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Hochtour in den Urner Alpen

27.07.2016 - 31.07.2016
Autor: Strohmeier Georg
Tour-Nr.: 2016-02-33

Kein Tag ohne Rivella

Am Mittwoch, den 27. Juli um 04:00 Uhr in der Früh begann unsere 4-tägige Tour in die Zentralschweiz, nämlich nach Engelberg im Kanton Obwalden in den Urner Alpen. Nach fünfstündiger Anfahrt folgte ein 2½-stündiger Aufstieg über ca. 780 Höhenmeter zur Spannort-Hütte auf 1954 m.

Die Spannort-Hütte ist eine sehr ursprünglich gebliebene Alpenhütte mit sehr rudimentären Angeboten, aber allerherzlichst bewirtet. Dieser ideale Fluchtpunkt konsumverwöhnter Städter bot uns für die nächsten Tage fließend kaltes Bergwasser zum Waschen am Trog hinter der Hütte und keinen Strom. Der Strom, den die Solarzellen auf dem Dach produzieren reicht gerade für das Notlicht und wenige Küchengeräte. Gekocht wird auf dem Holzofen. Die Freiluft-Toilette mit zweigeteilter Eingangstür eines Viehstalls bot allerdings für die individuelle Verweildauer einen unvergesslichen Panoramablick, welcher ganz bestimmt Eingang in jeden Speicher unserer mitgeführten Kameras fand.

Nach Einrichten der Unterkunft und nach der auf Schweizer Alpenhütten obligatorischen „Rivella“ als „must-have“ folgte noch ein halber Tag Kletter- und Seilausbildung und Auffrischung der Kenntnisse im nahe gelegenen Klettergarten.

Am zweiten Tag führten uns Peter und Conny auf die Spitze des Großen Spannorts. Wiederum morgens um 04:00 Uhr starteten wir nach einfachem aber ausreichendem Frühstück. Unser erstes Zwischenziel war das Schloßberg-Joch (2626 m). Dem folgte ein großes Gletscherfeld, nach welchem wir dann den an der Südseite des Großen Spannorts gelegenen Einstieg erreichten. Es folgte Kletterei im dritten Schwierigkeitsgrad. Nach anstrengenden Stunden und dem ein und anderen wackelnden Knie konnten wir uns zum "Berg heil" gegen Mittag am Gipfelkreuz auf 3198 m in die Arme schließen. Der Abstieg erfolgte über den Aufstiegsweg. Nachdem wir die Spannort-Hütte wieder erreichten, zeigten unsere digitalen Chronographen insgesamt 1600 Hm Aufstieg und 11h Gehzeit an. Mit dem obligatorischen Glas erfrischend kaltem Rivella in der Hand waren wir uns alle darüber einig, dass wir eine sehr anspruchsvolle aber auch sehr facettenreiche Tour erleben durften. Nach weiterem Austausch unserer Erlebnisse gaben wir uns den verschiedenen Schmankerln der Schweizer Küche unserer sehr charmanten Gastgeberin hin.

Am dritten Tag, wieder um 04:00 Uhr in der Früh, nahmen wir erneut das wiederkehrend vor uns im Süden sich auftürmende Schloßberg-Joch in Angriff. Heute war die Spitze des Krönten unser Ziel. Enden sollte die heutige Tour mit einem Hüttenwechsel in der Krönten-Hütte. Folglich hatten wir unser volles Gepäck mit in unseren Rücksäcken. Nach dem Schloßberg-Joch folgte die Querung des Gletschers in Richtung Krönten-Lücke. Mit Erreichen des Gletscherrandes folgte der Anstieg entlang eines mäßig ausgesetzten Felsgrats. Nachdem uns das Gipfelkreuz schon in unmittelbarer Reichweite schien, folgte nach Erreichen des selbigen unsere Überraschung. Der Gipfel mit dem Gipfelkreuz des Krönten steht ausgesetzt auf einem Turmpfeiler. Nach erstem ungläubigen Staunen war natürlich klar, dass auch diese Herausforderung von uns bezwungen werden sollte. Nach Vorstieg und Anlegen einer Sicherung durch Peter und Conny folgten die Gruppenmitglieder über die zum Teil sehr ausgesetzte Kletterei um den Felsturm herum, um dann bis auf das Plateau des Pfeilers auf 3107 m zu gelangen. Mit glücklichen Gesichtern und Stärkung nach Brotzeit machten wir uns sodann auf zum Abstieg auf die Krönten-Hütte hinunter auf 1903 m. Schon sehr früh in unserem Abstieg sahen wir bei allerbestem Wetter unser Ziel im Tal im satten Grün vor uns liegen. Doch der Eindruck täuschte. Nach anstrengendem Abstieg – er kam uns anstrengender vor wie der Aufstieg auf den Krönten selbst - erreichten wir am späten Nachmittag unser ersehntes Ziel. Mit stiefel- und kleidungsbefreiten Körpern erholten wir uns in den letzten warmen Sonnenstrahlen des späten Nachmittags mit – natürlich ein paar Flaschen prickelndem Rivella. Der Unterschied zwischen Spannort- und Krönten-Hütte hätte nicht unterschiedlicher sein können. Die Hütte, welche dem SAC Gotthard gehört, wurde 2014/2015 frisch renoviert und empfing uns mit einem neuen Toilettenbereich, Duschen und umfänglicher Stromversorgung. Nach zwei körperlich anstrengenden Tagen konnte der eine oder die andere dem angebotenen „Luxus“ nicht widerstehen.

Am vierten und letzten Tag unserer Tour stand „lediglich“ das Umsetzen von Krönten- zur Spannort-Hütte sowie der weitere Abstieg nach Engelberg zum Fahrzeug auf unserem Programm. So stiegen wir - wieder um 04:00 Uhr in der Früh - von unserer Hütte auf den Krönten-Gletscher über das Schloßberg-Joch wieder zur Spannort-Hütte ab. Nach einer kurzen Rast bei unserer ehemaligen Wirtin und einem dortigen „Must-Have-Rivella“, ging es weiter hinunter nach Engelberg. Bevor wir aus den Urner Alpen auf die Schweizer Autobahn aufbogen, beschlossen wir noch einen Einkehrschwung im schönen Kernort von Stans am Vierwaldstädter See. Dort, bei Kaffee und Schweizer Schoki ließen wir das Erlebte nochmal Revue passieren und schmiedeten schon Pläne für die nächste Tour hierher in die Urner Alpen.

„WIR“, das waren: Conny, Ilona, Peter, Uwe, Clemens, Jürgen, Frank und Georg

Am Krönten-Gipfel
Gratturm des Krönten
Großer Spannort
Südwestgrat des Großen Spannorts
Die Suche nach dem Wandeinstieg