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Hochtour Cevedale/Ortlergruppe

10.08.2017 - 15.08.2017
Autor: Moritz Holona
Tour-Nr.: 2017-05-51

Beeindruckende Erlebnisse auf der ersten Hochtour des Autors

Am Montag, 10. August 2017, ging es für mich auf meine erste geführte Bergtour mit dem Alpenverein. Ich war schon sehr gespannt, da es nicht nur mein erstes Mal mit dem DAV, sondern auch meine erste richtige Gletscher-Tour war. Treffpunkt für die Abfahrt war der Parkplatz am Onoldsbach um 06:30 Uhr. Bei der Vorbesprechung zwei Wochen vorher waren wir acht Personen, wobei ich mit 21 Jahren der Jungspund war. An diesem Morgen stellte sich jedoch heraus, dass kurzfristig zwei Leute krank wurden und wir somit nur zu sechst nach Italien fuhren. Die etwa 7,5 Stunden Fahrt bei schönstem Wetter stellte sich für mich als sehr entspannend heraus, wobei ich nicht für alles Geld der Welt die Fahrerrolle auf den Passstraßen hätte übernehmen wollen, denn dort herrschte der Wahnsinn. Ohne große Verzögerungen kamen wir auch am Parkplatz über Bormio an und warfen uns die Rucksäcke auf. Nach knapp 90 minütigem Aufstieg erreichten wir auch schon unsere erste Hütte, das Rifugio Pizzini auf 2706 m. Die Hütte war so gut wie unbesucht und somit konnten wir in aller Ruhe die Touren der kommenden Tage besprechen. Es war gutes Wetter gemeldet und so war ich sehr auf die nächsten Tage auf dem Gletscher gespannt. Am nächsten Morgen (Dienstag) verließen wir das Rifugio und stiegen über einen schroffen Pfad zur Casati-Hütte auf, die genau auf der Grenze zwischen Südtirol und der Lombardei, am Fuß der Suldenspitze, auf 3269 m liegt. Von der Terrasse der Hütte aus hatte man einen malerischen Ausblick auf den Gletscher, die Zufallspitze sowie den Monte Cevedale, das Ziel des nächsten Tages. Wir nutzten die restliche Zeit um den Gletscher und die niedrigeren Gipfel im Umkreis weiter zu erkunden und uns an das Gelände zu gewöhnen. Ein Highlight für mich als ehemaligen Soldaten waren die vielen Stellungen und Überreste aus dem ersten Weltkrieg, da sich im Umkreis der Hütte die Hauptkampflinie zwischen Österreich-Ungarn und Italien befand. Am Abend wurde ich in der Hütte leicht geschockt, da mich in der Toilette kein übliches WC wie in Deutschland erwartete, sondern ein gähnendes Loch im Boden. Mir wurde von allen anderen Gruppenmitgliedern jedoch versichert, dass das in Italien gang und gäbe sei. Autos für hunderte tausend Euro bauen und dann so ein Eklat im Sanitärbereich. Das Zimmer war etwas klein für eine sechs Personen starke Gruppe, aber schließlich waren wir auch auf über 3000 m Höhe, wo Ressourcen etwas knapp sind. Da für den kommenden Tag der Aufstieg auf den Monte Cevedale mit anschließender Gratüberquerung geplant war, gingen wir früh ins Bett bzw. bezogen die Hängematten-Matratzen. Am anderen Morgen verschwendeten wir keine Zeit und verließen das Rifugio um kurz nach sieben Uhr und begannen den Aufstieg durch den Nebel in Richtung Cevedale. Da bereits mehrere Gruppen vor uns diesen Weg gegangen waren, erwies sich die Wegfindung größtenteils als relativ einfach. Nach etwa 90 Minuten und vielen klaffenden Gletscherspalten erreichten wir den Gipfel des Monte Cevedale auf 3769 m. Unser Timing war perfekt, denn kaum hatten wir die Rucksäcke unter dem Gipfelkreuz abgelegt, brach die Sonne durch den Nebel und die Wolken und eröffnete uns einen malerischen Ausblick auf die Umgebung und benachbarten Gipfel. Der eigentliche Plan für die Gratüberquerung an diesem Tag musste leider gestürzt werden, da der Gletscher, über den wir eigentlich weiter laufen wollten, schlichtweg nicht mehr begehbar war. Armin beschloss daraufhin bereits an diesem Tag die Hütte, die für die letzte Übernachtung geplant war, anzusteuern und die nächsten Tage vom Rifugio Branca aus zu starten. Wir waren alle einverstanden, denn keine Bergtour der Welt ist es wert, sein Leben zu riskieren. Im Anschluss begannen wir die 1300 hm Abstieg auf die Branca Hütte. Zunächst erwies sich der Abstieg jedoch als weitaus fordernder als der Aufstieg, da der Nebel immer dichter wurde und somit die Sicht stark einschränkte. Das Wetter hinderte Günter jedoch nicht, uns mit einer unglaublichen Souveränität und fast ohne GPS sicher vom Berg herunterzubringen. Der Rest des Abstiegs verlief problemlos und nach einer kurzen Rast im Rifugio Pizzini, der Hütte vom Montag, ging es auch schon weiter. Die Branca Hütte liegt auf 2487 m und man merkt sofort den Höhenunterschied anhand der Preise und des Angebotes an der Bar. Selbst unser heimisches Tucherbier konnte zum "Spottpreis" von 6,50 € die Halbe erworben werden. Hier gönnte ich mir die erste Dusche seit dem Wochenende und es fühlte sich grandios an. Die Bewirtschaftung auf der Hütte selbst war exzellent und die Wirtin sprach sogar fließend deutsch. Für den nächsten und letzten Tourentag, den Donnerstag, beschlossen wir den Palòn della Mare in Angriff zu nehmen. Dieser würde von uns einen Aufstieg von etwa 1300 hm fordern. Bei gutem Wetter starteten wir am nächsten Morgen wieder früh von der Hütte aus und stiegen zunächst über steinige Wanderwege in felsigeres Gelände auf und mussten zwischenzeitlich sogar kleine Klettereinlagen einlegen. Der Aufstieg über den Gletscher erwies sich als etwas komplizierter als die Tage davor, denn dieser war viel steiler und auch die Spalten waren häufiger so groß, dass sie aufwendig umgangen werden mussten. Gott sei Dank schien während der ganzen Zeit die Sonne und somit fror man schon nicht während die Sicherungen auf- und abgebaut wurden. Den Gipfel oder eher das Schneefeld mit einem kläglich aussehenden Kreuz erreichten wir wie geplant gegen Mittag. Beim Abstieg entschied Armin, dass es wohl das einfachste sei sich am Gletscher abzuseilen und somit baute er in Windeseile eine Abseilstelle auf, von der aus wir uns schneller in Richtung Tal begeben konnten. Ein letzter Teil am Rand des Gletschers musste über ein Geröllfeld zurückgelegt werden und meine Gamaschen erwiesen sich als goldwert, da ich mir ohne sie wohl mehrfach die Wade mit den Steigeisen verletzt hätte. Der Rest des Rückweges verlief vollkommen problemlos und wir erreichten gegen vier Uhr die Branca Hütte. Alles hatte perfekt und nach Plan geklappt. Wir ließen den Abend in geselliger Runde ausklingen, bei dem auch wie die Abende vorher unser Lieblingsthema, die E-Bikes, zur Rede kam. Den anderen Morgen verwendeten wir nur noch zum Abstieg zum Parkplatz und so hieß es nach fast fünf wunderschönen Tagen: Heimfahrt nach Ansbach. Ich möchte mich vielmals bei allen Teilnehmern, das sind Andrea, Armin, Michael, Friedrich und Günter, für die schöne Zeit während meiner ersten Tour mit dem Alpenverein bedanken. Ihr ward eine tolle Gruppe und trotz des Altersunterschiedes gab es keinerlei Verständigungsprobleme zwischen uns. Ganz besonderer Dank gilt an dieser Stelle noch Armin und Günter, die uns nicht nur sicher von Ansbach nach Bormio chauffierten, sondern auch mit einer unvergleichlichen Selbstsicherheit die Berge rauf und runter führten…

Moritz Holona

Auf dem Cevedale-Gipfel
Blick auf Königsspitze, Zebru und Ortler
Blick zurück auf die Casatti-Hütte
Die beiden Cevedale-Gipfel
Die Überreste aus dem 1. Weltkrieg auf 3200 m Höhe
Im Gletscherbruch - Aufstieg zum Palon de la Mare
Vioz und Palon de la Mare
Punta San Matteo
Rifugio Branca