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Wo die wilden Pilze wohnen ...

30.09.2017 - 03.10.2017
Autor: Svenja Weiß und Alida Lieb
Tour-Nr.: 2017-06-16

Mehrtageswanderung im Hohen Venn

Es waren einmal neun Moorwanderlustige. Sie hießen Karin, Susanne, Alida, Svenja, Dietmar, Julian, Sebastian, Stephan und Walter und machten sich an einem sonnigen Samstagmorgen in ihrer mittelfränkischen Heimat auf, um im Hohen Venn das Fürchten zu lernen … oder was ein Hochmoor sonst noch so zu bieten hat.  

Bis auf Stephan, der die Tour leitete, betraten sie immerhin Neuland und waren gespannt, was das größte Hochmoor Europas wohl für sie bereithalten mochte und voller Hoffnung, dass sie auch wieder vollzählig daraus zurückkehren sollten.

Ausgerüstet für alle Lebens- und Appetitlagen fuhren sie in das gut in einem kleinen Tal versteckte und sehr hübsch anzusehende Örtchen Monschau kurz vor der belgischen Grenze und quartierten sich dort am Nachmittag mit bester Aussicht und mittelalterlichem Flair in der Jugendherberge in der Burg ein. Nachdem sie ein paar Drachenkämpfe mit den zum Teil recht bissigen Burgangestellten durchstanden hatten, erkundeten sie schon einmal das Monschauer „Stadt“leben und stellten schnell fest: Trotz der versteckten Lage ist man in Monschau alles andere als allein – wie sie im Laufe ihres Aufenthaltes noch erfahren sollten, hat die Monschauer Altstadt zwar nur um die 800 Einwohner, wird dafür jedoch jährlich von rund zwei Millionen Touristen besucht! 

Am Abend zogen die neun noch in einen ortsansässigen Bierkeller, um die Welt der belgischen Biere und vielfältigen Biergläser etwas genauer zu erkunden – und nicht zu vergessen, der Monschauer Els! Einen Teil der Gruppe trieb es im Anschluss noch weiter in das gemütliche „Zum Haller“ und die Stammzuflucht für die nächsten Abende war gefunden. 

Am Sonntagmorgen machten sich die tapferen Moorwanderer schließlich zum eigentlichen Ziel ihrer Reise auf und fuhren über die belgische Grenze zum Wanderparkplatz Passerelle de Belleheid. Von dort aus ging es am späten Vormittag auf in das wild-romantische Hoëgne-Tal. Schmale, verwurzelte Pfade und Holzstege führten entlang des ursprünglichen Baches durch die herbstlichen Mischwälder in eine märchenhafte Welt, in der die Flüsse rostbraun fließen und die Zunderschwämme auf den Bäumen wachsen. Dank der Bio- und Geoexperten Stephan und Dietmar lernten sie dabei unter anderem, dass Baumpilze ganz schön geotrop unterwegs sind, und sie hier auf einem sehr alten, ehemaligen Hochgebirge wanderten.

Nach einiger Zeit erreichten sie eine versteinerte Brücke, die manch einen in einen magischen Bann zu ziehen schien, und eine Trinkpause in eine Brotzeit in der Sonne verzauberte. Nachdem der Bann gebrochen war, ging es weiter über zunächst breitere Wege und erste kleinere Passagen, die erkennen ließen, dass man sich hier in doch recht sumpfigen Gefilden bewegte. Der Großteil der Pfade schlängelte sich jedoch bald wieder in stetigem Auf und Ab durch die herbstlichen Wälder – und über meist recht rutschigen Stock und Stein. Da hieß es aufmerksam sein, wenn man nicht auf dem Hosenboden landen wollte, was jedoch nicht jeden davor bewahrte ;-). Zudem hatte Stephan inzwischen – stets im vertieften Dialog mit seinem Zauberkompass und wohl auch aus Respekt vor den in Monschau mit dem Abendessen wartenden Burgdrachen – seine Sieben-Meilen-Stiefel angezogen. Zum Bewundern der schönen Umgebung blieb daher leider teilweise etwas wenig Zeit.

Doch eines – bzw. besser gesagt um die Abertausende – war(en) dennoch kaum zu übersehen, egal ob auf Bäumen, auf dem Waldboden oder zwischen Felsen, ob groß, klein, winzig oder riesig: die neun Ansbacher Wandervögel waren im Land der wilden Pilze gelandet!

Für den Endspurt hauchten Dietmars treue Flaschengeiste dem ein oder anderen noch einmal neue Kräfte ein, sodass die Gruppe wohlbehalten (und vollzählig!) am späten Nachmittag wieder den Parkplatz erreichte und sich mit ihrer blauen Kutsche durch eine letzte Furt pünktlich zum Abendmahl auf den Heimweg machte. 

Am Montag blickten die fränkischen Wanderer aus ihren Burgfenstern in einen recht kühlen, leicht verregneten Monschauer Morgen. Heute sollte es also in das „richtige“ Moor gehen. Ob da wohl alle Füße trocken blieben?

Doch die Moorgeister meinten es gut mit ihnen. Nachdem der erste Abschnitt der Wanderung (Startpunkt wieder einige Kilometer hinter der belgischen Grenze in der Nähe von Eupen) teilweise noch von leichten Schauern begleitet wurde, klarte es gen Mittag immer weiter auf und während der Brotzeitpause am frühen Nachmittag zeigten sich die ersten Sonnenstrahlen, die ab nun die Oberhand gewannen.

Die neun waren inzwischen in der Hochmoorlandschaft angekommen. Neben breit angelegten Grastrassen ging es immer wieder über schmale und teils bereits recht morsche bis kaum noch existente Bohlenpfade, die durch das von Pfeifengras und vereinzelten Büschen und Bäumen bewachsene Moorland führten. Und natürlich nicht zu vergessen die Pilze, die sie auch heute auf ihrem Weg in allen Ecken und Winkeln begleiteten!

Nach einiger Zeit auf der Hochebene bogen sie noch einmal ab in den Wald, vorbei an einem mysteriösen Knollenstamm, dessen Ursprung selbst Baum-Meister Stephan ein Rätsel aufgab. Ob ihn vielleicht doch ein Sumpfkobold zu verantworten hatte? – Sie sollten es nie erfahren …

Schon kurz darauf standen Stephan und sein Zauberkompass vor einer weiteren Aufgabe: der ursprünglich geplante Weiterweg war aufgrund einer Treibjagd versperrt. Ganz getreu der Weiß-Weidner‘schen Lebensweisheit „Lieber eine Abkürzung als erschossen werden! Aber lieber erschossen werden, als einen Umweg nehmen!“ schlugen sie daher den direkten Weg zu ihrem Ausgangspunkt ein. Der Rückweg führte zunächst durch die Hochmoorlandschaft und ihre abenteuerlichen Bohlenwege und verlangte ihnen am Ende in einem steilen Anstieg angesichts müder Knochen und leichter Sturzblessuren noch einmal einige Kräfte ab. Doch das wichtigste Ziel war abermals erreicht: vollzählig! 

Den letzten Abend ließen die neun bei einem gemeinsamen Abendessen in Monschau mit leckerer Senfsuppe und Monschauer Senfschnitzel gemütlich ausklingen, was sie endgültig dazu ermutigte, der ortsansässigen Senfmühle am nächsten Tag noch einen Besuch abzustatten. Mit einigen Senftöpfen mehr im Gepäck machten sie sich am Dienstagmittag schließlich wieder auf den Heimweg … 

… und wenn sie sich nicht doch noch irgendwo im Moor verlaufen haben, dann leben sie noch heute und bedanken sich ganz herzlich bei ihrem Tourenleiter Stephan für die Organisation und ein paar schöne Ein- und Aussichten in und rund um das Hohe Venn!

Blick auf die Jugendherberge
Die Jugend ist fertig
Herbstwald
Eine Fliegenpilzfamilie
Landschaft im Hochmoor
Die Hoegne
Anstieg über Wurzelweg
Marktplatz Monschau
Monschau bei Nacht
Überall Pilze
Unter Wasser