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Besteigung des Hohen Ifen

08.07.2016 - 09.07.2016
Autor: Alida Lieb, Svenja Weiß
Tour-Nr.: 2016-02-30

Auf, auf, sattelt die Pferde, wir reiten ins Blackwater Valley (Schwarzwassertal) …

Los ging es an einem wunderbar sonnigen Freitag. Nach entspannter Anreise starteten wir –Gerhard, Heike, Harald, Sylvia, Andrea, Thomas, Svenja, Sebastian und Alida – an der Auenhütte am Fuße der Ifenbahn. Zunächst passierten wir die Baustellen der neuen Olympiabahn und des entstehenden Beschneiungssees, der in diesem Zustand allerdings eher noch einer kleinen Mondlandschaft glich. Doch schon bald wanderten wir das schöne Schwarzwassertal mit seinen prachtvollen Almwiesen entlang. Auf dem gesamten Weg zur Schwarzwasserhütte begleitete uns der imposante Blick auf den Hohen Ifen, der rechts über uns thronte. Und gleich von Anfang an waren wir dank unseres kompetenten Botanikerteams Gerhard und Sylvia immer gut darüber informiert, was uns links und rechts am Wegesrand Grünes und Farbiges begegnete. Besonders für Heike’s Blumenfotosammlung war dieser Umstand natürlich fantastisch.

Nachdem wir uns eine Weile im recht ebenen Gelände warm gelaufen hatten, erreichten wir die Melköde-Alm. Entlang des Weges hatte uns bis zu diesem Punkt ein Naturlehrpfad begleitet, der uns nun über das „Ifenloch“ aufklärte, das vor etwa 1.000 Jahren durch einen gewaltigen und auch heute noch sehr eindrucksvollen Bergsturz entstand.

Der folgende Aufstieg ging dann mit ein paar Höhenmetern einher – doch auch diese wurden von allen trotz der heißen Mittagssonne gut gemeistert. Umso mehr freuten wir uns aber natürlich auf ein kühles Getränk auf der Schwarzwasserhütte.

Nachdem wir dort Quartier bezogen und uns mit Gulaschsuppe und Kaiserschmarrn gestärkt hatten, sattelten wir ein weiteres Mal auf zu unserer kleinen, alpinen „Westerntour“:

Vom Blackwater Valley machten wir uns auf den Weg zum Greenhorn (Grünhorn, 2039 m), dem Hausberg der Schwarzwasserhütte. Über Stock und Stein verlief der Weg zwar nicht neben Kakteen, dafür präsentierte sich die Alpenflora in ihrer schönsten Pracht. Ganze Felder an blauem Enzian säumten unseren Weg. Nicht nur unsere Pflanzenexperten waren begeistert. Und oben auf dem Gipfel angekommen bot sich zur Krönung ein fantastisches Rund-um-Panorama bis in die Schweiz. Mit Blick auf den Widderstein gönnten wir uns einen wohlverdienten Gipfelschnaps und stiegen nach kurzer Pause zufrieden wieder ab. Hier gab es dann noch ein besonderes Highlight: ein weißer Enzian gleich am Wegesrand! Dieser ist, wie wir lernten, besonders selten und war sogar für den bergerfahrenen Gerhard erst der zweite in seinem Leben. Heike, ganz im Abstiegstraining, hätte ihn fast verpasst, aber was sind bei einer solchen Rarität schon ein paar zusätzliche Höhenmeter. Und unten auf der Schwarzwasserhütte warteten zur Belohnung schließlich bereits ein leckeres 3-Gänge-Menü und ein gemütlicher Hüttenabend, bei dem auch Heike endlich einmal erfuhr, warum Harald eigentlich immer sein Handy schüttelt.

Vorausschauend schlug Tourenleiter Gerhard vor, am nächsten Tag früh aufzubrechen, um einen Aufstieg auf den Hohen Ifen in der Mittagshitze zu vermeiden. Laut Wetterbericht sollte es sehr sonnig und warm werden. Geweckt wurden wir am nächsten Morgen allerdings von Regentropfen und Windböen. Nach dem frühen Frühstück warteten wir daher noch einige Tassen Kaffee ab und überlegten, ob ein Weiterwandern bei der Nässe zu risikoreich ist oder nicht. Um etwa halb zehn, als der Himmel endlich etwas aufhellte und nach kurzer Rücksprache mit dem Hüttenwirt, entschieden wir uns aber, die Besteigung des Hohen Ifen zu wagen. Gemütlichen Schrittes querten wir zunächst das Hochtal oberhalb des Naturschutzgebietes. Vorbei an Kühen, Ziegen und Hühnern, erreichten wir nach etwa zwei Stunden das erste Geröllfeld. Mit Helm auf dem Kopf verließen wir die Prärie der Almwiesen und machten uns auf in den etwas anspruchsvolleren Teil unserer Tour. Der Aufstieg, der später auch über einen kleinen Klettersteig führte, verlief nicht zuletzt dank Gerhard, der immer gute Tipps parat hatte, einwandfrei. Nach etwa 90 Minuten war der Gipfel erreicht und wir belohnten uns mit einer ausgiebigen Gipfelbrotzeit aus Mini-Hanuta, Pfefferbeißer & Co. Und wieder lernten wir dazu: im Wilden Westen isst man vielleicht Trockenfleisch, auf den Wilden Alpengipfeln geht für Sheriff Gerhard jedoch nichts über eine Trockenbanane!

Begleitet wurde unsere Rast von einem Wolken-Sonne-Mix, der uns immer wieder wunderschöne und stimmungsvolle Ausblicke in Richtung Norden und hinüber zum Fellhorn ermöglichte. Und nicht zu vergessen die Alpendohlen-„Banditos“, die das Gipfelpublikum sowohl mit ihren Essenbeschaffungsmaßnahmen als auch mit ihren Flugkünsten entlang der steilen Felshänge immer wieder schwer beeindruckten.

Gestärkt machten wir uns auf zum Abstieg durch gewaltige und faszinierende Karstlandschaften und weitere Fels- und Geröllpassagen hinab zum Gottesacker. Bereits vom Gipfel aus hatte sich dieses eindrucksvolle Plateau mit den noch zahlreich darin liegenden Schneefeldern vor uns ausgebreitet. Auch für uns ging es noch einmal über Schnee, bevor wir wieder in grünem Terrain die letzte Etappe zur Bergstation der Ifenbahn absolvierten. Dort angekommen, ließen wir die Wanderung gemütlich ausklingen und überwanden die letzten Höhenmeter abwärts gemeinsam per (Sessellift-)Luftlinie.

Und so ritten wir auf der Autobahn in den Sonnenuntergang, glücklich, zufrieden und bereit für neue Abenteuer …

Vielen Dank für eine wunderschöne Tour mit toller Leitung, einer super Truppe und unglaublich schöner Natur!

Schwarzwassertal
Rast auf der Schwarzwasserhütte
Ochsenofer Scharte - Blick Grünhorn
Blick zum Widderstein
Der seltene weiße Enzian
Blick zum Hohen Ifen
Rast muss auch sein
Kapelle bei der Ifersguntalpe
Auf dem Ifen-Plateau
Einstieg Ifen-Nordseite
Auf der Ifen-Nordseite