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Der selbstständige Bergsteiger 2

14.07.2017 - 16.07.2017
Autor: Dorothea Schindler
Tour-Nr.: 2017-02-34

Gespräch zwischen einer selbstständigen Bergsteigerin und einer Bridgetante

Kursleiter: Matthias Klein und Stefan Diezinger

Gespräch frei erfunden

D: Selbstständige Bergsteigerin in spe
BT: Bridgetante

BT: Hab dich am Wochenende bei unserer Bridge-Runde vermisst. Läufst ja ein bisschen unrund. Was hast‘n wieder angestellt?

D: Techniktraining nach Engelbert Eder.

BT: HÄHHH??

D: War in den Lechtaler Alpen auf der Hanauer Hütte beim Kurs „Der selbständige Bergsteiger 2“. Da ging‘s ab, sag ich dir. Na zuerst mal bergauf, ein flotter Hüttenzustieg im Regen, damit wir noch unser Essen bekommen.

BT: Und dann der wohlverdiente Hüttenabend in geselliger Runde, nicht wahr?

D: Nicht ganz…in hochkonzentrierten Dreiergruppen mussten wir die Tour für den nächsten Tag planen. Alles aber auch alles musste da verarbeitet werden: Großwetterlage, kleines Wetter, Höhenlinien, Gelände, Entscheidungspunkte  usw. usw.. Zum Abschluss sollte dabei eine Gipfelbesteigung herauskommen, die in echt machbar ist – und zwar gleich am nächsten Tag.

BT: Und die habt ihr euch dann einfach so ausgedacht?

D: Wir haben alle Hilfsmittel, die nur möglich waren, genommen: Karten, Lineal, Handy, uralte Tourenbücher und sogar die Stirnlampen mussten raus. Am schwierigsten ist schon das Kartenlesen, das braucht echt Übung…..und außerdem sollte es sogar schneien bis runter auf 2500 m…wir wollten möglichst einen Gipfel ohne Schnee.

BT: Und dann?

D: Und dann war‘s beschlossene Sache: Morgen geht’s auf den Vorderen Gufelkopf, der war nicht so hoch (2426 m), aber außer uns geht da sonst wohl kaum einer rauf. Aber Matthias und Stefan, unsere Kursleiter, die haben so `ne Aura um sich, denen vertraut man einfach … und frau. Wir waren zwei Frauen und vier Männer, die das Ganze miteinander durchgezogen haben.

BT: Kanntest du die?

D: Nur zwei. Aber irgendwie ist man sehr schnell vertraut miteinander. Es war, als hätten wir schon viele Touren gemeinsam geplant und durchgeführt… Ja und am Samstag ging es dann los bei 5° und Regen – erst mal entspannt auf einem Weg zum Gufelsee. Also ganz entspannt stimmt nicht so wirklich… mussten immer alles im Auge behalten: Zeit, Wetter, Orientierung und die berühmten Entscheidungspunkte.

BT: Was soll das sein?

D: Wo du immer wieder überprüfst, ob du die Tour wie geplant fortsetzen kannst... also da hat eigentlich alles super hingehauen, hätt ich nicht gedacht. Na jedenfalls als wir so weitergehen, kommt unser Tagesgipfel ins Blickfeld. Und da hab ich, glaube mal, laut gedacht: „Ach du Scheiße, da müssen wir rauf?“ Aber da sind wir dann rauf, weglos. Das hat vielleicht gebröselt. Den ganzen Weg rauf mussten wir den Fels anklopfen, ob er locker ist und dann sich darauf hochdrücken anstatt zu ziehen. Das war mir auch neu – aber eindeutig sicherer!

BT: Und habt ihr es geschafft?

D: Ja, bis oben und auch wieder runter. War echt ein Erlebnis. Allein hätte ich sowas nie gemacht, aber in der Gruppe und mit den Ratschlägen von Matthias und Stefan ging’s richtig gut.

BT: Und dann seid ihr wieder zurück zur Hütte?

D: Na so schnell nicht. Gab sogar mal eine Pause… am Schneefeld. Natürlich mit Kursinhalt!! Matthias hat die Gehtechnik von Meister Eder erklärt; die schont Muskeln und Gelenke aber verschont nicht vor Muskelkater – wie du siehst….. Mussten dann schnell unsere Stullen verdrücken und dann sicheres Gehen auf Blockschutt üben.  Da gibt’s lustige Fotos, wie wir da so rübereiern…

BT: Na, noch mehr Programmpunkte zu bieten?

D: Klar, wir mussten ja noch heimfinden. Also folgte Orientieren mit Karte und Kompass. Fand ich cool. Da schneidest vor und zurück und sonstwohin und kannst sogar noch im Nebel heim finden…also wenn man’s kann. Jedenfalls war das voll der interessante Tag. Da lernst du so viel… hat mich sehr beeindruckt.

BT: Und gab‘s dann doch mal das wohlverdiente Feierabendbierchen?

D: Bierchen schon – Feierabend nicht. Nach dem Essen haben wir noch was, also so einiges, über Risikomanagement, Recht und Naturschutz im Alpenraum gehört.

BT: Uhh, hört sich trocken an…

D: Wir hatten ja was zum Trinken J. Nee, war interessant und mit spannenden Geschichten zubereitet. Und Sonntag war dann noch alpines Kletterprogramm….und wir hatten super sonniges Wetter!!!

BT: Ihr seid geklettert?

D: Na wir haben vor allem die Mehrseillängen geübt, mit Standplatzbau, Nachsichern usw… Obwohl das für mich nicht neu war, war doch vieles zum „Mitnehmen“ für mich dabei. War z.B. überrascht, an was für Minifelsen man einen Standplatz bauen kann, wenn’s nicht anders geht. Na was meinst, machst du das auch mal?

BT: Nie im Leben, da spiel ich doch lieber Bridge. Wofür hast du denn den Kurs eigentlich gemacht?

D: Ach weißte, da kannst so viel lernen, den kann ich eigentlich für richtig vieles gebrauchen. Alle haben den Kurs voll gelobt, vor allem, dass wir mehr Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten fürs alpine Gelände bekommen haben….und natürlich haben sie auch die Kursleiter gelobt: Super Idee und super Durchführung hat jeder gesagt. In zwei Jahren wollen sie den Kurs wieder anbieten. Na vielleicht tauschst ja dann doch mal die Bridge-Karten gegen ein paar hochmotivierte Bergsteiger/innen? ….Ciao!!

Tourenplanung mit Licht und Verstand
Prüfender Blick am Entscheidungspunkt
Fortbewegungsart einiger Bergsteiger
Schulung auf dem Sattel
Blockspringen nach Engelbert
Wo ist meine Hütte?
Fröhliches Vorbereiten aufs Alpinklettern
Hinauf auf das Plattigspitz-Ostgrad
Drei standfeste Bergsteiger
Zufriedene Gesichter bei Lehrer und Schüler
Verantwortung erfolgreich übertragen