann mit Unterstützung der Lifte noch einige Abfahrten bezwungen und somit so gut wie fast alle roten und schwarzen Hauptrouten dieses Gebietes mindestens einmal befahren. 

Den Sonntagvormittag hatten einige als Ruhetag genutzt, andere wollten auch diese wenigen Stunden noch zum Biken nutzen und begaben sich in das Getümmel. Fertig gepackt traten wir dann um die Mittagszeit wieder die fünfstündige Heimreise an.

Am Ende konnte jeder sein eigenes Fazit ziehen. Obwohl Bikepark nicht so mein Ding ist, hatte dieses Gebiet um Sölden durch die vielen Naturtrails definitiv seinen Reiz. Die lustigen Abende in der Gesellschaft von Gleichgesinnten trugen ebenfalls zum positiven Gesamteindruck bei. Ein großes Lob an Lukas, unseren Guide. Mit viel Feingefühl, Zuspruch, manchmal auch ein wenig Bremse an der richtigen Stelle, brachte er uns ängstliche oder übermotivierte Biker sicher auf und vom Berg bzw. Trail.

Schon wieder ein Plattfuß
Eine tolle Bikergruppe
Die Pause tat gut an der Alm
Ein toller Tag in den Bergen
Unser Jörg gibt Gas
Roland im Trailrausch