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Venediger-Hochtour

23.07.2017 - 26.07.2017
Autor: Felix Franz
Tour-Nr.: 2017-05-54

Tolle Tour dank Armins zielsicherer Intuition und Souveränität

Tour zum Großvenediger (3674 m)

Tourenleiter: Armin Weigel

Dank einer spontan aus dem Boden gestampften Tour von Tourenleiter Armin Weigel hatten neun Kurzentschlossene die Möglichkeit zu einer Tour auf den Großvenediger.

Wo beginnt eine wohlgeplante Tour? – Richtig, vor der Karte mit dem Ort der Begierde. Diese konnten die Teilnehmer bei der Vorbesprechung ein paar Wochen vorher im Vereinsheim in Augenschein nehmen, wo auch organisatorische Dinge, wie Route physische/technische Anforderungen und Ausrüstung (Kondition bis 8 Stunden, Trittsicherheit und sicheres Gehen mit Steigeisen auf größtenteils vergletschertem Gebiet) geklärt wurden. 

Um kurz nach sechs fahren wir (Armin, Gudrun, Gerhard, Felix, Rainer, Lisa, Johann, Friedrich, Andrea, und Joachim) von Ansbach mit unseren zwei „Schoffören“ Johann und Gerhard ab und erreichen nach rund 5 Std. den Parkplatz oberhalb von Hinterbichl auf ca. 1.470 m als unseren Startpunkt. Die Besteigung des Großvenedigers ist in den nächsten Tagen unser Ziel. Dieser liegt als Hauptgipfel der Venedigergruppe in den Hohen Tauern am Alpenhauptkamm an der Grenze von Osttirol zu Salzburg und ist mit 3.666 m der höchste Berg in Salzburg. Der Venediger befindet sich dabei in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern, wo der menschliche Eingriff auf das nötigste zu beschränken ist. Die Gesteine (Granitoide, Granitgneise, Serpentin) bildeten sich während der variszischen Gebirgsbildungsphase vor rund 340 bis 310 Mio. Jahren.

Der Aufstieg ist von Süden über das Defreggerhaus geplant, das wir morgen Mittag erreichen werden. Diese Route gilt als leichteste, wobei auch hier die Spaltengefahr nicht unterschätzt werden darf, da die Spalten oft schwer sichtbar sind, was sich am dritten Tag bewahrheiten sollte. Über eine kleine Abkürzung durch den teilweise recht feuchten Wald sowie über den  Fahrweg, der sich das Trogtal hinaufschlängelt, erreichen wir um ca. 15:00 Uhr bequem unser Tagesziel, die Johannishütte auf 2.121 m. Aufgrund der Sonne kommen wir dann doch leicht ins Schwitzen, doch zunehmend wird es bedeckt und windig. Rund um die Johannishütte wächst Brüstlingsrasen, Hauswurz, Bayrischer Enzian, Petersbart, Gletscherhahnenfuß und andere Pflanzen. Die Hütte ist im Inneren hell und freundlich, weiterhin wird zu unserer Verwunderung sogar heißes Wasser in den Waschräumen geboten. Der Apfelstrudel ist hier besonders zu empfehlen. Nach dem Abendessen kommt die Sonne nochmals durch und der Venediger zeigt was er zu bieten hat, lediglich der Gipfel hüllt sich in Wolken. Nach einer Nacht mit urtümlichen, männlichen Geräuschen im Schlaflager um kurz vor halb acht lässt die heranwabernde Wolkenwand, die uns schließlich verschluckt, die gemeldeten 46 Liter Niederschlag erahnen. Bei mäßigem Regen erreichen wir über Seitenmoränen und die abgeschliffene Schulter des Gletschers nach einem steilen Anstieg über plattige Schuttfelder das Defreggerhaus auf 2.962 m. Durch eine Trocknungs- und Verschnaufpause gestärkt machen wir am Nachmittag bei widrigsten Bedingungen (Wind und Graupel) einen kleinen Abstecher zum Gletscher, um das Gehen in der Seilschaft den Neulingen näherzubringen. Die warme Stube und Heißgetränke bringen danach die Lebensgeister zurück und die Ausrüstung kann getrocknet werden. Am Tag drei gehen wir und unsere zwei slowakischen Freunde, die sich uns angeschlossen haben um kurz nach acht los, um den Venediger zu nehmen. Nachts hat es geschneit, weshalb entsprechende Vorsicht beim Gehen geboten ist. Es geht Richtung Norden entlang des Moränenrückens aufwärts zum Mullwitzaderl. Dort verbinden wir uns mit dem Sicherungsseil und zücken die Eispickel. Es folgt ein diagonaler Anstieg knapp südlich am Rainerhorn vorbei. Die Aussicht knapp unterhalb der Wolkendecke ist dabei atemberaubend. Unser Weg führt etwas steiler über das Rainertörl Richtung Nordwesten, leicht ansteigend auf den Steilaufschwung vom Venediger zu und schlussendlich aufwärts auf die breite Schulter und am schmalen Grat zum Gipfel mit 3.666 m. Die Zeit am hart erkämpften Gipfel war jedoch aufgrund des sich verschlechternden Wetters knapp bemessen, so dass lediglich Zeit für ein schnelles Bild und „Berg heil“ war. Während unseres Aufstiegs vernahm man lediglich den Wind, das Prasseln der Schneekristalle auf die Kapuze, das Knarzen des Schnees und ab und an im Hinblick auf Gletscherspalten wichtige Kommandos, wie „Seil auf Spannung“ oder „Spuren genau nachtreten“. Wenn man den Kopf hebt um das Geschehen vor einem zu beobachten, zwingt einen der Berg dazu das Haupt demütig wieder zu senken, indem kalter Wind und Schnee ins Gesicht blasen, und sich erneut auf seine Schritte zu konzentrieren. Die Hauptarbeit beim Aufstieg verrichteten unsere Vorsteiger Armin und Rainer, da der Schnee meist weich und tief war. Die letzten mussten durch die bereits festen Tritte die geringste Energie aufwenden. Während des Aufstiegs war hin und wieder Wehklagen im Wind zu hören. Die Sicht beträgt die meiste Zeit nur 50 Meter oder weniger, wodurch sich die Orientierung auf Intuition beschränkt, welche sich bei Armin als sehr zielsicher erweist. Nach dem Gipfel fallen wir in die Flanke des Südgrats gen Südosten und nehmen auf dem Rückweg noch das Hohe Aderl 3.506 m mit. Hier verdunkelt sich der Himmel nochmals und eine noch steifere Brise zieht auf, die uns zum beschleunigten Abstieg zwingt. Die Spur des Vordermanns war bereits beim Aufstieg halb verweht. Manch einer zeigt beim Aufspüren von Gletscherspalten außerordentliches Geschick, indem die Spaltentiefe mit ein oder zwei Beinen akribisch geprüft wurde. Zurück im Defreggerhaus zollt uns das Original eines Hüttenwirts – wie man sich einen vorstellt – vormals wortkarg seinen Respekt, den Weg bei diesem Wetter gefunden zu haben und spendiert eine Tüte Chips. Jetzt kann auch der Gipfelschnaps mit Joachims pfundigem Zwetschger nachgeholt werden. Prost. Nach dem Abendessen und guten Gesprächen fallen wir nach der gut sechsstündigen Tour halbwegs ausgelastet ins Lager. Am vierten und letzten Tag steigen wir mit einer Pause in der Johannishütte und Apfelstrudel rund fünf Stunden ab und erreichen wohlbehalten und zufrieden mit einer alpinistisch wertvollen Erfahrung reicher den Parkplatz. Um kurz vor acht Uhr abends konnten wir sodann unsere Rückkunft vermelden.

Unser aller Dank und Anerkennung gilt Armin mit seiner Ruhe in nahezu jeglicher Situation, seinem bewundernswerten Orientierungsvermögen sowie für die souveräne Führung!

 

Johannishütte
Gruppenfoto vor der Johannishütte
Rast beim Aufstieg am ersten Tag
Defreggerhaus bei Sonnenschein
Schneefall am Defreggerhaus
Unterwegs am Mullwitzkees im dichten Schneefall
Im Aufstieg unter dem Rainerhorn
Großvenediger, Hohes Aderl und Rainerhorn
Am Gipfelgrat des Großvenedigers